Kreisschule Gäu

«Es braucht Mut und einen gewissen Leidensdruck»

Sich Unterstützung zu holen stellt für viele Schüler eine Hürde dar. Bei Schulsozialarbeiterin Simone König an der Kreisschule Gäu stehen die Türen offen: Dank der Kommunikation über die sozialen Medien soll ein einfacher Zugang zu Hilfe ermöglicht werden.

Sarah Kunz
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Bruno Kissling

«Hilfe und Unterstützung stehen im Vordergrund. Und nicht Probleme.» Sozialarbeiterin Simone König stellt klar, dass ihre Arbeit nicht mit Negativen in Verbindung gerät, sondern eben gerade den positiven Aspekt in den Vordergrund stellt.

Seit rund einem Jahr arbeitet König an der Kreisschule Gäu in Neuendorf und blickt auf Herausforderungen, Erfahrungen und Ziele zurück.

121 Fälle hat König im vergangenen Jahr behandelt. Vorwiegend Schüler und Schülerinnen nehmen das Angebot in Anspruch, aber auch Lehrkräfte und Eltern. König hält fest, dass die Beratung stets freiwillig, aber auch immer einfach zu erreichen ist.

«Es braucht immer Mut und einen gewissen Leidensdruck, damit sich Schüler bei mir melden», erzählt König. Denn der Schritt zur Selbsthilfe braucht Überwindung. «Soziale Beratung ist für viele noch immer eine Hürde.»

Dabei sei es überhaupt nichts Schlimmes. «Ich sage den Schülern, dass sie stark und mutig sind, wenn sie sich zu diesem Schritt entschliessen», sagt König. Es sei wichtig, dass sie über ihre Rechte Bescheid wissen und sich für diese einsetzen können.»

Anmeldung via Whatsapp

Die Beratungsstelle nutzt auch die sozialen Medien, weshalb es für Schüler einfach ist, sich per Whatsapp zu melden. «Viele schreiben mir da und stellen mir ein oder zwei Fragen, die ich beantworten kann», so die Sozialarbeiterin.

«Teilweise wars das dann oder wir machen einen Termin aus.» Für die Schüler sei dieser Zugang angenehm. Oftmals würden sich jedoch nicht die Schüler, sondern die entsprechenden Lehrpersonen bei der Sozialarbeit melden.

«Häufig machen sich die Lehrer Sorgen, die sie mit mir teilen.» Der Lehrkraft könne unter anderem auffallen, dass ein Schüler mehrmals die Hausaufgaben vergisst, vermehrt zu spät kommt oder die Leistungen abnehmen. «Das kann verschiedene Gründe haben», sagt König.

Die Lehrkraft ermutigt dann den Schüler, das Gespräch mit der Sozialarbeiterin zu suchen. «Natürlich funktioniert die Beratung nur, wenn sie freiwillig ist», stellt König fest. Meistens seien die Schüler aber zu einem ersten Gespräch bereit. In diesem wird dann entschieden, ob es ein weiteres Angebot braucht und ob der Wille zur Veränderung vorhanden ist.

Individuelle Lösungswege

Bei schulischen Problemen erarbeitet die Sozialarbeiterin zusammen mit dem Schüler eine Strategie oder sucht einen Weg mit der Lehrkraft. Bei sozialen oder gesundheitlichen Faktoren bietet König im Umgang mit schwierigen Situationen Hilfe. «Ich schaue stets, dass ich auf den Schüler eingehen kann.» Denn jedes Problem brauche individuelle Lösungswege.

Beziehungen innerhalb der Familie oder den Freunden und gesundheitliche und soziale Entwicklung machen einen Grossteil der bearbeiteten Themen des letzen Jahres aus. «Die Schüler müssen mit immer mehr Druck und Verantwortung in der Bearbeitung ihrer Entwicklungsaufgaben klarkommen», sagt König.

Der Schritt von der sechsten in die siebte Klasse bringt viele neue Herausforderungen. Da steigen der Druck und die Leistungserwartungen an einen selbst extrem. Und vor allem im Umgang mit den heutigen sozialen Medien sei der Alltag komplexer geworden. Diese Faktoren können Schüler schnell einmal überwältigen.

Mobbing kommt eher selten vor

«Hinter den sozialen Medien kann man sich verstecken», erzählt die Sozialarbeiterin. «Das macht es einfacher, andere zu hänseln oder zu plagen.» Trotzdem benötigten im vergangenen Jahr nur vier oder fünf Schüler eine Beratung wegen Mobbing.

«Mobbing wird halt auch schnell als Begriff verwendet, obwohl es gar nicht zutrifft», erklärt König. Denn Mobbing bedeute, dass eine Person über einen längeren Zeitraum mehrere Male die Woche psychisch oder physisch angegriffen werde. Solange diese Faktoren nicht erfüllt sind, zähle der Fall nicht als Mobbing. «Sind sie aber erfüllt, ist der Leidensdruck immer sehr hoch», sagt König.

Der Druck der Schüler stelle wiederum auch die Eltern vor neue Herausforderungen. Und die Lehrer werden ebenfalls vor komplexere Aufgaben gestellt, die sie alleine nicht lösen können.

Diese Probleme übertragen sich alle auf die Schule. «Die soziale Arbeit kann da Entlastung und Ergänzung bieten», stellt König klar. «Deshalb sind wir ein wichtiger Player in diesem System.»