Lokalindustrie

Eine Thaler Firma giesst Einzelteile aus Alu für Coronatests

Die Metallgiesserei Matzendorf AG stellt Aluminium-Teile für dringend benötigte Analysegeräte her. Das Geschäft ist auch ein wichtiges Standbein für das KMU.

Jocelyn Daloz
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Inhaber Hansjörg Zingg (links), Daniel Marti (mitte) und Martin Bobst (rechts, beide Geschäftsleitung) vor dem 5-Achs-Bearbeitungscenter, in dem derzeit einzelne Teile für Coronavirus-Analysegeräte nach dem Giessen in der Giesserei nachbearbeitet werden.

Inhaber Hansjörg Zingg (links), Daniel Marti (mitte) und Martin Bobst (rechts, beide Geschäftsleitung) vor dem 5-Achs-Bearbeitungscenter, in dem derzeit einzelne Teile für Coronavirus-Analysegeräte nach dem Giessen in der Giesserei nachbearbeitet werden.

Bruno Kissling

Der Bedarf an medizinischen Geräten zur Bekämpfung des Coronavirus ist überall auf der Welt rasant gestiegen. Insbesondere Beatmungsgeräte sind in vielen Ländern Mangelware.

In den USA hofft die Regierung zuweilen, dass die Autoindustrie notfallsmässig ihre Produktion umsattelt, während sich die Bundesstaaten einem wahren Bieterkrieg widmen, um sich die Mangelware zu beschaffen.

900 Beatmungsgeräte vom Bund bestellt

In der Schweiz hat sich dieser enorme Bedarf an Beatmungsgeräten unter anderem mit Grossbestellungen beim Hersteller von medizinischen Geräten, der Hamilton Medical im Bündnerland manifestiert.

Alleine der Bund hat 900 Geräte bestellt, wie die Handelszeitung schreibt. CEO Andreas Wieland sagte gegenüber swissinfo.ch, dass die ganze Welt nach den Geräten seiner Firma schreie.

Dasselbe gilt für Analysegeräte, die im Zusammenhang mit Coronavirus-Tests eingesetzt werden. Einen Zulieferer der Produktion dieser Geräte hat Hamilton Medical in Matzendorf: Dort stellt die Metallgiesserei Matzendorf AG nämlich Aluminium-Teile im Auftrag ihres bedeutenden Bündner Kunden her.

   

  

Bruno Kissling

Die KMU produziert ausschliesslich Aluminiumgussteile. Deren Geschäftsführer, Hansjörg Zingg bestätigt den grösseren Auftrag durch Hamilton Medical. «Glücklicherweise können wir auf diesen Auftrag zählen», sagt Zingg. Der momentane wirtschaftliche Abschwung und der Lockdown in anderen Branchen hat nämlich direkte Konsequenzen auf die Arbeit der Giesserei: Bei Kunden aus anderen Wirtschaftsbereichen erlebt sie zurzeit einen markanten Rückgang der Bestellungseingänge.

Den Auftrag der Hamilton Medical wird die Matzendörfer Firma termingerecht liefern können: «Wir verfügen über modernste Maschinen und gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter. Und auch die Rohstofflieferung ist momentan für gut ein Jahr gesichert. Es sollte also gut machbar sein.»

Auf die Frage, ob es sich besonders anfühle, weil er mit seiner Produktion Teil der medizinischen Versorgung sei, antwortet Zingg: «Nein, aber die Tatsache, dass wir unsere Mitarbeiter nicht entlassen müssen und wir die Firma möglichst ohne grössere Schäden durch die Turbulenzen führen können, ist für uns ein Erfolg.»

Giesserei Meister fährt auf ruhigen Gewässern

Unmittelbar neben der Giesserei Matzendorf stellt eine zweite Werkstatt Aluminiumteile her: Die Giesserei Meister. Diese stellt zwar kaum Einzelteile für Medizintechnik her, sondern für Filter in der Umweltschutztechnik. Die Firma giesst Filteraufnahmen für Filterpatronen, die in Luftreinigungsgeräte und Staubfiltern eingesetzt werden.

Trotz dem coronavirusbedingten Abschwuung der Wirtschaft kann sich die Giesserei über Wasser halten. «Wir sind im Moment gut ausgelastet», sagt Geschäftsführer Charles Meister. «Wir merken momentan von dem her kaum etwas. Der Export ist zwar etwas zusammengebrochen, aber der Binnenmarkt bleibt stabil.»