Latinphoto

Ein Feliz Cumpleaños im Gedenken an den Fotografen Hansruedi Aeschbacher

Vor 20 Jahren gründete Patrick Lüthy die Plattform Latinphoto.org. Zu diesem Anlass zeigt er – als Hommage an seinen verstorbenen Freund und langjährigen Presse-Fotografen – Fotos von Hansruedi Aeschbachers letzter Reise, die ihn nach Südamerika führte.

Yann Schlegel
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Die letzte Reise von Hansruedi Aeschbacher
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Die letzte Reise von Hansruedi Aeschbacher Ecuador : Islas Galápagos - Archipiélago de Colón - Patrimonio de la Humanidad - Reserva de la Biosfera - Isla Santiago ( Puerto Egas ) / Galápagos Islands - Galápagos tortoise or Galápagos giant tortoise ( Chelonoidis nigra ) / Ekuador : Galapagosinseln - Flora und Fauna der Inseln gehören zum Weltnaturerbe der UNESCO - Galapagos - Puerto Egas zeigt als Hommage an den langjährigen OT-Fotografen Hansruedi Aeschbacher Fotos seiner letzten Reise nach Lateinamerika (Galapagos/Ecuador). Die von Patrick Lüthy gegründete Plattform feiert ihr 20-jähriges Bestehen.
Die letzte Reise von Hansruedi Aeschbacher Ecuador : Preparación del cuy asado / Traditional preparation of a grilled cuy / Ekuador : Cuy gegrillt in Ecuador - Riesenmeerschweinchen zeigt als Hommage an den langjährigen OT-Fotografen Hansruedi Aeschbacher Fotos seiner letzten Reise nach Lateinamerika (Galapagos/Ecuador). Die von Patrick Lüthy gegründete Plattform feiert ihr 20-jähriges Bestehen.

Die letzte Reise von Hansruedi Aeschbacher

Hansruedi Aeschbacher

Es ist eine andere Seite von Hansruedi Aeschbacher. Eine ungewohnte. Seine Fotos, die er in seiner 38-jährigen Tätigkeit für das Oltner Tagblatt, die Solothurner Zeitung und das Grenchner Tagblatt Kanton aufwärts und abwärts schoss, kannte jede und jeder. Aber Aeschbachers Blick auf die ecuadorianische Kultur und in die Fauna von Galapagos erschien nie in der Zeitung. Es sollte «Aeschbis» letzte Reise sein. Im Frühjahr 2018 erfüllte er sich einen Wunsch und besuchte Lateinamerika. «Vielleicht hegte er diesen auch ein bisschen wegen mir», sagt sein Freund Patrick Lüthy. Die Leidenschaft für die Fotografie teilten die beiden einst in einem Studio in Oberbuchsiten.

Aus Ecuador und von den Galapagos-Inseln kehrte Aeschbacher mit einer umfangreichen Reportage heim. «Was ihn auszeichnete, war die Gabe, die speziellen Momente auf seine eigene Art festzuhalten», sagt Lüthy in seinem kleinen Fotostudio in Olten Hammer, während er sich durch das Archiv klickt, das ihm Aeschbacher bei seiner Heimkehr überliess. Ein halbes Jahr später verstarb der in Egerkingen wohnhafte Fotograf unerwartet an einem Herzschlag.

«Für mich ist Latinphoto das Auge Lateinamerikas»

Geblieben sind «Aeschbis» Fotos. Jene, die er auf der Südhalbkugel schoss, sind heute auf der Plattform Latinphoto.org archiviert. Das Bildarchiv ist ein Lebensprojekt von Patrick Lüthy, das er vor 20 Jahren aufbaute. Als ihm dies bewusst wurde, kam ihm die Idee, den Geburtstag mit einer Hommage an seinen Freund «Aeschbi» zu verbinden.

«Für mich ist Latinphoto das Auge Lateinamerikas innerhalb des Auges der Welt», sagt Carlos Ortiz Fragalá. Der Argentinier ist einer von rund 300 Fotografen, welche die von Patrick Lüthy geschaffene Plattform mit ihren Aufnahmen bereichern. Über 200 000 Fotos umfasst die Datenbank heute.

Alles begann 1997. Gemeinsam mit seiner Frau und ehemaligen Journalistin Zita Motschi und seinen zwei Buben wanderte Lüthy nach Argentinien aus. Der Plan scheiterte nach einem Jahr. «Es war eine wirtschaftlich schlechte Zeit», erinnert sich Lüthy. Am Wochenende fotografierte er Hochzeiten der Oberschicht – am Montag fand er sich in den Armen-Slums wieder. «Dieser krasse Kontrast löschte mir ab.» Zu jener Zeit wurde der argentinische Fotograf José Luis Cabezas entführt und ermordet, nachdem er den mächtigen Industriellen Alfredo Yabrán fotografiert hatte. Der Tod Cabezas’ löste eine Welle von Protestkundgebungen aus, die Lüthy dokumentierte. Durch den Kontakt mit argentinischen Fotografen wuchs die Idee, ein Bildarchiv zu schaffen und mit diesem Fotografen aus Lateinamerika zu unterstützen.

Jede Nacht reist Lüthy seither virtuell nach Lateinamerika, wenn er die neu eingetroffenen Bilder hochlädt und mit Legenden versieht. «Eigentlich war die Plattform noch nie rentabel», sagt der Egerkinger Fotograf. In den letzten Jahren ging der Foto-Verkauf besonders stark zurück. Grosse Agenturen lassen kaum Raum für Plattformen wie Latinphoto. Dennoch gab Lüthy das Projekt nicht auf. Im Gegenteil: Er hört nicht auf, neue Ideen zu entwickeln. «Niños Reporteros» ist sein neustes Projekt. Mit ausgedienten Kameras, die Latinphoto nach Südamerika schickt, sollen Schulklassen mit der Fotografie vertraut werden.