«Auf einen Kaffee mit...»

Die Hälfte des Schweizer Meistertitels im Team-Aerobic geht ins Gäu

Myriam Schlienger und Corinne Albertini-Schlienger holten am letzten Wochenende den Aerobic-Meistertitel in der Kategorie Paar. Der Titel geht zum einen an den STV Niederbuchsiten, zum anderen an den DTV Schupfart.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Schwestern Myriam Schlienger (l.) und Corinne Albertini-Schlienger sind Schweizer Meisterinnen im Aerobic Kategorie Paar.

Die Schwestern Myriam Schlienger (l.) und Corinne Albertini-Schlienger sind Schweizer Meisterinnen im Aerobic Kategorie Paar.

frb

Welcher Treffpunkt wäre geeigneter für «ein Kaffee mit ...» bei dem die Gesprächspartner aus Liestal und Solothurn anreisen, als das Bahnhofbuffet Olten. Zwei junge Frauen sitzen mir gegenüber – zweifellos Schwestern. Es sind Corinne Albertini-Schlienger (28) und Myriam Schlienger (26). Sie haben gerade eine gute Stunde Zeit für ein Gespräch, bis sie den nächsten Termin wahrnehmen: den Schlusshöck mit ihren Kolleginnen und Kollegen des TV Niederbuchsiten.

Dieser Turnverein ist auch «schuld» daran, dass die beiden Schwestern momentan ein bisschen Promi-Luft schnuppern, denn sie gewannen am letzten Wochenende für den TV Niederbuchsiten im schwyzerischen Pfäffikon den Schweizer-Meister-Titel Aerobic in der Kategorie Paar.

Doch Myriam und Corinne sind eigentlich gar keine Gäuerinnen; sie stammen aus dem Fricktal, aus Schupfart. Beide leben heute in Liestal. Wie es dazu kam, dass sie beim TV Niederbuchsiten mitmachen, ist eine spezielle Sache. Corinne Albertini-Schlienger erzählt: «Wir waren beide beim TV Schupfart aktiv. Doch es kam zu Differenzen zwischen mir und dem TV Schupfart.»

Albertini-Schlienger hatte grössere Aerobic-Ambitionen, als die Fricktaler. «Also nahm ich anlässlich des Eidgenössischen Turnfestes in Biel 2013 Kontakt mit den Niederbuchsiter Turnern auf, weil ich wusste, dass dort das Aerobic ein wichtiger Bestandteil des Turnprogrammes ist.» Tatsächlich war der TV Niederbuchsiten 2011 schon Schweizer Meister. Als ehemalige Kunstturnerin und engagierte Aerobic-Turnerin wurde sie natürlich dort sehr gerne aufgenommen, erzählt Corinne weiter. «Ob ich von Liestal aus nach Schupfart oder nach Niederbuchsiten zum Training fahre, kommt etwa auf das Gleiche heraus», meint sie noch.

Ein Titel – zwei Vereine

Die Jüngere, Myriam, ist noch Mitglied beim TV Schupfart, sogar Vorstandsmitglied. Sie verbrachte die letzten Wintermonate aber in Australien und kam im März 2016 wieder zurück in die Schweiz. «Meine Schwester fragte mich dann gleich, ob ich nicht mit ihr an der Schweizer Meisterschaft in Pfäffikon im Team mitmachen wollte. Das war natürlich selbstverständlich.» Und so kam es, dass der Schweizer-Meister-Titel zur Hälfte an den TV Niederbuchsiten und an den TV Schupfart ging.

Beide Schwestern haben vor dem Aerobic aktiv Kunstturnen betrieben. Corinne erzählt, dass sie bereits als Dreijährige, den Wunsch hatte, Kunstturnerin zu werden. «Als ich fünf war, konnte ich dann endlich ins Training.» Und auch Myriam begeisterte sich für diesen Sport, obwohl beide von zu Hause aus keine diesbezüglichen Vorbilder hatten. «Unsere Eltern haben Hand- oder Fussball gespielt.» Myriam, die heute in einer Treuhandfirma arbeitet, kam mit 13 Jahren gar ins Schweizerische Juniorinnenkader, wo sie sechs Mal pro Woche 4 1⁄2 Stunden trainierte.

Aerobic gefällt den beiden aber besser als das Kunstturnen. «Hier wird das Tänzerische, Akrobatische, Gleichgewicht, Kraft, Fitness und Koordination miteinander verbunden», sagen beide einhellig. Als Schwestern verstehen sie sich bestens, kennen jede Regung der anderen. Corinne sagt: «Aerobic hat nichts mit Jane Fonda und Stulpen zu tun. Es ist eine Sportart, welche eigens im Schweizer Turnverband entwickelt wurde und die es nur bei uns in dieser Form gibt.» Der Schweizer- Meister-Titel ist deshalb also das Höchste, was zu erreichen ist. «Ich habe alles so geplant und es kam gut», sagt Corinne, die Physiotherapeutin ist.

Ein süsses Geheimnis

«Dass ich beim Wettkampf schwanger war, wusste niemand, nicht mal meine Schwester. Erst auf dem Siegerpodest sagte ich zu ihr: ‹Du wirst Gotti. Wir stehen zu dritt auf dem Podest›». Sie sei ja gut trainiert und ihre Ärztin war mit dem Vorhaben einverstanden. Doch jetzt beginne der Bauch zu wachsen, schmunzelt sie. Beide betonen, im TV Niederbuchsiten tolle Freunde getroffen zu haben. «Neben dem Sport ist auch das Gesellschaftliche ein wichtiger Teil der Turnerfamilie.» Sie verabschieden sich und machen sich auf zum Schlusshöck.