Serie

Die Dünnern fristet ein Aschenputteldasein in der Dreitannenstadt

Dieser Artikel bildet den Schluss der Dünnern-Serie: Dank Gefälle wurde der Fluss in Olten viel genutzt, aber wenig geschätzt, bevor er in die Aare fliesst.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Speziell die Anfänger des Kanuklubs Olten nutzen den letzten Abschnitt der Dünnern gerne als ihren Übungsplatz.

Speziell die Anfänger des Kanuklubs Olten nutzen den letzten Abschnitt der Dünnern gerne als ihren Übungsplatz.

Solothurner Zeitung

Die Dünnern fällt in der Stadt Olten kurz vor der Mündung in die Aare über mehrere Stufen insgesamt rund 12 Meter ab. Im Bereich des Munzingerareals besteht eine Schwelle, die allein einen Absturz von knapp 3,5 m aufweist. Dieses Wasserkraftpotenzial des Flusses wurde in Olten seit dem 14. Jahrhundert genutzt. So entwickelte sich am Dünnernlauf früher ein wasserkraftabhängiges Gewerbe von Mühlen und insbesondere von Hammerschmieden. Der Stadtteilname «Olten Hammer» zeugt noch heute davon.

Als erster Betrieb, der die Wasserkraft der Dünnern nutzte, wird 1332 eine Untere Mühle am Fuss der Altstadt erwähnt. Bereits 1367 stand hier auch eine Reibe, 1530 auch ein Sägewerk. Der erste Eisenhammer, eine Hammerschmiede, die später dem ganzen Hammerquartier den Namen gegeben hat, wurde dann 1482 erbaut. Ihm folgte noch vor 1500 eine zweite Hammerschmiede. Anstelle des «un- teren Hammers» errichtete an-no 1577 der Hammerschmied Michael Schreiber die äussere Mühle, an deren Stelle heute das Verwaltungsgebäude der Filztuchwerke Munzinger steht.

Diese wurde 1837 durch Oberst Konrad Munzinger zunächst als Wollspinnerei und Weberei, 1865 durch dessen Söhne in eine Filztuchfabrik umgewandelt. 1924 übernahm die Heimbach GmbH die Firma Munzinger an der Solothurnerstrasse in Olten. Im Zug der Einmarkenstrategie wurde die Munzinger AG am 1. Oktober 2009 zu Heimbach Switzerland.

Moderne Energiegewinnung aus der Dünnern

Mit dem Aufkommen der Grosswasserkraft in der Schweiz und dem Ausbau der Dünnern in Olten wurde der Betrieb der Kleinanlagen in den 1930er-Jahren eingestellt. Doch in jüngster Zeit wurde aufgrund des steigenden Bedarfs an elektrischer Energie, insbesondere aus erneuerbaren Quellen, die Nutzung des starken Gefälles der Dünnern beim Munzingerareal wieder attraktiv. Die Atel Hydro AG, Boningen beauftragte 2007, ein Vorprojekt für eine neue Kleinwasserkraftanlage im Bereich des Munzingerareals auszuarbeiten. Dieses Projekts wurde durch das Programm «Kleinwasserkraftwerke» des Bundesamts für Energie (BFE) unterstützt.

Eine ausgearbeitete Studie stellte fest, dass die Dünnern in diesem Bereich in einem 10 Meter breiten Rechteckprofil mit einer Niederwasserrinne von 1,80 m Breite und 0,4 m Tiefe fliesst. Alle Abstürze von zwischen 0,5 m und knapp 3,5 m sind sodann als Betonbauwerke ausgeführt worden. Das neue 370- kW-Wasserkraftwerk wurde in einen bestehenden Betonkanal eingebaut, der gleichzeitig saniert wurde. Am 14. Dezember 2015 nahm die ADEV Wasserkraftwerk AG das Kleinwasserkraftwerk Dünnern mitten in der Stadt Olten wie geplant nach einem Jahr Bauzeit wieder ans Netz. Es produziert jährlich 1,6 Mio. Kilowattstunden Strom und beliefert durchschnittlich rund 400 Oltner Haushalte mit Strom.

In einem Baubericht ist nachzulesen, dass während der Bauzeit mehrere Hochwasser den Zeitplan der Baustelle strapazierten. Zudem stiessen die Bauarbeiter auch noch auf Altlasten, wie Ölrückstände im Boden.

Essen, Baden und Sport neben und auf der Dünnern

Ein Zeuge aus vergangenen Mühlenzeiten ist noch das Restaurant Alte Mühle, an der Mühlengasse. Derzeit ist hier aber lediglich ein Lieferdienst im Einsatz. Vis-à-vis hat sich «Die Schlosserei» einen Namen als Gastrotempel gemacht.

Die Dünnern fliesst dann im begradigten Kanal weiter entlang der Oltner Badi und mündet südlich der Oltner Altstadt, gleich neben der Holzbrücke auf 395 m über Meer in die Aare. Der Oltner Kanuclub OKC nutzt diesen letzten Dünnern-­Abschnitt und den Einlauf in die Aare für Kanuten, die erste Übungen im Gewässer machen wollen, erklärt OKC-Präsident Marcel Ruf. «Oder wenn die Aa-re Hochwasser hat, ist die Dünnern unser Ausweichwasser.» Man könne fast sagen, um es mit dem Skisport zu vergleichen: «Die Dünnern ist unser Idiotenhügel».