Aedermannsdorf

Der Schlüssel zum und im Glück: Das letzte Gasthaus im Dorf eröffnet mit neuer Pächterin

Margrith Niederöst ist die neue Pächterin des Gasthaus zum Schlüssel in Aedermannsdorf. Die Wirtin hat einige kreative Ideen, wie sie dem einzigen Gasthaus im Dorf eine eigene Note verleihen wird.

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Bruno Kissling

Bereits im Jahr 2015 war klar, dass die ehemaligen Pächter Chantal und Heinz Bieli des letzten Gasthauses in Aedermannsdorf, dem «Schlüssel», in Pension gehen würden. Die Idee, einen Verein zur Rettung des Restaurants zu gründen, war ebenfalls bereits in diesem Jahr vorhanden.

Rund ein Jahr später verkündet der Verein «Freunde Gasthaus Schlüssel», dass die Beiz im Dorf bleiben wird. Denn die Vereinsmitglieder konnten genügend Geld zum Kauf auftreiben. Ab Freitag wird der «Schlüssel» nun unter der neuen Pächterin betrieben.

Margrith Niederöst kommt aus der Region, hat lange in Oensingen gewohnt, ist die Schwester von EHCO-Verteidigerlegende Ruedi Niederöst und hat vor sechs Jahren die Wirteprüfung absolviert. Ein bekanntes Gesicht also. Lange hat die Wirtin auch das Klubhaus des FC Balsthal geführt und hat deshalb schon Erfahrung im Wirten. «Aber das hier ist natürlich eine viel grössere Nummer», sagt sie schmunzelnd.

Traum geht in Erfüllung

Den Satz «Du bist wahnsinnig mutig», habe sie mittlerweile schon oft gehört. «Überall liest man, dass Gasthäuser zugehen, da ist es vielleicht schon eine tapfere Entscheidung, einen Gastrobetrieb zu übernehmen», überlegt Niederöst. «Aber diese Leidenschaft hat schon lange in mir geschlummert.» Mit der Übernahme des «Schlüssels» geht für die 53-Jährige ein Traum in Erfüllung.

Dem «neuen Schlüssel» hat Niederöst mittlerweile schon ihre persönliche Note verliehen. «Ich wollte wortwörtlich einen roten Faden durchziehen», erzählt sie lachend. Die Farbe Rot würde Energie ausstrahlen, sei freundlich und bringe Farbe in die Stube. Auch sonst habe sie versucht, die Beiz heimelig und urchig einzurichten. «Fast so wie in einem Chalet. Man soll sich einfach wohlfühlen hier.»

Für Niederöst ist es wichtig, den Spagat zwischen dem Bestehenden, Altbewährten und Eigenem, Neuem zu schaffen. Und schliesslich dürfe man schon merken, dass jemand Neues das Restaurant übernommen hat. «Aber niemand soll Angst um «seine Beiz» haben», meint Niederöst.

Die Stube ist hell, lichtdurchflutet und vor allem gross. Das Gasthaus hat mehrere Säle, die sich mit verschiebbaren Wänden abtrennen lassen. «Da können die Vereine ihre Sitzungen abhalten», erklärt Niederöst. Diese seien ihr sowieso sehr wichtig. Denn die Vereine würden ein Dorf ausmachen. «Ich will versuchen, die Vereine, die Dorfleute und Familien wieder in die Wirtschaft zu bringen.»

Veränderungen in Küche

Dafür hat sich die neue Pächterin auch einiges überlegt: Nebst dem üblichen Gastrobetrieb bietet der «Schlüssel» auch ein Catering. Obwohl dies keine neue Idee sei, sondern auch bereits von Bielis angeboten wurde. Niederöst bietet neu aber auch kalte Platten an, die sie zusammen mit ihren zwei Köchinnen vorbereiten wird. Auch die Speisekarte hat die Wirtin etwas verändert: neu gibt es im Schlüssel zwar weniger Gerichte, dafür eine breite Auswahl.

«Die kleinere Karte hat weiterhin Klassiker wie Cordon bleu und Steak. Wir machen jetzt aber auch Pizza aus dem Pizza-Ofen, Hamburger und Schnitzelbrot.» Ausschlaggebend für diese Ideen waren wiederum die Vereine, die auch spätabends nach dem Training noch etwas zu «Mampfen» bekommen sollen. Auch die Küche hat die Wirtin mit neuen Geräten ausgestattet. Finanziert wurden diese Anschaffungen durch den Verein.

Wenn Niederöst durch ihr Restaurant führt, sprüht sie vor Energie. «Hier kommen noch Dekorationen hin, dort bekomme ich noch Blumen.» Die Ideen gehen ihr nie aus. «Ich bin sehr kreativ, das will ich hier auch umsetzen.» Im Winter könne sie sich auch vorstellen, einen Raclette- oder Fondue-Abend zu machen. Im Sommer gäbe es vielleicht eine Karaoke-Night. «Im Gastrobetrieb muss man flexibel sein können, der Gast verändert sich ja auch.»

Gute Zusammenarbeit mit Verein

Die Zusammenarbeit mit dem Verein laufe nach wie vor sehr gut, so Niederöst. Das bestätigt auch Bruno Born, Präsident des Vereins «Freunde Gasthaus Schlüssel»: «Wir sind sehr zufrieden, wie das alles abgelaufen ist.» Und in der neuen Pächterin habe sich eine würdige Nachfolgerin gefunden.

Dank dieser guten Zusammenarbeit zahlt Niederöst auch nur 2500 Franken Miete für das Gasthaus und die Wirtenwohnung im oberen Stock. «Normal wären eigentlich rund 4500 Franken», so Born. Aber da auch schon Bielis mit dem Verkaufspreis entgegengekommen wären, sei das jetzt möglich. «Es ist im Sinne aller Beteiligten, dass das Gasthaus weiter bewirtet wird.»