Wolfwil

Bleibe für Asylsuchende eingeweiht

Am Samstag wurde der Neubau im Gerstenacker eröffnet. Am Samstag fand ein Tag der offenen Tür statt. Die ersten Bewohnerinnen sind bereits eingezogen.

Rahel Bühler
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Auch den Wolfwilern scheint das Innere des Asylzentrums zu gefallen. Am Samstag wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben.
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Asylunterkunft in Wolfwil 2017
Noch eingerüstet, aber betriebsbereit: Das neue Asylzentrum in Wolfwil.

Auch den Wolfwilern scheint das Innere des Asylzentrums zu gefallen. Am Samstag wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben.

Remo Fröhlicher

Am Eingang der Wohnung im Erdgeschoss verteilen zwei junge Frauen in dicken Winterjacken blaue Überzieher für die Schuhe. Draussen weht ein heftiger Wind und es regnet. Die Besucher ziehen sich die blauen Finken über. «Wegen des Bodens», wie es heisst. Im Inneren der bis auf zwei Sofas und einige Schränke noch leeren Wohnung riecht es nach frischem Holz. Die Räume wirken hell und freundlich. Die Rede ist vom neuen Asylzentrum im Wolfwiler Gerstenacker, welches am Samstagmorgen nach einer Bauzeit von etwas weniger als einem Jahr eingeweiht wurde.

Grosses Interesse

Wolfwils Gemeindepräsident Georg Lindemann zeigt sich erfreut über die vielen erschienenen Gäste und das mitgebrachte Interesse: «Es ist unsere solidarische Pflicht, die Flüchtlingspolitik zu beobachten und kritisch zu hinterfragen und zu handeln», erklärte er zu Beginn der Eröffnung. Geladen waren 60 Gäste, gekommen sind deutlich mehr. Das 56 Quadratmeter grosse Kellerabteil, in welchem die Eröffnung aufgrund des regnerischen Wetters stattfand, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch drei Vertreter vom kantonalen Amt für Soziale Sicherheit waren zugegen. «Vor einem Jahr stand genau an dieser Stelle noch ein abbruchreifes Haus, heute können wir bereits die umgesetzten Ideen anschauen», berichtet Lindemann. Im Frühling 2016 wurde an einer emotional geführten ausserordentlichen Generalversammlung der Kredit von 886 900 Franken gutgeheissen.

Die prognostizierte Abrechnungssumme wird trotz Mehrleistungen etwas darunterliegen, wie Gemeinderätin Sabin Ackermann später noch zu Protokoll geben wird. Der Neubau besteht aus zwei identischen Wohnungen, welche sich über das Erd- und das Obergeschoss erstrecken. Beide Wohnungen bestehen aus je fünf Zimmern, zwei sanitären Anlagen, einer Küche und einem Aufenthaltsraum. Jede Wohnung ist für zehn Asylsuchende gedacht. «Die Bauart ist einfach und doch zweckmässig», berichtet Sabin Ackermann. «Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, ausserdem besteht die Möglichkeit, eine Photovoltaikanlage zu installieren.»

Nach den Reden gab es für die Gäste die Möglichkeit, die beiden Wohnungen zu besichtigen. Während die untere Wohnung noch komplett leer steht, sind letzte Woche in der oberen bereits vier Frauen aus Eritrea eingezogen. Kaum betritt der Besucher die Wohnung, schon stellt sich dem Besucher eine kleine Frau in den Weg. Sie hält ein Tableau mit Brot-Stückchen in der Hand. «Nimm», sagt sie und lächelt schüchtern. Die Zimmer sind einfach eingerichtet. Ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Schrank. An der einen Wand hängt ein Poster von Jesus. Auf einem Tisch stehen Nagellackfläschchen und liegen Farbstifte herum. «Mir gefällt es hier gut», meint die eine Asylsuchende mit der schwarzen Winterjacke, welche die blauen Überzieher verteilt. Ihre Kollegin in der lila-farbenen Winterjacke nickt.

Auch den Wolfwilern scheint es zu gefallen. «Die Asylsuchenden wohnen hier sehr schön», meint etwa ein älterer Herr. «Es ist heimelig und wohnlich hier», stimmt ihm eine junge Frau mit Brille zu. Natürlich habe es auch kritische Stimmen gegeben, erzählt Georg Lindemann. «Aus diesem Grund war es die richtige Entscheidung, die direkten Anwohner stets in die Pläne einzubeziehen.»

Abrieb und Farbe fehlen noch

Wetterbedingt stehen nun noch der Abrieb und der Anstrich der Fassade an, das Haus ist nach wie vor eingerüstet. Auch Sonnenstoren müssen noch montiert und Umgebungsarbeiten getätigt werden. Diese Woche werden zu den vier Eritreerinnen noch sieben weitere Bewohnerinnen stossen. Darunter eine Frau aus Sri Lanka, zwei Tibeterinnen und vier weitere Frauen aus Eritrea. Dereinst sollen 20 Personen, vorwiegend Frauen und Kinder, in der neuen Asylunterkunft wohnen.