Aus Gäuer Sicht
«Ich hoffe, Frau Broccoli macht es diesmal besser»

Unser Kolumnist outet sich als James Bond-Fan. Doch macht er es sich mit dem Unterscheiden von Gut und Böse nicht so einfach, wie der Leinwandheld und dessen Filmproduzenten.

Pascal Froidevaux, Verwaltungsrat «s: stebler», Oensingen
Pascal Froidevaux, Verwaltungsrat «s: stebler», Oensingen
Drucken
Kolumnist Pascal Froidevaux outet sich als Fan der James-Bond-Filme.

Kolumnist Pascal Froidevaux outet sich als Fan der James-Bond-Filme.

MGM/ Aargauer Zeitung

Neben meiner grossen Leidenschaft für Bücher und gute Texte bekenne ich mich als Fan von James Bond. Die vielen Klischees machen die 007-Filme zu kleinen Legenden der Mode- und Stilkunde. Einige weitere Facetten bedürfen keiner Erklärung.

Schaut man etwas hinter die gestylte Fassade der Geschichten von Ian Fleming stellt man indes fest, dass auch immer geopolitische Fussabdrücke hinterlassen wurden. Wie in jedem leicht verdaulichen Heldenepos gibt es die Guten und die Bösen. Der Gute fährt Aston Martin und der Böse – zumindest in den letzten Jahren – Jaguar.

Damit ist notabene nicht die Politik gemeint. Aber die Feinde: in der Zeit des Kalten Krieges waren es die Russen, dann wiederum die Japaner und Vietnamesen. Später bunkerten die Bösewichte Wasser und zuletzt hielt die digitale Kriminalität Einzug in die Geschichte.

Immer also wurde zwischen Gut und Böse eine klare Linie gezogen.

Ich hoffe, dass Barbara Broccoli, die in zweiter Generation die Filme produziert, nicht wieder die Russen als die Bösen entdeckt.

Auch wenn das Zeitgeschehen im Abbild von Leinwandepen viel Aussagekraft hat, stilisiert sie gleichzeitig die klare Rollenverteilung. Seit dem zu verurteilenden Einmarsch der Russen in der Ukraine, störe ich mich an der Haltung der Gesellschaft und den Medien. Auch in diesem Konflikt gibt es nicht nur Gut und Böse.

Die Geschichte zeigt uns, dass immer auf beiden Seiten von Beidem anzutreffen ist. Damit will ich den Krieg keineswegs legitimieren. Krieg ist immer die falsche Antwort auf einen Streit. Aber das Bild von Gut und Böse wird einmal mehr ganz deutlich festgehalten, und wird schwer wieder aus unseren Köpfen zu radieren sein.

Es sind nur einzelne Machtpersonen, die wütig einen Konflikt mit Waffen zu lösen versuchen und damit eine ganze Gesellschaft als Aggressoren denunzieren.

Wie oft wird erst die Zukunft zeigen, was die Gegenwart ausgelöst hat. Sicher ist aber, dass wir das Zeug dazu haben, aus der Vergangenheit zu lernen und nicht blind die neuen Feindbilder übernehmen sollten.

Ich gehe davon aus, dass auch Frau Broccoli die nötige Sensibilität an den Tag legen wird. Da sie ohnehin einen neuen James braucht, ist es an der Zeit, Gut und Böse neu zu überdenken.