Solothurn

Wie die Einsiedelei-Gesellschaft zu ihrer Sehenswürdigkeit schaut

Die Einsiedelei-Gesellschaft kümmert sich um das kulturelle Erbe in der Verenaschlucht. Bisher hat sie über 500 000 Franken in verschiedene Projekte investiert. Eine wichtige Einnahmequelle sind die verschiedenen Führungen.

Katharina Arni-Howald
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Mit der Einsiedelei engstens verbunden: Armin Schneider und Hansruedi Hug.

Mit der Einsiedelei engstens verbunden: Armin Schneider und Hansruedi Hug.

Wolfgang Wagmann

Sie ist das meistbesuchte Ausflugsziel in der Umgebung von Solothurn und versetzt auch Nichtsolothurner ins Staunen, wenn sie zum ersten Mal die zwischen hohen Felswänden gelegene Verenaschlucht betreten. «Alle Fremden lassen sich diesen Ort weisen wegen seiner besonderen Schönheit», beschrieb bereits 1766 ein Wanderer die Anlage, die auch «Tal des Todes» genannt wurde und eng verknüpft ist mit der Leidensgeschichte von Jesus.

Geschichte: «Waldbruder» war ein sehr begehrter Posten

Die Einsiedelei mit ihren Kapellen, einem Waldbruderhaus und den dazugehörenden Gärten wurde am Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet. Der Legende nach soll hier um 300 n. Chr. die heilige Verena gelebt haben. Die zum Ensemble gehörende 800 m lange Schlucht, die durch einen Bruch im Kalkstein der Verenakette entstanden ist und später von eiszeitlichen Gletschern und dem Katharinenbach ausgeformt wurde, ist mit zahlreichen Höhlen, Felswänden, Bachschnellen und Wasserfällen durchsetzt. Erste schriftliche Aufzeichnungen zur Einsiedelei sind aus dem 15. Jahrhundert überliefert. Ab 1600 entwickelte sich die Kultstätte zu einem eigentlichen religiösen Wallfahrtsort. Kein Wunder, dass in dieser Zeit an der Martins- und Verenakapelle zahlreiche Um- und Ausbauten vorgenommen wurden.
Im 18. Jahrhundert verlor die Einsiedelei St. Verena ihre Bedeutung als Kultort, was sich unter anderem darin zeigte, dass als Hüter der beiden Kapellen keine Ordensleute mehr eingesetzt wurden, sondern Laien. Dieser Posten scheint allerdings recht beliebt gewesen zu sein, denn die meisten «Waldbrüder» waren Stadtsolothurner, bei deren Tod es regelmässig zu Wettbewerben zwischen den Anwärtern kam. Erst die mit der Aufklärung einhergehenden Schwärmereien für romantische Naturschönheiten gaben der Einsiedelei wieder Auftrieb.
Einen wichtigen Meilenstein setzte der französische Emigrant Baron Louis-Auguste de Breteuil, der 1791 den Weg entlang des Baches anlegen liess und damit die Schlucht bis heute für die Öffentlichkeit zugänglich machte. (ka)

Traditionsgemäss bietet die Gesellschaft der Einsiedelei St. Verena am 1. November eine besinnliche Führung durch die Schlucht an, die an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern soll (ab 19 Uhr bei der Kirche St. Niklaus). Sie ist dem Thema «Sterben und Tod einst und jetzt» gewidmet. Am 11. November, dem Namenstag des heiligen Martin, führt die Gesellschaft wieder die traditionelle Martinsfeier durch. Man trifft sich um 19 Uhr beim Alterszentrum Wengistein und begibt sich dann im Lichterumzug zur Martinskapelle.

Wurzeln reichen weit zurück

Wer aber ist diese Gesellschaft, die sich um die unter eidgenössischem Denkmalschutz stehende Andachtsstätte kümmert und die finanziellen Mittel für den Erhalt der Kunstdenkmäler sicher stellt? Mitbegründer Armin Schneider, dem der Verein Wesentliches zu verdanken hat, holt aus: «Bereits 1810 gründeten Solothurner Persönlichkeiten einen Verein für die Verschönerung des Spaziergangs auf St. Verena.

Als Präsident wurde der Gründer der Eisenwerke, Ludwig von Roll, gewählt.» Nur drei Jahre später sei der Verein aber wieder aufgelöst worden. Schneider vermutet, dass der Auflösung politische Gründe zugrunde lagen. «Es könnte sein, dass sich zu jener Zeit Frankreichgegner und Frankreichbefürworter in den Haaren lagen.»

1993 kam es dank engagierten Einsiedeleifreunden zu einer Neugründung. Der Grund war simpel: Der Bürgergemeinde Solothurn, in deren Besitz sich der Wald, die Bauten und die Wege befinden, fehlte das Geld, um sich um deren Erhalt zu kümmern. In einer ersten Phase beschäftigten sich die Mitglieder denn auch mit der Instandhaltung der Wege und Brücken sowie des Katharinenbaches. Später wurde diese Arbeit wieder von der Bürgergemeinde übernommen.

Die Verenaschlucht wird vielseitig genutzt.
11 Bilder
Verenaschlucht und ihre vielseitige Nutzung
Verenakapelle
Der Kraftort ist zu jeder Jahreszeit ein Besuchermagnet...
... auch im Winter.
Eine besondere Stimmung geht von diesem Kraftort aus
Eine besondere Stimmung geht von diesem Kraftort aus
Anlässe in der Verenaschlucht sind grundsätzlich bewilligungspflichtig.
Stimmungsvolle Installationen - idyllisch aber nicht in jedem Fall erwünscht

Die Verenaschlucht wird vielseitig genutzt.

Felix Gerber

«Gemäss Statuten haben wir in erster Linie den Auftrag, den Erhalt der Kunstdenkmäler sicherzustellen», sagt Hans-Rudolf Hug, Vizepräsident der Gesellschaft. Über 500 000 Franken seien bisher in verschiedene Projekte investiert worden. Dazu gehören die Wiedererrichtung des Kreuzwegs von St. Niklaus zur Kreuzenkirche, das Oratorium «Solothurner Kreuzweg», das 2001 in der St. Ursen-Kathedrale uraufgeführt wurde, die Restaurierung der Verena- und Martinskapelle samt Turmuhr, sowie die Restaurierung mehrerer Kunstwerke in der Kirche zu Kreuzen. «Dies war nur möglich, dank zahlreichen Legaten und Schenkungen, aber auch dank unseren knapp 500 Mitgliedern», so Hug.

Eine wichtige Einnahmequelle sind laut Hug auch die zahlreichen Führungen zu verschiedenen Themen rund um die Einsiedelei und den Meditationsweg. «Wir können diese in Deutsch, Französisch und Englisch anbieten», ergänzt der pensionierte Bezirkslehrer, der stolz ist, dass im Laufe der Jahre auch eine ganze Reihe von themenbezogenen Publikationen im Eigenverlag herausgegeben werden konnten.

Hunde und Kerzen

Nebst allem Erreichten und vielen schönen Erlebnissen läuft in der Verenaschlucht nicht immer alles rund. Armin Schneider und Hans-Rudolf Hug erzählen unter anderem von Problemen mit Hunden, die nicht an der Leine geführt werden.

Einst als schöner Brauch für Weihnachten gedacht, sind auch die Kerzen, die das ganze Jahr hindurch in jedem Winkel angezündet werden, zu einer Belastung für die Gesellschaft und die Einsiedlerin geworden. Hans-Rudolf Hug: «Wir betrachten das wohl als eine Bereicherung der Schlucht, wenn da nur die grosse Wegräumarbeit nicht wäre.»

Regierungsrat als Präsident

Tätig sein für ein Erholungsgebiet, das als Kraftort eine magische Anziehung hat, will die Einsiedelei-Gesellschaft auch in Zukunft. Das bestätigt auch Regierungsrat Roland Heim, der vor einem Jahr das Präsidium übernommen hat: «Die Verenaschlucht ist mir ans Herz gewachsen. Die Unterstützung der Bürgergemeinde beim Unterhalt und bei der Pflege der Einrichtungen dieses einmaligen Ortes ist eine vornehme Aufgabe, die ich sehr gerne zu erfüllen helfe.»