Solothurn

Verein will Kapuzinerkloster neues Leben einhauchen – Anwohner befürchten Lärm und wehren sich

Die Pläne für neues Leben im alten Solothurner Kloster stossen auf Widerstand: Gegen ein Umnutzungsgesuch für ein Sozialprojekt gingen beim Stadtbauamt mehrere Einsprachen ein. Die Hauptsorge der Opponenten: Sie befürchten Lärmimmissionen.

Urs Mathys
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Der Klostergarten soll der Öffentlichkeit vermehrt zugänglich gemacht werden – wie hier bei der «Authentica»-Messe.

Der Klostergarten soll der Öffentlichkeit vermehrt zugänglich gemacht werden – wie hier bei der «Authentica»-Messe.

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Im Sinne einer Zwischennutzung – bis eine endgültige Verwendung des seit 2003 leerstehenden Klosters gefunden ist – will ein privater Verein zumindest Teilen der riesigen Liegenschaft neues Leben einhauchen. Im Rahmen eines Projektes für nachhaltige Nahrungsmittelproduktion sollen Asylsuchende und sozial benachteiligte Menschen sinnvoll beschäftigt werden. Praktische Tätigkeiten in Haus und Garten sollen den von den Sozialregionen zugewiesenen Personen bei der Integration in Arbeitswelt und Gesellschaft helfen. Das Projekt wird vom Verband der Einwohnergemeinden und vom kantonalen Amt für Soziale Sicherheit (ASO) unterstützt.

Vorgesehen ist ein reiner Tagesbetrieb, mit Beschäftigung im Hausdienst und im Klostergarten sowie in einem Kloster-Café samt «Lädeli». Dort sollen primär Erzeugnisse aus eigenem Anbau und Produktion angeboten werden. In diesem Rahmen werden Teile der Anlage auch wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wie schon bisher können im Kloster darüber hinaus Veranstaltungen stattfinden und auch Vermietungen an Dritte für private, kulturelle oder andere Anlässe sind vorgesehen.

Opposition aus der Nachbarschaft

Der Kanton, als Besitzer der Liegenschaft, ist an dieser Zwischennutzung ausdrücklich interessiert, wie Guido Keune betont. «Wir beurteilen dieses Projekt sehr positiv und unterstützen es», hat der stellvertretende Kantonsbaumeister bereits Ende September erklärt. Damit der Weg für die angestrebte definitive Neunutzung des Klosters nicht verbaut wird, sieht der Kanton – im Einverständnis mit den Initianten – eine Kündigungsfrist von nur sechs Monaten vor.

Investor gesucht

Ziel des Kantons ist und bleibt es, einen solventen Investor zu finden, der dem Kapuzinerkloster dauerhaft neues Leben einhaucht. Im Vordergrund steht die Abgabe der Anlage im Baurecht. Interessenten und Projekte gab und gibt es verschiedene: Unter anderem Pläne für einen Hotelbetrieb unter Einbezug von Menschen in geschützten Arbeitsplätzen. Noch immer hängig ist das Projekt eines Westschweizer Immobilienunternehmers mit gemischter Nutzung (Herberge, Restaurant, Quartierladen und Platz für neue Wohnformen). Dieses Vorhaben vermochte bisher – wie schon andere – die Finanzierungshürde nicht zu nehmen: Immerhin wird mit Investitionen von mindestens 15 bis 20 Mio. Franken gerechnet. (ums.)

Nun aber stossen schon die Pläne für die Zwischennutzung bei einzelnen Anwohnern auf Widerstand: Gegen das für den geplanten Betrieb nötige Umnutzungsgesuch sind beim zuständigen Solothurner Stadtbauamt drei Einsprachen eingegangen, eine davon ist von acht Parteien unterzeichnet. Obwohl die Initianten schon bei einer Informationsveranstaltung für die Nachbarn explizit versichert hatten, dass im Kloster weder eine «Partymeile» entstehen werde noch anderweitige Lärmimmissionen zu befürchten seien, werden nun primär genau solche Vorbehalte geltend gemacht. Und was nicht in den Einsprachen steht, sondern von einzelnen Kritikern im Gespräch hinter vorgehaltener Hand geltend gemacht wird: Man wolle keinen Betrieb in der Nachbarschaft, der «Fremde» – heisst hier Asylbewerber und sozial Benachteiligte – ins beschauliche Wohnquartier führe.

Bucher: «Im Anwohner-Interesse»

Die Opposition aus der Nachbarschaft hat die Initianten – die beiden Gastronomen Urs Bucher und Martin Blaser sowie die Finanz- und Personalfachfrau Beatrice Sterki – überrascht. «Unser Projekt ist doch definitiv auch zum Vorteil der Anwohner», argumentiert Urs Bucher: «Mit uns hätten sie einen einzigen verantwortlichen Ansprechpartner, der einen geordneten Betrieb sicherstellt.» Inzwischen haben die Initianten ihre Stellungnahmen an die zuständige städtische Baukommission eingereicht, die nun über die Einsprachen zu entscheiden hat.
Die Opposition bremst die inzwischen als Verein organisierten Initianten in ihrem Elan: Sie hätten ihr Vorhaben lieber schon heute als erst morgen zum Fliegen bringen wollen.

Immerhin: Ungeachtet der Einsprachen stellt der Kanton dem Verein Teile der Klosteranlage aber bereits ab dem kommenden 1. Januar zur Zwischennutzung zur Verfügung, wie Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli bestätigt: «Die Klosternutzung und Vermietung wird künftig über den Verein laufen, was für den Kanton eine willkommene Entlastung bedeutet.» Initiant Urs Bucher freut sich: «Im Rahmen der heute geltenden gesetzlichen Grundlagen bearbeiten Martin Blaser und ich das Kloster ab Neujahr. Das heisst: Wir werden Firmen-, Familien- und Seminaranlässe organisieren.» Sobald zusätzliche Auflagen – etwa bezüglich der Rollstuhlgängigkeit – erfüllt und die Umnutzung offiziell bewilligt ist, sollen dann auch die restlichen Aktivitäten im Rahmen des Sozialprojektes gestartet werden.

Bei allem Verständnis für die Bedenken der Einsprecher bedauert Kantonsbaumeister Mäusli, dass dem Projekt Steine in den Weg gelegt werden: «Dass ein paar Autos mehr im Quartier verkehren, wird auch bei jeder anderen künftigen Nutzung der Fall sein. – Selbst, oder erst recht, wenn auf dieser riesigen Fläche einmal eine reine Wohnnutzung erfolgen sollte.»

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