«Family Score»

Stadt Solothurn punktet als Arbeitgeberin

Wie familienfreundlich ist die Stadt Solothurn als Arbeitgeberin? Eine von Pro Familia Schweiz durchgeführte Umfrage beantwortet genau diese Frage.

Andreas Kaufmann
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Wird auf die familienbezogenen Bedürfnisse der Stadtangestellten eingegangen? Dies wollte Pro Familia wissen. az/Archiv

Wird auf die familienbezogenen Bedürfnisse der Stadtangestellten eingegangen? Dies wollte Pro Familia wissen. az/Archiv

Walter Schwager

Wie reagiert der Chef, wenn sein Mitarbeiter den Junior von der Schule abholen sollte? Oder wenn die eigenen Ferien auf die Schulferien der Kinder abzustimmen sind? Solche und andere Fragen stehen im Zentrum des so genannten «Family Score», einer wissenschaftlichen Mitarbeiterbefragung, die Pro Familia Schweiz konzipiert hat, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Firmen, Non-Profit-Organisationen oder öffentlichen Verwaltungen zu ermitteln. So stellte sich auch die Stadt Solothurn die selbstkritische Frage nach der Familienfreundlichkeit und beauftragte Pro Familia, eine Befragung in den Bereichen Administration, Werkhof/Badi, Stadtschulen und Stadtpolizei durchzuführen.

Gesamthaft erzielte die Einwohnergemeinde über alle Bereiche einen Durchschnitt von 54 Punkten bei total 100 möglichen Punkten – holte sich aber im Bereich Administration gar 63 Punkte. Der Schweizer Durchschnitt liegt indes bei 57 Punkten. Bis 2020 darf die Verwaltung der Stadt Solothurn damit das Gütesiegel von Pro Familia Schweiz tragen. Für die anderen Bereiche war die Stichprobengrösse zu klein, um signifikante Resultate für ein Gütesiegel zu liefern. Gerade in den Bereichen Schule und Polizei lässt sich die Auswertung insofern nur beschränkt vornehmen, als gewisse Instrumente der Familienfreundlichkeit (wie Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten) dort wenig Sinn ergeben.

Von den total 582 Angestellten der Stadt wurde die Umfrage an 397 Personen geschickt, also an jene, die mindestens zu 50 Prozent und im Monatslohn angestellt sind. Die Umfrage wurde nach einer entsprechenden Vorinformation im vergangenen Sommer vorgenommen. Die Erhebung kostete die Einwohnergemeinde ca. 4500 Franken.

Freude über die Auszeichnung

«Wir freuen uns, dass wir ausgezeichnet wurden», sagt Christine Krattiger, Leiterin Personal- und Rechtsdienst der Stadt. Aber: «Wir haben die Umfrage nicht durchgeführt, um das Gütesiegel zu erlangen», denn Vorteile bringe ein solches Label alleine nicht. Vielmehr habe man die Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, welche der Angebote fürs Verwaltungspersonal genutzt werden und welche nicht. «Ausserdem wollten wir wissen, in welchen Bereichen im Personalwesen noch mehr für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie getan werden kann und in welchen die Stadt als Arbeitgeberin schon als familienfreundlich wahrgenommen wird», so Krattiger.

Im schweizweiten Vergleich punktet die Stadt beim Angebot vor allem bei der Möglichkeit, Überstunden zu kompensieren, ferner bei familiengerechter Ferienplanung, flexiblen Arbeitszeiten und bei der Rücksichtnahme von Vorgesetzten und Arbeitskollegen auf die familiäre Situation. Eher unterdurchschnittlich schneide die Stadt aus Sicht der Mitarbeitenden in anderen Bereichen ab: bei der Zeit, die bei Krankheit von Familienangehörigen zur Verfügung gestellt wird, beim Vaterschaftsurlaub, bei den Möglichkeiten für Homeoffice oder bei Vergünstigungen für Familienangehörige. Auch wird der Ruf nach einer betriebsinternen Kindertagesstätte laut.

Dennoch: Mit einem Score von 63 Punkten beweise die Stadt laut Krattiger auch gegen aussen, dass die Arbeitsbedingungen familienfreundlich seien. «Dies zeigt, dass wir bezüglich Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf dem richtigen Weg sind.» Nichtsdestotrotz soll die Umfrage helfen, auch Bereiche mit Optimierungsbedarf zu orten.

Wie reagiert die Stadt?

Doch welche Rückschlüsse werden aus den vorliegenden Auswertungen abgeleitet? «Wir haben erste Massnahmen definiert, die nun umgesetzt werden sollen», sagt Krattiger. Da die Revision der Dienst- und Gehaltsordnung jedoch von der Gemeindeversammlung beschlossen werde und sämtliche Anträge noch die politischen Gremien durchlaufen müssen, könne zu diesem Zeitpunkt noch nicht kommuniziert werden, was genau geplant wird. Konkret müssen die Kommission für Dienst- und Gehaltsfragen sowie die Gemeinderatskommission entsprechende Massnahmen genehmigen.