Jugend

Stadt Solothurn macht eine «mentale Verjüngungskur»

Solothurn als Barockstadt muss nicht altbacken sein und nur für die älteren Herrschaften etwas bieten. Eine neu gegründete Interessengruppe will sich für die Anliegen der Jungen einsetzen.

Andreas Kaufmann
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So könnten die Solothurner Jung(geblieben)en dereinst von den Plakaten strahlen (Fotomontage). ak

So könnten die Solothurner Jung(geblieben)en dereinst von den Plakaten strahlen (Fotomontage). ak

Solothurner Zeitung

Jugendlichkeit – nicht unbedingt nur eine Frage des biologischen Alters, sondern auch eine Frage der Einstellung. Diese alte, schon etwas abgedroschene Binsenwahrheit erscheint im Lichte einer angelaufenen Kampagne wieder topaktuell. Unter dem Titel «Auch eine Barockstadt will jung bleiben» kam kürzlich eine Aktion in Bewegung, die sich der Zielgruppe Jugendlicher und Junggebliebener zuwendet: «Alt wie Jung leben in der Stadt. Aber wir haben eher den Eindruck, als sei das Angebot an Aktivitäten zu einseitig – zugunsten der älteren Generationen», führt der 25-jährige Daniel Wagmann aus.

Er hat die «mentale Verjüngungskur» der Stadt zusammen mit seinen WG-Bewohnern Fabian Schneider, Damjan Gasser und Ralph Trachsel angedacht und schliesslich mit Schneider weiterentwickelt. So stellten die jungen Männer fest, dass es zwar ähnliche Interessengemeinschaften wie «Solopool» oder «IG Nachtleben» gebe. Aber eine, die sich ausdrücklich dem Jungsein widmet und aus der Jugend kommt, fehle noch. Mit der Verknüpfung zwischen «barock» und «jung» schuf man bewusst einen Gegensatz.

Nicht als Kampfansage gedacht

Gegensätze waren denn auch die Auslöser, die die jungen Initianten auf den Plan gerufen hatten. Konkret: Meinungsverschiedenheiten, wann ein Partylokal seine Lichter löschen soll. Insbesondere im Fadenkreuz und noch nicht zu Ende diskutiert: die Schliessung der Kulturfabrik Kofmehl um zwei Uhr. Doch die Kampagne hat sich nun von der ursprünglichen Kampfansage losgelöst, wie Wagmann verdeutlicht: «Es hat sich dahin gehend entwickelt, dass die Kampagne thematisch breiter gefächert sein soll. Keinesfalls ist sie als Reaktion und Frontalangriff nach dem Schliessungsentscheid im Kofmehl gedacht.» Natürlich polarisiere die Frage der Öffnungszeiten, «was wir auch aufgreifen.» In erster Linie verstehe man sich aber als überparteilichen Pool, um Themen aufzugreifen, die die Jugend betreffen. So wolle die Aktion verhindern, dass die Stadt ihre Wirkung als Kulturmagnet und Attraktivität verliert. Rahmenbedingungen für ein vielfältiges Angebot sollen geschaffen oder erhalten bleiben.

Dabei setzt man ganz auf das Potenzial einer innovativen und aktiven Jugend: «Je nachdem, welche Ideen und Impulse seitens Jugendlicher an uns herangetragen werden, wollen wir diese auch entsprechend unterstützen und die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Anliegen lenken.» Auch die Vernetzung mit städtischen Jugendorganisationen behalten die Initianten im Blickfeld: «Wir haben Kontakt mit ‹IG Nachtleben›, ‹Solopool› oder der entstehenden ‹Kulturagenda›», so Wagmann.

Öffentlichkeitsarbeit mit Vollgas

Aufmerksam macht die Kampagne seit kurzem vor allem durch ihre entsprechende Präsenz im Internet: Die Facebook-Fanseite «Auch eine Barockstadt will jung bleiben» zählt bereits 500 Anhänger. Zudem betreibt das Team seit einigen Tagen unter www.jungbleiben.ch auch eine eigene Webseite. Als «Gallionsfiguren» leihen der Kampagne einige stadt- und darüber hinaus bekannte Persönlichkeiten ihr Gesicht.

So sind auf der Webseite bereits Designer Rosario Bertoli, Friseurin Denise Müller und Urs Jeger vom Cherzejeger zu sehen. Die Exponenten solidarisieren sich mit einem Statement für eine junge Barockstadt und erklären, warum sie jung bleiben. Weitere Personen aus dem öffentlichen Leben wurden angefragt, ebenfalls mit ihrer Stimme für die Idee einzustehen.

Zudem ausstehend ist eine Anfrage an die Stadtverwaltung, der Aktion Plakatständer zur Verfügung zu stellen: Die Initianten beabsichtigen, sich auch ausserhalb des Internets für eine Barockstadt starkzumachen, die jung ist und auch so bleiben will.