Vorstadt

Solothurns «mindere Stadt» ist alles – nur nicht «minder»

Die lebendige Quartierentwicklung in der Solothurner Vorstadt reisst nicht ab: Und so stiess auch der vierte von der Vereinigung Pro Vorstadt organisierte Rundgang wieder auf reges Interesse.

Andreas Kaufmann
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Solothurner Vorstadt-Rundgang 2018 Martin Tschumi, Präsident Vereinigung Pro Vorstadt, begrüsst die rund 90 Teilnehmer des Rundgangs.
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 Martin Tschumi führt durch die «mindere Stadt».
 Martin Tschumi, Präsident Vereinigung Pro Vorstadt, und seine Ehefrau Evelyne Schoffe vor dem geplanten «so Slow»-Pavillon.
 Evelyne Schoffe erläutert das geplante «so Slow»-Pavillon.
 In der «Lebensart»-Kursküche von Katharina Aeschlimann.
 Thomas Schärer, Mode Küng, über den anstehenden Ausbau.
 Luigi Fragale über den neuen Standort mit Coiffeursalon, Nagelstudio und kleinem Bistro.
 Max Schreier, Holzbau Solothurn AG, in der ehemaligen Schreinerei am Patriotenweg.
 Im ehemaligen Schreinereilager der Holzbau Solothurn AG.
 Max Schreier, Holzbau Solothurn AG, in der ehemaligen Schreinerei am Patriotenweg.
 Max Schreier, Holzbau Solothurn AG, in der ehemaligen Schreinerei am Patriotenweg .
 Unterwegs zum nächsten Posten.
 Unterwegs zum nächsten Posten.
 Markus Moerler gewährt erste Einblicke in das neu entstehende Lokal «The Docks» am Brückenkopf der Wengibrücke.
 Im neu entstehenden Lokal «The Docks» am Brückenkopf der Wengibrücke.
 Markus Moerler gewährt erste Einblicke in das neu entstehende Lokal «The Docks» am Brückenkopf der Wengibrücke.
Vorstadt-Rundgang 2018
 Im ehemaligen Bordell an der Berntorstrasse 16 entstehen Mietwohnungen.
 Berntorstrasse 16 - Ein Hauch an Sakralem in einem ehemaligen Sündenhaus...
 Im ehemaligen Bordell an der Berntorstrasse 16 entstehen Mietwohnungen.
 Der Wehrgang an der Berntorstrasse 16 bleibt erhalten...
 ...ebenso das Plumpsklo. So will es auch die Denkmalpflege.
 Im ehemaligen Bordell an der Berntorstrasse 16 entstehen Mietwohnungen.
 Berntorstrasse 16 - Ein Hauch an Sakralem in einem ehemaligen Sündenhaus...
 Im ehemaligen Bordell an der Berntorstrasse 16 entstehen Mietwohnungen.
 Im ehemaligen Bordell an der Berntorstrasse 16 entstehen Mietwohnungen.
 Eine vegane «Zwipf» in der «Grüeni Chuchi».
 Mirjam Hauri (Mitte) erhält anlässlich des Vorstadt-Rundgangs Besuch von Renate Gurtner (l.) und Karin Müller-Fellinger (r.).
 Anna Ernst, Interior & Styling, am Unteren Winkel.
 Im Reisebüro El Travel von Petra Hubler.
 Besuch beim Bewegungsraum von Catherine Rihs im Unteren Winkel.
 Astrid Balli (links) mit ihrem «Wouelädeli» WollWirrWare.
 Unterwegs zum nächsten Posten.
 Mirjam Hauri, Schmuckmanufaktur.

Solothurner Vorstadt-Rundgang 2018 Martin Tschumi, Präsident Vereinigung Pro Vorstadt, begrüsst die rund 90 Teilnehmer des Rundgangs.

Solothurner Zeitung

Auf den ersten Blick ist es ein Kunststück, dass die Vereinigung Pro Vorstadt bei der Vorbereitung auf den Quartierrundgang Jahr für Jahr unzählige neue Geschichten aufspürt. Fakt ist: Es hat sich in den vergangenen zwölf Monaten einiges getan, was das Prädikat «Neuigkeitswert» tatsächlich auch verdient.

So erfuhren rund 90 Interessierte auf einer Tour d’Horizon, was sich in Sachen Gewerbe und Wohnen getan hat, immer noch tut oder bald schon tun wird. Martin Tschumi, «Pro Vorstadt»-Präsident, sowie fünf weitere Helfer führten den Menschenzug von Posten zu Posten.

Pavillon der Nachhaltigkeit

Zukunftsmusik tönt vom Dornacherplatz her, wo sich Passanten wundern, was aus dem Kabäuschen aus Glas – vormalig «Diamond Bar» – wird. Dieses wurde 2017 von der Stadt an «Pro Vorstadt» verpachtet. Ein «Ort für Jedermann» soll entstehen, verkünden nun Tschumi und Ehefrau Evelyne Schoffe. Unter dem Namen «so Slow» ist ein Café-Gastroangebot mit Möglichkeiten für Events und Workshops geplant, verrät Schoffe: «Dabei wollen wir den Gedanken der Nachhaltigkeit verfolgen.»

Geplant sei, den Betrieb im Frühling 2019 zu eröffnen. «Noch sind wir auf der Suche nach einem Gastropartner», so Schoffe. Einen Steinwurf weiter haben auch Thomas und Monika Schärer Neues für ihren Betrieb mit Herrenkonfektion im Sinn: Der Ladenbau aus den Siebzigern erhält eine Auffrischung. «Wir machen die Filiale für die nächsten 20 bis 30 Jahre fit – und dies im schwieriger gewordenen Branchenumfeld, wo eine Konzentration der Mitstreiter stattfindet», so Thomas Schärer. Der Umbau soll im Februar und März 2019 erfolgen – mit einem Provisorium «in nächster Umgebung», so Schärer.

Aus einem Tor am Patriotenweg steigt der Geruch frischen Holzes auf. Und dies obwohl die dort ansässige Holzbau Solothurn AG ihren Standort über die Stadtgrenzen verschoben hat. Inhaber Max Schreier zeigt – stolz und traurig zugleich – das seit 1957 genutzte charmante Schreinerei-«Labyrinth». Leider für heutige Anforderungen nicht mehr zeitgemäss, weswegen bald Platz frei wird für Langzeithotellerie aus der Hand des «Hotels an der Aare» und für Wohnungen. Dem Haus an der Baseltorstrasse 16, dem «Anfang der Altstadt», ist inwendig noch der alte Anstrich als Bordell anzusehen.

In der Baustelle zeugen rosarote Wände und aufgemalte Herzchen von der Vergangenheit. Sandro Ravasio und seine Frau haben die Liegenschaft gekauft: Entstehen sollen hier Mietwohnungen. Besonderes Plus: Der dazugehörige denkmalgeschützte Wehrgang bleibt erhalten – ebenso das dahinterliegende Plumpsklo. Im Erdgeschoss unter der Laube kommt zudem ein Blumenladen hin, verrät Ravasio.

Erster Blick ins «The Docks»

Neues Leben regt sich auch im ehemaligen «Biondo» im Bürgerhaus am Brückenkopf der Wengibrücke. «The Docks» prangt dort schon seit langem als Lokalname, nun lässt Markus Moerler tiefer blicken. «An dieser Liegenschaft lief ich immer unwissend vorbei» – jetzt entsteht dort eine in echtes Altholz gefasste «Hafenspelunke» im edlen Vintageformat. «Hier sollen Menschen, auch unbekannterweise, ins Gespräch kommen», sagt Moerler. Eröffnungstermin wird «irgendwann in den nächsten Wochen» sein. «Zuerst wird der Betrieb mit Bar anhand eines Pre-Openings ‹geübt›», so Moerler.

Neben dem Neuen glänzt die Vorstadt aber auch durch Bewährtes: Wie Luigi Fragale, dessen Coiffeursalon mit angeschlossenem Nagelstudio und kleinem Bistro positive Resonanzen erlebt. Oder Katharina Aeschlimann, die seit 1999 im Dornacherhof 11 mit grossem Erfolg Kochkurse und -happenings durchführt. Oder dann im Unteren Winkel: Hier betreibt Catherine Rihs ihren vielgenutzten Bewegungsraum.

Einige Schritte weiter teilt sich Mirjam Hauri von der Schmuckmanufaktur den Raum gemeinschaftlich mit Astrid Balli, ihrer «WollWirrWare» und ihrem Strickcafé, sowie mit Anna Ernst und ihrem Visualisierungs- und Gestaltungsbüro. Und in Petra Hubels neuem Reisebüro «El Travel» treffen sich die «kleine Welt» der Vorstadt und die «grosse Welt».