Maria Ursprung
Solothurner Theaterregisseurin berührt Zuschauer und Zuhörer

Mit erfrischender Unbeschwertheit erzählte die 28-jährige Solothurnerin Maria Ursprung im Museum Blumenstein über die Freuden und Leiden einer jungen Theaterregisseurin.

Katharina Arni-Howald
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Sie geht mit offenen Augen durchs Leben – Maria Ursprung.

Sie geht mit offenen Augen durchs Leben – Maria Ursprung.

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«Als ich vernommen habe, dass sich meine Heimatstadt für meine künstlerische Tätigkeit interessiert, war dies für mich eine Herausforderung, und ich war erfreut und aufgeregt.» Die zielstrebige und gross gewachsene Frau, die im Salon Rouge vor zahlreichem Publikum steht, hat in ihrem jungen Leben bereits einiges erreicht, aber auch erfahren, dass einem nichts geschenkt wird.

In einer musikalischen Familie aufgewachsen, interessierte sich Maria Ursprung vorerst fürs Musiktheater. Sie absolvierte eine Hospitanz am Opernhaus Zürich und nahm Unterricht in klassischem Gesang am Konservatorium in Bern. Später entdeckte sie ihre Liebe zur deutschen Sprache und studierte Theaterwissenschaft und Germanistik an der Uni Bern und der Freien Universität Berlin. Heute lebt sie als freie Regisseurin in Hamburg und arbeitet unter anderem für das renommierte Thalia-Theater. 2012 wurde sie vom Kanton Solothurn mit einem Förderpreis ausgezeichnet.

«Mir war immer klar, dass ich eine Regisseurin sein möchte, die figürlich Geschichten erzählt und nicht einfach Themen oder Fragen stellt», sagte Ursprung, die auf Einladung der Töpfergesellschaft nach Solothurn kam.

«Ich wollte mehr als nur beraten»

Als Dramaturgie-Assistentin am Theater Basel spürte sie bald auch, dass sie mehr wollte als nur beraten. «Ich wollte mit Schauspielern entwickeln, mit Bühnen- und Kostümbildnern Konzepte entwerfen, Texte erforschen und Inszenierungen auf die Bühne bringen.» Die Regieassistenz am Thalia-Theater in Hamburg war ein wichtiger Schritt dorthin. «Ich konnte und musste einem 36-köpfigen Schauspielerensemble stundenlang beim Proben, beim Spielen und beim Diskutieren zuschauen», erinnert sie sich an eine «wunderbare Zeit».

Am Thalia-Theater entwickelte Ursprung mit einigen Schauspielern auch die ersten eigenen Theaterabende. Dabei ging es um die Wirkung von Körper im Raum, das Erzählen über Blicke und über einfache Spielvorgänge. Langsam reifte der Gedanke, es als selbstständige Regisseurin zu versuchen. 2012 inszenierte Ursprung in Bern den Roman «Ustrinkata» des Schweizer Autors Arno Camenisch. «Diese Arbeit war lehrreich für mich.» Nebst der Erfahrung, dass es nicht einfach ist, eigene Kunstwerke zu schaffen, musste sich die junge Regisseurin auch mit kritischen Pressestimmen auseinandersetzen.

Der Leidenschaft, mit der sie an ihre Arbeit herangeht, hat dies nicht geschadet. Wenn Maria Ursprung inszeniert, hat sie drei Ziele vor Augen: «Ich möchte den Zuschauer berühren und ihn mit mindestens einem neuen Gedanken oder einer neuen Perspektive nach Hause gehen lassen. Und ich möchte, dass der Abend noch nicht ganz vorbei ist, wenn der Applaus kommt.»

Leicht fällt dies nicht, denn da steht immer noch die Frage im Raum: «Soll ich einen Klassiker spielen, einen zeitgenössischen Dramatiker zu Wort kommen lassen oder ganz einfach Texte inszenieren, die für mich, für den Moment und das, was ich erzählen will und wie ich erzählen will, stimmen?»

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