Referat

So veränderte sich unser Freundschaftsdenken im Lauf der Zeit

Vor der Töpfergesellschaft referierte die Solothurner Professorin an der Universität Basel, Caroline Arni, zum Thema Freundschaft.

Silvia Rietz
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Die Solothurner Professorin Caroline Arni lehrt an der Universität Basel «allgemeine Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts».

Die Solothurner Professorin Caroline Arni lehrt an der Universität Basel «allgemeine Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts».

Silvia Rietz

Dass Freundschaft mehr bedeutet als nur Informationen auszutauschen und vernetzt zu sein, zeigte Caroline Arni unter dem Titel «Freundschaft in der Moderne - Ein historisches Porträt» im Rahmen der Vortragsreihe der Töpfergesellschaft auf.

Zu Beginn bemerkte Arni, mit dem Aristoteles-Zitat «Oh meine Freunde, es gibt keine Freunde», würde sie sich in eine lange Serie berühmt gewordener Meditationen über Freundschaft einreihen. Einzig, die Autoren seien Männer und ihr Thema das Wesen der Freundschaft.

«Ich bin eine Frau und mich interessiert die Geschichtlichkeit von Freundschaft», präzisierte die 1970 in Solothurn geborene Historikerin, die als Professorin für «Allgemeine Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts» an der Uni Basel lehrt. Mit dem Exkurs füge sie sich jedoch auch in eine Gruppe von Frauen ein, die zwar weniger über das Wesen der Freundschaft philosophierten, als vielmehr von Freundschaft schrieben, ergänzte sie.

Facetten der Freundschaft

Sie machte deutlich, wie sehr sich das Freundschaftsdenken seit der Mitte des 18. Jahrhunderts und im Zuge der Französischen Revolution über die Vorstellung einer allgemeinen Menschenliebe veränderte. Dies bedeutete, dass nicht mehr jeder Mensch in Freundschaft geliebt wurde, sondern nur noch diejenigen sich zusammenschlossen, die im «Gleichklang der Seelen» lebten, verbunden durch die sogenannte «Seelenverwandtschaft».

So habe Mary Wollstonecraft 1790 die Postulate der Französischen Revolution gegen konservative Kritiker verteidigt, indem sie auch die Freundschaft einbezog: «Vernunftbegabte Wesen, die Menschen im Grunde sind, könnten nicht übersehen, dass wahres Glück in der Freundschaft liegt und in der Verbindung, die nur Gleiche miteinander unterhalten können.»

Interessant war zu erfahren, dass in fast allen klassischen Texten über die Freundschaft von der Antike bis in die Gegenwart der Freund stets männlich ist. Frauen seien nicht etwa vergessen, sondern doppelt ausgeschlossen worden. Zitate unterlegten die Ansicht, dass es keine Freundschaften unter Frauen und keine zwischen den Geschlechtern gebe. Andere Textstellen widerlegten die Behauptung und untermauerten, dass Freundschaftspraxis für Frauen ein Emanzipationsversprechen und damit im Grunde immer politisch gewesen sei.

«Indem sie Freundinnen waren, einerlei ob von anderen Frauen oder Männern, machten sie ihren Anspruch auf das geltend, was Freundschaft voraussetzt und was ihnen abgesprochen wurde: Subjekt zu sein und sich mit einem anderen von gleich zu gleich zu begegnen», schlussfolgerte die Referentin.

Die Fragerunde leuchtete abschliessend den sozialen und politischen Aspekt von Freundschaft aus, von den Salons des 18. Jahrhunderts bis zum modernen Verständnis von Partnerschaft, Beziehung, Kameradschaft und Kollegialität.