Stadtbummel

Nach dem Herbst ist vor dem Sommer

Der Herbst in Solothurn hat es in sich.

Reto Sperisen
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Der Oktober hat es in sich. (Archivbild)

Der Oktober hat es in sich. (Archivbild)

«Jetz falle d Blettli wiedr, dr Summer isch verby. Und d Schwalbe flüüge alli furt, mir wüsse nid wohi.» So tönt ein bekanntes Kinderlied, das zurzeit in Kindergärten und KITAS gesungen wird. Schwalben haben wir schon lange keine mehr gesehen; es bleiben uns nur die Tauben und Krähen. Rund um die Altstadt liegen gelbe und braune Blätter am Boden. Mitarbeiter des Werkhofs holen ihre Laubbläser hervor und manch einer beginnt in seinem eigenen Garten zu lauben.

Der Oktober in Solothurn hat es wirklich in sich: einen Herbstspaziergang in der Verenaschlucht machen, draussen auf der Decke am Aaremürli sitzen, im Stadtwald Pilze sammeln, auf der Chantier-Wiese Drachen steigen lassen oder einen schönen Kürbis schnitzen. Letzteren könnte man heute Abend an der «Chürbisnacht» gebrauchen oder vor dem Hauseingang aufstellen, so wie das momentan an vielen Orten zu beobachten ist. Es naht nämlich «Halloween». Dies merkt man auch in verschiedenen Geschäften, wo derzeit Kostüme verkauft werden: vom Skelett zur scheusslichen Hexe bis hin zum Zombie. Offenbar entwickelt sich der Anlasse immer mehr zu einer Horror-Show.

Aber Obacht: Wenn Sie heute oder morgen Abend, sagen wir so um 23 Uhr, in der Altstadt verkleideten Figuren begegnen, die laute Geräusche von sich geben und einen mit blutunterlaufenen Augen anschauen, den Blick ins Leere gerichtet – dann handelt es sich nicht etwa um Solothurner, die bereits ihr Halloween-Kostüm ausprobieren, sondern um Besucher des «Oktoberfestes», die sich auf dem Heimweg befinden.

Kommen wir zur zweiten Strophe des Kinderliedes. Diese könnte momentan folgendermassen ertönen: «D Pakätli falle wiedr, d Wahle si verby. Und d Kabelbinder blibe dra, sie wüsse nid wohi.» Dass mich auf der Werkhof- oder Rötistrasse nicht mehr so viele Gesichter anglotzen, hat durchaus etwas Angenehmes. Ich mag es nicht, wenn mich Verlierer «von oben herab» betrachten. Kaum sind die Wahlen vorbei, verschwinden auch wieder die Plakate an den Strassenlaternen. Schaut man jedoch etwas genauer hin, dann hängen einige Kabelbinder noch dran. Kann ja ganz praktisch sein, denn die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

Das ist wie mit dem Sommer. Wem der Herbst zu schnell vorbeigeht oder wem es vor dem kommenden Winter graut, dem spende die letzte Strophe des Kinderlieds Trost: «Ade du schöne Summer, du söttisch noni go. Wenn übers Johr de wiedr chunnsch, de si mir alli froh.» Voilà.