Solothurn

Museum Enter verlässt die Stadt: In Derendingen soll Technik-Campus mit Shuttle-Service entstehen

Die Entscheidung ist gefallen: Das Museum ENTER verschiebt seine Neubaupläne vom Hauptbahnhof Solothurn nach Derendingen. Die Um- und Neubauarbeiten werden im 2021 starten – die Eröffnung ist für 2023 geplant.

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Das Museum Enter zieht von Solothurn nach Derendingen. (Archivbild)

Das Museum Enter zieht von Solothurn nach Derendingen. (Archivbild)

Hanspeter Bärtschi

Was sich abgezeichnet hat, ist jetzt eine Tatsache. 2022 gibt es ein Museum weniger in der Stadt. Der geplante Ausbau des Hauptbahnhofs auf der Südseite hat zur Folge, dass sich das Museum Enter aus Solothurn verabschiedet. In Richtung Derendingen, wie das Museum für Computer und Unterhaltungselektronik am Freitag vermeldete. In der Medienmitteilung heisst es: «Mit dem definitiven Wegzug des Enter kommt es zu einer Entspannung der Planungs- und Bausituation auf der Südseite des Hauptbahnhofs.» Die RBS und die Stadt Solothurn könnten nun ihre Bauvorhaben nach Plan realisieren.

Der Entscheid, Solothurn mit dem Museum zu verlassen, sei nicht leichtgefallen, führte Felix Kunz, Initiant, Mäzen und Präsident der Stiftung Enter an der Medienkonferenz aus. Letztlich habe eine Summe von Aspekten zum Entschluss geführt. «Wichtig ist, dass sich das Museum weiterentwickeln kann.» Dies sei in Derendingen gegeben. «Wir haben dort genügend Parkplätze und genügend Fläche zur Verfügung.»

Museumsleiterin Violetta Vitacca und Präsident der Stiftung Enter Felix Kunz im Museum Enter am Bahnhof Solothurn.

Museumsleiterin Violetta Vitacca und Präsident der Stiftung Enter Felix Kunz im Museum Enter am Bahnhof Solothurn.

Michel Lüthi

Der futuristische Neubau wird somit nicht umgesetzt

Damit haben sich die Verantwortlichen des Museums Enter für Plan B entschieden. Plan A sah vor, dem jetzigen Standort am Bahnhof treu zu bleiben und in einen futuristischen Neubau beim heutigen Nilpfi zu ziehen. Dieser Museumsbau hätte einen Paternoster vorgesehen, sprich einen Lift, in dem alte Computer und Fernseher in einer Dauerschlaufe rauf und runter fahren. Keine Option war der Verbleib in den jetzigen Räumlichkeiten. Denn dort, wo heute noch Museumsgänger alte Technologien wie etwa einen noch funktionierenden Apple 1 bewundern, sollen in wenigen Jahren RBS-Züge einfahren. Deswegen läuft ein Teilenteignungsverfahren.

Zum nicht freiwilligen Ende in Solothurn wollte sich Kunz am Freitag nicht gross äussern: «Ich habe mich mit der Situation arrangiert», sagte er und zeigte sich optimistisch, dass er mit der RBS und der Stadt bis im November eine Lösung findet. Für diesen Fall hat der einstige Besitzer und Gründer der Digital-Logic AG, der Stadt zugesichert, seine drei Einsprachen gegen die Ortsplanungsrevision zurückzuziehen. Auch weil der Neubau, der auch ohne Museum auf dem heutigen Areal des Indoorspielplatzes Nilpfi gebaut werden soll, nicht mehr unbedingt 27 Meter hoch werden muss. Der Grund: Die nun zusätzlich geplanten Wohnungen, Geschäftsräume und Praxen benötigen weniger hohe Räume als ein Museum.

Ein klein wenig Museum Enter soll aber trotz allem am Bahnhof bleiben. «Für Bahnreisende soll das Museumserlebnis weiterhin in Solothurn beginnen», sagte Felix Kunz. Und zwar im geplanten Ticket- und Museumsshop. Danach führt die Reise mit einem selbstfahrenden Elektro-Fahrzeug ins Längacker-Quartier in Derendingen und somit zum eigentlichen Museum. So die aktuelle Vision. «Diese innovative Lösung würde zum Museum passen», sagte Kunz. «Das Enter soll sich nicht nur mit der Technik-Vergangenheit, sondern auch der Zukunft befassen.»

Museum will künftig vier Mal so viele Besucher

Das Areal Längacker in Derendingen sei perfekt für das Enter, führte Felix Kunz weiter aus. Geplant ist das bestehende Gebäude als Lager, das in Zukunft auch für die Besucher zugänglich sein wird, zu erhalten. Auf dem verbleibenden Land soll das eigentliche Museum entstehen. Zudem soll es auf dem neuen Areal auch eine Academy und eine Werkstatt geben. Der Plan sieht vor, im kommenden Sommer das Baugesuch einzureichen und im Herbst mit dem Bau zu beginnen. Die Eröffnung des «neuen» Museum Enter soll bereits im Herbst 2022 erfolgen.

Derzeit begrüsst das Enter 8000 Besucher im Jahr. «Am neuen Standort wollen wir diese Zahl mehr als vervierfachen», sagt Kunz. 40'000 Besucherinnen und Besucher sind das angestrebte Ziel. Dazu wird auch eine Marketingstrategie entwickelt. «Uns kennt man nicht», führt Kunz aus, «selbst in Solothurn nicht so gut.»

Am Standort Solothurn wird das Museum im Frühling 2022 seine Lichter löschen.