Solothurn Tourismus

Krimi-Projekt soll «virtuellen» Spaziergang durch Solothurn ermöglichen

Raus aus der Corona-Starre: Mit etwas Kreativität lockt Solothurn Tourismus die Leute gedanklich auf die Strassen.

Gülpinar Günes
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Solothurn wird zum Krimischauplatz während der Coronakrise.

Solothurn wird zum Krimischauplatz während der Coronakrise.

Simon Dietiker

Der Frühling ist da, die Sonne scheint, die Blumen lassen grüssen. Die Gassen Solothurns bleiben aber weitgehend leer. Zu gross ist die Angst vor dem fremdartigen Virus. Da bringen auch die besten Marketingaktionen des Tourismusbüros nicht mehr Leute auf die Strassen der Stadt. Oder etwa doch?

«Wir wollen mit dem Projekt die Fantasie der Leute anregen und vom Coronavirus ablenken», sagt Nadine Boner Camacho von Solothurn Tourismus. Letzte Woche lancierte sie gemeinsam mit einem Team das Pionierprojekt «Solothurn schreibt Geschichte»: Sie will gemeinsam mit den Bewohnern des Kantons einen Krimi schreiben. Das Team gibt dabei jeweils einen Teil der Geschichte sowie weiterführende Stichworte vor, die Leser dichten die Fortsetzung dazu. Die Idee zum Projekt entstand vor einer Woche: Eigentlich sollte die Website von Solothurn Tourismus momentan Inspirationen für den Frühling bieten. Da aber wegen Corona keiner mehr raus kann, soll das Projekt zumindest einen «virtueller» Spaziergang zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt ermöglichen.

Begonnen hat das Projekt am Donnerstagmorgen mit dem «Füdlistein», der verschwunden ist. Danach kamen der Tonscherben – eines der ältesten Zeitdokumente der Stadt – und die Statue im Stadtpark abhanden. Kommissar Kuno Studer, Journalist Jeffrey Affolter und Stadtführerin Alma Müller versuchen den Fall zu lösen und hängen an der Feder des Lesers. Ganz so frei nach Sinnen darf aber nicht gedichtet werden: Keine Tote soll es geben, lautet die inoffizielle Regel. Schliesslich soll man vom Virus abgelenkt und nicht daran erinnert werden.

Den roten Faden der Geschichte hält dabei die Journalistin und Initiantin der Geschichte, Simone Leitner in der Hand. Mit den eingesandten Ideen, Stichworten oder Geschichten schreibt sie jeweils die Fortsetzung, die publiziert wird. «Ich habe eine lose Handlung, die ich verfolge», sagt sie. Diese habe sie gemeinsam mit der Stadtführerin Susanne Im Hof, die ihr beratend zur Seite steht, erfunden. Die Handlung aber sei flexibel genug für Ideen der Leser. So sei das Stichwort für das Verschwinden der Statue im Stadtpark von einer Leserin gefallen. «Die Geschichte muss nicht professionell werden. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt», sagt Leitner. Damit will sie alle ermutigen, am Projekt teilzunehmen. Ideen könnten auch als Stichwortartig eingesandt werden.

Seit Donnerstag haben sich laut Spielleiterin Nadine Boner Camacho rund drei bis fünf Personen pro Tag gemeldet. «Das freut uns sehr.» Darunter einige aus den umliegenden Gemeinden und aus dem Thal. Bisher aber hat noch kein Solothurner und keine Solothurnerin sich am Projekt beteiligt. «Je mehr mitschreiben, desto spannender wird es», sagt sie. Mitschreiben sollen bald auch Gastautoren, wie der Chefredaktor der Solothurner Zeitung, Balz Bruder, Autor Christof Gasser oder Jürg Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus.