Solothurner Filmtage
Filmverleiherin Bea Cuttat wird mit dem «Prix d’honneur» ausgezeichnet

Die Filmverleiherin Bea Cuttat nimmt am Montag, 27. Januar 2020 den «Prix d’honneur» der 55. Solothurner Filmtage entgegen. Der Preis ist gestiftet von den Gemeinden im Wasseramt.

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Zu Ehren von Bea Cuttat wird nach der Verleihung «A tickle in the heart» gezeigt.

Zu Ehren von Bea Cuttat wird nach der Verleihung «A tickle in the heart» gezeigt.

zvg

Mit dem «Prix d’honneur» werden seit 2003 Persönlichkeiten geehrt, die sich abseits des Rampenlichts um den Schweizer Film verdient machen. 2020 geht der mit 10'000 Franken dotierte Preis, gestiftet von den Gemeinden im Wasseramt, an eine Filmverleiherin.

«Die Schweizer Filmkultur wäre ohne Bea Cuttat eine andere», wird Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage in einer Mitteilung zitiert. Während mehr als dreissig Jahren habe sie sich mit Herzblut und Beharrlichkeit für den Film engagiert und mit ihrem eigenen Studiofilmverleih Look Now!, den sie 1988 gründete und der zum Synonym für radikale Werke und künstlerische Kontinuität werden sollte, massgeblich dazu beigetragen, dass die Angebotsvielfalt in der Schweiz zu den weltweit Besten gehöre. «Von manchen Schweizer Regisseuren hat Bea Cuttat beinahe das Gesamtwerk betreut und ihre Türe stand auch dem Nachwuchs immer offen», so Hugi. Der «Prix d’honneur» würdige diesen «inspirierenden und prägenden Einsatz für den Film», der weit über das Bestehen von Look Now! hinausreiche.

Als Verleiherin habe sie sich immer Herzenswünsche erfüllt, meint Bea Cuttat. Und dies «ohne Rücksicht auf Verluste und trotz einem immer komplexeren Umfeld». «Wenn mein Klein-Unternehmen die Liebe für die Filmkunst weitervermitteln konnte, habe ich viele Ziele erreicht», ergänzt sie. Nach über 30 Jahren entschloss sie sich im Sommer 2019, ihre aktive Verleihtätigkeit einzustellen und konzentriert sich nun auf die Pflege ihres Repertoires.

270 Filme in Schweizer Kinos gebracht

In 32 Jahren hat Bea Cuttat mit «Look Now!» rund 270 Filme in die Schweizer Kinos gebracht und damit gegen drei Millionen Eintritte erzielt. Die Spannweite ihres Katalogs reicht von Überraschungshits wie «Fucking Åmål» über Publikumslieblinge wie «Wallace & Gromit» bis hin zu den radikalen Arbeiten des mexikanischen Autoren Carlos Reygadas, mit dessen jüngstem Film «Nuestro Tiempo» Bea Cuttat ihr Kollektion abgeschlossen hat. 125 ihrer Filme entstammen der heimischen Produktion. Zu den Schweizer Filmschaffenden, die auf die treue Begleitung ihrer Werke durch «Look Now!» zählen konnten, gehören u.a. Dieter Fahrer, Peter Liechti oder Stefan Schwietert und die nächste Generation mit Aya Domenig, Jan Gassmann oder Milagros Mumenthaler.

Cuttat engagierte sich auch als langjährige Präsidentin des Schweizerischen Studiofilm Verbandes SSV und Mitglied der Fachkommission Filmförderung des Bundes.

Der «Prix d’honneur» wird am Montag, 27. Januar 2020 um 17:30 Uhr im Landhaus verliehen. Anschliessend stellt Bea Cuttat «A Tickle in the Heart» von Stefan Schwietert (1996) vor. So begründet sie ihre Wahl: «Er beinhaltet vieles, was mich mein ,Filmleben’ lang begleitet hat: eine unverwechselbare und emotionale Geschichte wird überzeugend und ohne Rührseligkeit erzählt; Der Film ist ausgesucht schön fotografiert und geschnitten; es kommen Menschen vor, die etwas erlebt und zu sagen haben; und es geht um Musik!; aber es geht auch um die Erinnerung an den Holocaust, das Überleben; und um das Altwerden.»

Aus dem Katalog von «Look Now!» wird an den 55. Solothurner Filmtagen weiter «Step Across the Border» von Nicolas Humbert und Werner Penzel gezeigt. Der von Res Balzli († 2019) produzierte Dokumentarfilm aus dem Jahre 1990 ist Teil der Hommagen im Spezialprogramm «Histoires du cinéma suisse».

Am Mittwoch, 29. Januar 2020 spricht Bea Cuttat als Gast des «Film-Brunch» über ihre Karriere und Arbeit. (mgt)

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