«Night of Light»

«Eine stille Demonstration»: Aus diesem Grund leuchteten Reithalle, «Kofmehl» und Co. rot

Am Montagabend wurden in der Stadt Solothurn im Rahmen der Aktion «Night of Light» mehrere Gebäude rot beleuchtet.

Jacqueline Schreier
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Im Rahmen der Aktion "Night of Light" wurden in der Stadt Solothurn mehrere Gebäude rot beleuchtet Die Kulturfabrik Kofmehl
5 Bilder
.... und hier noch aus der Luft
«Night of light» in der Stadt Solothurn
Konzertsaal
Der Muttiturm

Im Rahmen der Aktion "Night of Light" wurden in der Stadt Solothurn mehrere Gebäude rot beleuchtet Die Kulturfabrik Kofmehl

Nicole Rötheli

Alarmstufe Rot! Das sollte die Aktion «Night of Light» signalisieren und auf die Krise in der Veranstaltungs- und Kulturbranche aufmerksam machen. Am Montagabend wurden schweizweit und in ganz Europa Gebäude rot beleuchtet. Auch in der Stadt Solothurn haben sich verschiedene Veranstalter an der Aktion beteiligt und von 22 Uhr bis Mitternacht den Konzertsaal, den Muttiturm, das Naturmuseum, die Kulturfabrik Kofmehl, die Reithalle und das Restaurant Chutz bestrahlt.

Das Event-Technik Unternehmen Powerhouse AG hat in Zusammenarbeit mit der HESO die Reithalle beleuchtet. «Für uns war von Anfang an klar, dass wir da mitmachen wollen. Wir waren die 13. Firma in der Schweiz, die sich an der Aktion beteiligt hat», sagt Inhaber und Geschäftsführer Markus Wälti. Die Idee, die ursprünglich aus Deutschland stamme, habe wie eine Welle gewirkt und sich dabei nicht nur auf die Schweiz ausgeweitet. «Sogar in New York werden Gebäude bestrahlt», weiss eine Mitarbeiterin.

Das Projekt sei vor zwei Wochen lanciert worden und in den letzten Tagen in der Schweiz angekommen. Innerhalb kürzester Zeit hätten sich denn auch Dutzende Betriebe gemeldet. «Insgesamt haben sich 1375 Schweizer Firmen an der Aktion beteiligt», fügt ein anderer Powerhouse-Mitarbeiter an und meint: «Sogar das Hotel Weissenstein, die Rigi und das Matterhorn wurden beleuchtet.»

An der Branche hängen viele Jobs

«Es ist im Prinzip eine stille Demonstration, mit der wir auf die Krise unserer Branche aufmerksam machen wollen», erklärt Wälti den Hintergrund der Aktion. «Man unterschätzt immer, wie viele Jobs an Veranstaltungen hängen», führt er aus. Von einer Absage sei nicht nur der Veranstalter selbst betroffen. Finden keine Anlässe mehr statt, brauche es auch keinen Techniker, kein Catering, keine Floristen für die Dekoration, keine Druckerei für die Plakate und Flyer und so weiter. «Unsere Branche war als erste vom Lockdown betroffen und wird die letzte sein, die wieder in den Normalbetrieb zurückkehren kann. Ich vermute, dies wird frühestens im Oktober der Fall sein», sagt Wälti. Aus diesem Grund sei es dringend nötig, dass die Veranstaltungs- und Kulturbranche vom Staat mehr Unterstützung erhalte. «Das Verhältnis stimmt einfach nicht», sagt Wälti und spricht damit die ungerechte Verteilung der Subventionen an. Während Fluggesellschaften, die weniger Umsatz generieren würden und auch weniger Mitarbeiter beschäftigen, grosszügige Unterstützungsgelder von den Staaten erhalten, gehe die Veranstaltungsbranche beinahe vergessen, bringt Wälti als Beispiel an.

«Unter den Veranstaltern gab es auch den Vorschlag, dass wir unsere Musikanlagen auf dem Bundesplatz aufstellen und Lärm machen», erzählt Wälti. Man habe sich aber dann doch lieber für die friedlichere Variante entschieden. So sollte die stille Demo auch nicht Party symbolisieren, sondern ein «leuchtendes Mahnmal und ein flammender Appell der Veranstaltungsbranche» sein, wie es in der gemeinsamen Medienmitteilung heisst. «Wir erhoffen uns mit der Aktion, dass man uns wahrnimmt und auf unser Anliegen eingeht», sagt Wälti zum gemeinsamen, internationalen Projekt von Tausenden Betrieben in der Veranstaltungs- und Kulturbranche.

Die Aktion «Night of Light» hat besonders in den sozialen Medien grosse Aufmerksamkeit erhalten. Aber auch viele Passanten, die zum Teil vorher nichts von der geplanten Aktion vernommen haben, blieben stehen und schossen ein Foto. Einige von ihnen klapperten auf ihrem Rundgang sogar mehrere der rot beleuchteten Gebäude in der Stadt ab. «Eine schöne Aktion», findet auch eine Passantin.

Hinweis

Weitere Informationen zu der Aktion «Night of Light», der Forderung der Branche oder genauen Zahlen dazu finden sie unter: www.nightoflight.ch