Kulturfabrik Kofmehl

Die Fans waren ärztlich bestens versorgt

Am Samstag begeisterte eine deutsche Kultband unter dem Namen «Laternen-Joe» die ausverkaufte Kulturfabrik Kofmehl. Um welche Band es sich tatsächlich handelt wird nicht verraten, wollen die Stars auf ihrer Undergroundtour doch «unerkannt» bleiben.

Christoph Neuenschwander
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Laternen Joe bei ihrem Auftritt in der Kulturfabrik Kofmehl (Fotos: Simon Mössinger)
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Die Band bot ein bombastisches Punkfeuerwerk vor 900 Besuchern...
Jealousy Laterne
Julia Laterne am Schlagzeug
Jack Laterne
Ominöse Band lockte 900 «Ärzte»-Fans ins Kofmehl
Laternen Joe begeisterten die Massen: Das Kofmehl war restlos ausverkauft

Laternen Joe bei ihrem Auftritt in der Kulturfabrik Kofmehl (Fotos: Simon Mössinger)

Der schwarze Vorhang öffnet sich. Auf der Bühne der Kulturfabrik rocken sich drei völlig unbekannte Roadies die Seelen aus dem Leib. Nach wenigen Minuten kommen drei Typen mit je einer Laterne in der Hand unter tosendem Applaus zum Vorschein und übernehmen die Instrumente.

Der 23. April 2011 dürfte in die Geschichtsbücher der Solothurner Musikszene eingehen: die Band Laternen-Joe macht auf ihrer «Small World Tour» Halt im «Kofmehl». Es ist der einzige Schweizer Auftritt, die Tickets waren in Windeseile ausverkauft. Wer hinter den Pseudonymen Jealousy, Julia und Jack Laterne steckt, ist längst kein Geheimnis mehr – doch wollen die Musiker während ihrer Tour so gut es geht inkognito bleiben.

Medienleute haben daher während der Show keinen Zutritt. Das heisst natürlich nicht, dass sich da alle Medienleute dran halten. Wir haben den Punk-Event des Jahres besucht. Auch inkognito. Das sei dreist, unkonventionell sogar, da habe man aber gehörig das System untergraben, liesse sich einwenden. Aber hey, darum geht es beim Punk doch!

Trotzdem sei an dieser Stelle nicht verraten, um welche Band es sich tatsächlich handelt. Aber auffällig ist es ja schon, dass so viele der 900 Fans ein «Ärzte»-Shirt tragen.

Hymnen und Schweiss

«Jetzt sind wir wieder in der Rockstadt Solothurn, da, wo für uns damals alles angefangen hat», scherzt Jealousy Laterne, dessen verblüffende Ähnlichkeit mit Farin Urlaub ins Auge sticht. Die Stimmung ist phantastisch, die witzigen Dialoge zwischen den Songs werden heiss geliebt. Ausser sich ist die Menge, als die Band –- nebst Laternen-Joe-Songs - Hymnen wie «Junge», «Unrockbar» oder «Deine Schuld» anspielen. Einmalig ist der Blick von der Galerie auf die Pogo-tanzende Masse vor der Bühne. Natürlich will man da mitmischen, also geht es die Treppe runter und nach vorne.

Von hier an wird sich hüpfend vorwärts bewegt. Wie es bei einem guten Punk-Konzert sein soll, wird man mal in diese Richtung geschubst, mal in die andere gedrängt. Plötzlich steht man ganz frei, nur um in der nächsten Sekunde von allen Seiten gleichzeitig angerempelt zu werden. Und nach kurzer Zeit weiss man nicht mehr, ob der Schweiss, den man auf den Lippen schmeckt, der eigene ist, oder ob er dem bachnassen Typen vor einem gehört, über dessen Rücken man gerade mit dem Gesicht geschleift wurde.

Ganz zum Überschäumen bringt die Band den Hexenkessel Kofmehl, als sie zum Schluss mit «Schrei nach Liebe» nachwürzen. Das Publikum tobt. «Live gibt es keine bessere Band», schwärmt eine Zuschauerin begeistert. «Von den vier Schweizer ‹Ärzte›-Konzerten, die ich gesehen habe, ist das hier das Beste», meint ein Veteran.

Sie spielen Punk

Mit «Ärzte» sind – um ganz korrekt zu bleiben –- natürlich Laternen-Joe und nur sie gemeint. Denn da stehen schliesslich Jack, Julia und Jealousy auf der Bühne. Sie spielen Punk und sie machen ihre Sache gut.

Sehr gut. Man könnte fast behaupten, sie seien die beste Band der Welt.