Stadtbummel Solothurn

Dann lieber doch kalten Kaffee

Reto Sperisen
Drucken
Teilen
Lieber kalten Kaffee als keinen Kaffee, findet der Autor.

Lieber kalten Kaffee als keinen Kaffee, findet der Autor.

Keystone

Der Februar neigt sich langsam dem Ende entgegen. In gewissen Kreisen ist dies eine Zeit der Erholung. Hat man doch kaum Zeit gehabt, sich von den Filmtagen oder der Fasnacht zu erholen. Endlich kommt man dazu, Schlaf nachzuholen, sich zu entspannen oder endlich (!) die Vorsätze fürs 2018 in die Tat umzusetzen: gesünder leben oder weniger Alkohol trinken. Da kommt die Fastenzeit wie gerufen! Mehrere Fliegen mit einer Klatsche quasi. Da gibt es doch viele, die bis Ostern auf Süsses verzichten oder auf Wein oder auf Kaffee. Wobei Letzteres verboten sein sollte! Lieber kalten Kaffee als keinen Kaffee ...

Apropos «kalt» – es steht uns ein saukaltes Wochenende bevor. Die Temperaturen gehen unter null und Anfang Woche sogar in den zweistelligen Minusbereich. Eiskalt überläuft es einen bei dem Gedanken, nach draussen gehen zu müssen, zum Beispiel an den Samstagmäret. Wobei die Altstadtmauern ein wenig vor der unangenehmen Bise schützen. Wer mit dem Velo momentan über eine der Brücken fährt, bekommt dank der Bise die klirrende Kälte bis auf die Knochen zu spüren.

«Wenn nicht Ende Februar kalt, wann dann?», mögen jetzt einige denken. Das ist grundsätzlich gut überlegt, wäre unsere Fasnacht nicht schon vorüber: Haben wir doch mit der «Chesslete» den Winter vertrieben! Was hat da nicht geklappt? Der «Böögg» ist verbrannt. Es sollte doch jetzt Frühling werden! Hält das Wetter nichts mehr von alten Bräuchen? Pfeift es auf Traditionen so wie der Biswind auf den Brücken? Nächstes Jahr stehen die Chancen besser, wenn der Aschermittwoch erst am 6. März stattfindet; dann wird der Winter vertrieben sein! Und falls nicht, müssen wir es halt wie die Zürcher machen: Wahrscheinlich verbrennen sie ihren «Böögg» am «Sächslilüüte» erst im April, damit sie nachher sagen können, sie hätten es – im Gegensatz zu uns Solothurnern – geschafft mit der Vertreibung des Winters, und jetzt komme dann der Frühling. Kunststück!

Die kommenden Temperaturen lassen also niemanden kalt. (Warum übrigens Ausdrücke wie schweinekalt, Schafskälte oder kalt wie eine Hundeschnauze in Verbindung mit Tieren auftreten, ist mir bis heute unerklärlich – zumal dies ja alles Warmblüter sind ...) Aber eben, uns bleibt nichts anderes übrig, als zu reagieren: Rüsten wir uns also für die nächsten Tage und ziehen Thermounterwäsche, Rollkragenpulli, Faserpelz, Winterjacke, Handschuhe, Schal und Kappe an – und stellen wir uns der Kälte. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, hätte ich doch lieber kalten Kaffee ... Voilà.