Solothurner Fasnachtszeitung

«11 Minuten» feiert 11-jähriges Jubiläum mit Gags am Laufmeter

Die jubilierende Solothurner Gratis-Fasnachtszeitung «11 Minuten» lud zu einer höchst vergnüglichen Soirée.

Wolfgang Wagmann
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Die 11-Minüteler parodieren sich selbst.
17 Bilder
Kopie von 11 Minuten Fasnachtszeit
 Johnny Sollberger und Reto Sperisen bei einer musikalischen Einlage.
Yvonne Carlo Bernasconi schenkt Yvorne ein.
Fachsimpeln der 11-Minuten-Redaktion.
Reto Gasser als Peter Bichsel..
Tambouren-Fake.
Moderator Sven Witmer.
Man mokiert sich über den Postheiri.
Die echten Tambouren.
Nachgestellt: Die ultimativ letzte Redaktionssitzung der einstigen Fasnachtszeitung «Gugg».
Pascal Walter.
Sven Witmer.
Raoul Stampfli hält die Festrede.
Die letzte Zuckung des GUGG.
Das Publikum amüsiert sich.
Die Redaktion jubelt über eine Pointe.

Die 11-Minüteler parodieren sich selbst.

Hansjörg Sahli

Grenchen hat den Plausch, Basel das «Drummeli» und Honolulu das «Schnurriwurri». Zumindest für einmal. Denn die Gratis-Fasnachtszeitung «11 Minuten» feierte ihre 11. und damit Jubiläumsausgabe mit einer vorfasnächtlichen Performance im Theater Mausefalle, welche die Lachmuskulatur der geladenen Gönner und Gäste arg strapazierte. Allein die Reise nach Zuchwil wert war Conférencier Sven Witmer, der die Redaktionsarbeit seiner Kollegen schonungslos zukalauerte.

Pseudo-Tambouren und Bichsel

Beleuchtet wurden auch die Anfänge und der Ursprung des Jubiläumsblatts, das zwar erst 2006 in den honolulesischen Medienmarkt eintrat, aber von einer Vorgänger-Fasnachtszeitung profitieren konnte: dem 1994 eingestellten «Gugg». Nun wurde auf der Mausefalle-Bühne die ultimativ letzte Sitzung der «Gugg»-Redaktion beleuchtet, in deren Verlauf der Beschluss fiel, das Redaktionsvermögen für eine neue Fasnachtszeitung mit jungen Kräften zurückzulegen – was 12 Jahre später mit «11 Minuten» der Fall war.

«11 Minuten» ist gratis erhältlich bei Bruno Walter Architekten, Cantina del Vino, Chicken Chaotikum, Chuchilade, Kerzen Jeger, Mobilia Solothurn, Powerhouse, Akropolis, Jägerstübli, Sternen, Taverna Amphorea und Wirthen.

Es täte der Grenchner Fasnacht gut, wenn sie ihre besten Kräfte nicht in Einsätzen im Fernen Osten verheizen würde. Denn Reto Gasser – eben ein Grenchner – als Peter Bichsel und Fasnachtslästerer mimte den Solothurner Literaturpapst hervorragend. Einzige Kritik im Publikum: Der echte Bichsel hätte nicht nur ein bisschen am Glas Rotwein genippt.

Yvorne in rauen Mengen servierte dagegen Yvonne Bernasconi an einer typischen Redaktionssitzung im «Sternen» – nur dass Yvonnes Sohn Carlo mit einer Yvonne-Maske auftrat. Eine launige Festrede hielt der Jurist und Urfasnächtler Raoul Stampfli, einen Super-Auftritt legte der «Kofmehlianer» Johnny Sollberger hin.

Riesengelächter erntete der Auftritt der Redaktion als Simulations-Tambouren-Gruppe - die echten «Ruesser» zeigten nach ihrer Hintergrund-Unterstützung auf der Bühne, wie es richtig geht. Wohl der Höhepunkt des Abends war aber der grosse Auftritt verschiedenster Schnitzelbank-Repräsentanten über das Elisi bis hin zum wieder ausgegrabenen, perfekt imitierten Rest-Hüslisänger Alois Studer – so geht Fasnacht!

«Bilder sprechen lassen, statt mit ganzen Sätzen zu belästigen»

Zum 11-Jahr-Jubiläum darf man sich eine Ruhepause gönnen – fanden zumindest die Macher des Fasnachtsblatts «11 Minuten». «Kreativpause, abgestürzt, ideenlos, weggetreten», wird der Redaktionszustand betitelt. Für die Texte haben Gastautoren der närrischen und nichtnärrischen Regionalprominenz in die Tasten gegriffen. Einzig die schlagzeilenartigen «Elfsekünder» sind selfmade.

Die Gastbeiträge selbst würdigen das Schaffen des jüngsten aller Narrenblätter kritisch, ironisch , lobend, beratend. Fritz Rickli vermittelt Tipps aus der konkurrierenden «Postheiri»-Redaktion und schlägt eine Fusion vor: «Chli Entwickligshilf chönnt so, das Blettli haut scho übercho.» An anderer Stelle wird es gelobt als «Witzblatt, das sich auch den Sorgen des kleinen Mannes annimmt.» Oder: «Erst ‹11 Minuten› hat den Mut, Bilder sprechen zu lassen, ohne dass die Leser mit ganzen Sätzen belästigt werden.» Genau da ist von den kurzweiligen Texthäppchen die Rede.

In den Elfsekündern erfährt man nämlich, dass dieses Jahr beim Bööggverbrennen kein «Gang Bäng» mehr zu erwarten ist. Ein übermässig explosiver Aschermittwoch 2016 weist nämlich die Bööggiers für heuer pyrotechnisch in die Schranken. Erwähnt wird auch Evergreen Brigit Wyss, die wiederholt für die Wahlen antritt.

Thema ist zudem das Besenval, das im «Schandhaus» den «Gööggefrass» servierte. Trotz selbst attestierter Ideenlosigkeit legte sich die «11 Minuten»-Redaktion vor allem bei den Illustrationen und Fotomontagen ins Zeug. Zum Verweilen lädt das bunte Wimmelbild aus der Einsiedelei ein. «Verena schluckt» nimmt so das von Eremit Michael Daum verhängte «Glühweindekret» auf die Schippe – neben vielem anderen.

Ein «fotogeschoppter» KuFlu (der übrigens selbst auch als Gastautor auftritt) steht als grauer AKW-Kühlturm in der Landschaft – betitelt mit «Restlaufzeit verlängert.» Und die für den Dornacherplatz geplante Tribüne der Vorstadtzunft (siehe Foto links) glänzt – fast so wie die Schreibwut der «11 Minuten»-Jubilare – durch Bescheidenheit. (ak)

Die Tribüne am Dornacherplatz ist bereits für 2018 ausgebucht, so «11 Minuten».

Die Tribüne am Dornacherplatz ist bereits für 2018 ausgebucht, so «11 Minuten».

zvg