Motorrad

«Wenn möglich aufs Podest»: Hägendörfer Töfffahrer will an Schweizer Meisterschaft punkten

Der Hägendörfer Alain Schmid hat Grosses vor: Er will an der Motorrad-Schweizer-Meisterschaft teilnehmen. Dafür opfert der 30-Jährige viel Zeit und Geld.

Raphael Wermelinger
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Bruno Kissling

«Ich werde in diesem Jahr zum ersten Mal die Schweizer Meisterschaft bestreiten. Und angreifen. Das Startgeld ist bereits bezahlt», freut sich Alain Schmid. Damit geht für den 30-jährigen Hägendörfer ein langer Traum in Erfüllung.

Zum Rennsport fand der gelernte Polymechaniker bereits als Teenager: «Als ich etwa 13, 14 Jahre alt war, begann ich mit Gokartfahren. Und ich besass ein ‹Töffli›, an dem ich ein bisschen herumgeschraubt habe.» Als Schmid volljährig war, kaufte er sich sein erstes 125er-Motorrad.

Alain Schmid hat Benzin im Blut. Er sei schon immer gerne schnell gefahren, bestätigt er. Damit sei aber nicht rasen gemeint, schiebt er sofort hinterher: «Eher voll in die Kurven liegen und hart und schnell bremsen. Das hat mich fasziniert. Mir war natürlich schnell klar, dass das, was ich will, nicht für die Strasse geeignet ist.»

Deshalb absolvierte er bei «Have Fun» Renntrainings, um sich das Rüstzeug für den Motorradsport zu holen und sich auf den Rennstrecken richtig zu verhalten. Mittlerweile arbeitet Schmid dort selber nebenberuflich als Fahrinstruktor.

Die Atmosphäre auf der Strecke

Sein erstes offizielles Rennen bestritt Alain Schmid vor knapp vier Jahren im französischen Dijon. Es war ein Gaststart an der Schweizer Meisterschaft. «Schon im ersten Training hat mich das Rennfieber gepackt», blickt er zurück.

«Die ganze Atmosphäre auf der Strecke und in den Boxen hat mich fasziniert. Und auch der Wettkampfgedanke. Man kämpft auf der Strecke gegen die anderen Fahrer, aber auch immer gegen die eigenen Rundenzeiten.»

Im vergangenen Jahr war Schmid bei zwei SM-Läufen als Gast am Start. Heuer wird er alle Rennen bestreiten. Das heisst, sechs Rennwochenenden mit jeweils zwei Läufen stehen auf dem Programm.

Weil in der Schweiz keine Motorradrennen erlaubt sind, wird die Schweizer Meisterschaft international ausgetragen. Los geht die Saison am Wochenende vom 30. März bis 2. April auf dem Red Bull Ring in Spielberg (Österreich). Mitte April gehts in Valencia weiter. Der dritte Lauf ist Ende Mai in Dijon. Brünn in Tschechien sowie der Slovakiaring sind die Austragungsorte im Juni. Den Saisonabschluss macht dann das zweite Rennen in Dijon Mitte August.

«Ich will nicht einfach nur mitfahren», formuliert der Hägendörfer seine Ziele. «Ich will ins erste Drittel fahren und wenn möglich, auch mal aufs Podest.» Ob diese Erwartungen realistisch seien, hänge zu einem grossen Teil von der Konkurrenz ab, die Schmid noch nicht kennt.

Gummi für 10'000 Franken

Seit knapp zwei Jahren arbeitet Alain Schmid bei einem medizintechnischen Unternehmen in der Region als Projektleiter Design Transfer. Um in diesem Jahr an allen SM-Läufen teilnehmen und zusätzlich genügend Trainingskilometer abspulen zu können, hat er sein Pensum reduziert. Doch nicht nur der zeitliche Aufwand ist immens, sondern auch der finanzielle.

Schmid hat die Kosten für die gesamte Saison mit 33'200 Franken kalkuliert. Den Grossteil bezahlt er im Moment aus dem eigenen Sack. Wie gut seine Schätzung ist, weiss er nicht. Lachend sagt er: «Vielleicht wird es auch doppelt so teuer.»

Am meisten ins Geld gehen die Reifen. Er rechnet für die Pneus mit Ausgaben im Bereich von 10'000 Franken. Das Startgeld für die Rennen beträgt fast 7000 Franken. Der Rest sind Ausgaben für das Benzin, die Miete für die Boxen, Verschleissmaterial, Service sowie Reisekosten und Verpflegung. Wenn es sein müsse, könne er sich aber sehr gut einschränken. Zum Beispiel könne er Geld für die Box sparen und stattdessen ein Zelt zur Garage umfunktionieren.

Frau und Team im Rücken

Aktuell ist Alain Schmid auf Sponsorensuche. «Ich kann leider keine Fernsehpräsenz bieten. Deshalb bin ich vor allem auf Goodwill angewiesen.» Er sei aber zuversichtlich, die nötigen Unterstützer zu finden. Bei seinen Anfragen stosse er jeweils auf gute Resonanz: «Alle sind begeistert von der Idee. Negative Reaktionen gab es keine.»

Nur das Vorurteil, der Motorsport sei nicht anstrengend, müsse er oft widerlegen. Schmid spielt seit Jahren Unihockey, macht Fitness und ist im Turnverein. «So anstrengend wie Töfffahren war bis jetzt noch kein Sport», sagt er. Nicht nur Kondition und Ausdauer seien wichtig, sondern auch der mentale Aspekt.

«Ich bin topfit und mein Motorrad ist nahezu einsatzbereit. Die Saison könnte von mir aus losgehen», sehnt Alain Schmid dem Auftakt der Meisterschaft Ende März entgegen. Dass er immer noch im Sattel sitzt, verdankt er auch seiner Frau Janine.

Als er sich vor ein paar Jahren bei einem Unfall in Frankreich seine zweite Hirnerschütterung zugezogen habe, sei er drauf und dran gewesen, den Bettel hinzuschmeissen, blickt er zurück. «Sie hat nur zu mir gesagt, ich solle keinen ‹Seich› erzählen. Ich könne doch gar nicht ohne Motorrad leben. Sie lag natürlich richtig.»

Mittlerweile gehört seine Frau Janine quasi zu Alain Schmids Mechaniker-Team. Nebst Cousin Lukas Schmid sowie Patrick Schenker und Diego Aerni, mit denen er in Boningen unter dem Namen «BroBike.ch» eine eigene Werkstatt betreibt. Manuel Zuppiger ist Schmids Mentalcoach und Mutter Astrid hilft ihm bei der Pressearbeit.

Sogar die Flitterwochen, die heuer anstehen, hat Schmid dem Rennkalender angepasst. «Wir fahren im April mit dem Bus durch Spanien. Von Rennstrecke zu Rennstrecke.» Die Trainingsreise verbinden sie mit dem zweiten SM-Lauf in Valencia. Alain Schmid startet übrigens mit der ungewohnten Nummer 823. Was hat es damit auf sich? «Am 8. Februar 2003 sind Janine und ich zusammengekommen.»