Kappel

Voi, Beck und Metzgerei: Ein Dreigespann haucht dem Dorf Leben ein

Seit zwei Wochen ist der Dorfladen in Kappel offen. Bäckerei und Metzgerei sehen diesen aber nicht als Konkurrenten.

Géraldine Steiner
Drucken
Teilen
Metzgerei, Voi und Beckerei ergänzen sich gut in Kappel.

Metzgerei, Voi und Beckerei ergänzen sich gut in Kappel.

Patrick Lüthy

Seit der Eröffnung des Voi Kappel vor zwei Wochen kaufen die Kappeler wieder vor Ort ein. Auch die Bäckerei Dorf-Beck und die Metzgerei Friedli können davon profitieren: Der Voi-Shop bringe die Seele von Kappel zurück. Diese sei nach der Schliessung der «Chäsi» reichlich angeknackst gewesen. Im gemeinsamen Gespräch berichten die drei Geschäftsleiter von ihren Plänen.

Der Dorf-Beck wird durch Stefan Hunziker und sein Team betrieben. Immer morgens von 5.30 Uhr bis kurz vor Mittag gibt es frisches Brot. Nachmittags versorgt ein «Brothüsli» vor der Bäckerei die Kundschaft. Sonntags ist geschlossen. Hunziker bäckt, wie er selbst sagt, «richtiges Brot, so wie es früher war», und offeriert freitags auch Butterzopf. Am Abend wird der Teig gemacht, sodass er über Nacht reifen kann.

Dorf-Beck Stefan Hunziker.

Dorf-Beck Stefan Hunziker.

Patrick Lüthy

Auch hauseigene Glace gibt es, etwa mit Boninger Erdbeeren. Allerdings läuft der Laden nicht allzu gut. Seit Corona bleiben auch Auslieferungen an Grosskunden wie den FC aus. Die mit Grossläden stark durchzogene Region macht zudem eine Kundenvorhersage schwierig: Es droht Brotüberschuss. Deshalb hat sich Hunziker bei der App «Too Good To Go» angemeldet, um das unverkaufte Brot via «Wundertüten» trotzdem an den Kunden bringen zu können. Voraussichtlich werde die Bäckerei auch so weitergeführt, meint Hunziker.

Metzgerei in der dritten Generation

In der Metzgerei Friedli werden Wurst- und Fleischwaren selbst produziert. Deren Motto lautet: «Wurst ist Kunst und Kunst ist uns nicht Wurst.» Der Sprichwortliebhaber Hans Friedli leitet die Metzg bereits in dritter Generation. Neben dem Fleischverkauf bietet er auch Catering an. Das Fleisch stammt primär aus der Region, allerdings gibt es auch Spezialitäten aus Übersee zu kaufen. Ebenfalls kann Rohmilchkäse der Firma Fromage Mauerhofer AG aus Burgdorf im Offenverkauf bezogen werden.

Das Team der Metzgerei Friedli mit Geschäftsinhaber Hans Friedli (Dritter von rechts).

Das Team der Metzgerei Friedli mit Geschäftsinhaber Hans Friedli (Dritter von rechts).

Patrick Lüthy

Zwar fielen durch die Pandemie Gastrolieferungen und Catering weg – weswegen einige Mitarbeiter auf Abruf derzeit gerade nichts zu tun haben. «Das tut weh», meint Friedli. Doch die Metzgerei sei «breit abgestützt». Die Coronazeit könne abgefedert werden. Dabei hilft die gute Lage an der Mittelgäustrasse und die treue Kundschaft, die den Spezialitäten gerne bis zur Metzgerei nachjage, so Friedli: Kunden kämen von Kappel selbst, aber auch aus einem Umkreis von 30 Kilometern. Hans Friedli ist 63 Jahre alt, macht aber weiter. Wie lange, wisse er noch nicht. Einen Nachfolger werde es dann sicher geben.

Man kennt sich bereits im Dorf

Die Geschäftsleiterin des Voi- Shops in Kappel, Gabriela Brunner-Obrecht, kennt Hans Friedli bereits. Dieser kennt auch Stefan Hunziker. Die drei halten fest, dass in nächster Zeit «zusammengesessen und miteinander geredet» wird, und betonen die Wichtigkeit dieser Kommunikation. Der jetzige Ladenmix in Kappel bewege Kunden, die bei schlechtem Wetter meist zu den Grossversorgern ausweichen, wieder vermehrt im Dorf einzukaufen. Gabriela Brunner-Obrecht sagt: «Das bringt das Dorf wieder zusammen.» Dieser Meinung ist auch Friedli, der die Situation mit einem weiteren Spruch untermauert: «Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah.» Gerade für ältere Personen sind die Wege kürzer.

Voi-Geschäftsführerin Gabriela Brunner-Obrecht.

Voi-Geschäftsführerin Gabriela Brunner-Obrecht.

Patrick Lüthy

Als Konkurrenten sehen sich die drei nicht. Man will sich gegenseitig soweit wie möglich unterstützen. Hunziker kann seine Brote im Voi-Shop verkaufen. Auch aus dem Fleischsortiment der Metzgerei Friedli könnten einige Produkte künftig beim Migros-Partner veräussert werden. Die Kunden, die speziell das Brot des Dorf-Becks oder das Fleisch der Metzgerei Friedli wollen, würden auch vor Ort gehen. Problematisch findet Friedli einzig die wenig zentrale Lage der Ladengeschäfte in Kappel, was die Fusswege wiederum verlängere.