Olten

Stadtverwaltung hat wegen Sparmassnahmen Mühe bei Suche nach Fachleuten

Die Stadt Olten hat Mühe, für die Stadtverwaltung Fachleute zu finden. Schuld daran sind Sparmassnahmen im Personalbereich. Deshalb verlangt die Stadtregierung vom Parlament mehr Flexibilität bei der Bestimmung der Anfangslöhne bei Neueintritten.

Fabian Muster
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Im Stadthaus können Stellen gar nicht oder nur mit Mühe mit qualifiziertem Personalbesetzt werden. Bruno Kissling/Archiv

Im Stadthaus können Stellen gar nicht oder nur mit Mühe mit qualifiziertem Personalbesetzt werden. Bruno Kissling/Archiv

Die Stadt Olten hat Mühe, geeignete Fachpersonen auf offene Stellen zu finden. Bekanntestes Beispiel: Die bisherige Stelleninhaberin Bereichsleitung Verkehr, welche für die Signalisationen und Anordnungen von Verkehrsmassnahmen in Olten zuständig ist, hat ihren Job per Ende April 2016 gekündigt. Zwei potenzielle Bewerber kamen für das Amt infrage. Doch zu einer Anstellung bei der Stadt kam es trotzdem nicht: Das monatliche Gehalt in Olten lag um bis zu 1000 Franken tiefer im Vergleich zu den bisherigen Jobs der beiden Bewerber. Die Stelle ist daher seit Mai 2016 vakant.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, die sich durch alle sechs Direktionen durchziehen, sagt Stadtschreiber Markus Dietler auf Anfrage. Gewisse Stellen können gar nicht, nur mit Mühe oder nicht mit genügend qualifiziertem Fachpersonal besetzt werden. Dies, weil die Stadt Olten im Vergleich zur Privatwirtschaft oder anderen Gemeinden tiefere Löhne zahlt. Auf lange Frist eine bedenkliche Entwicklung, weil so «die Qualität und der Output leiden», so Dietler. Hinzu kommt, dass in nächster Zeit viele Angestellte in Pension gingen.

Die Probleme haben sich seit diesem Jahr akzentuiert, weil die vom Gemeindeparlament im Juni 2015 beschlossenen Einsparungen beim Personal in Kraft traten. Nun will der Stadtrat bereits wieder Gegensteuer geben. Die Anfangslöhne sollen wieder steigen, um eine offene Stelle besetzen zu können. Neu soll der Stadtrat daher die Kompetenz erhalten, den anhand von Funktion, Erfahrung und Alter berechneten Lohn um bis zu 10 Prozent zusätzlich erhöhen zu können. Diese Abweichung nach oben muss durch zwei Marktvergleiche begründet werden. Bisher hatte der Stadtrat bereits die Möglichkeit, bis zu zehn Jahre Erfahrung mehr anzurechnen, als faktisch vorhanden war, um den Anfangslohn eines Neueingestellten zu erhöhen.

Die erneute Teilrevision des Personalreglements soll aber nicht dazu dienen, die Anfangslöhne der Stadtangestellten generell zu erhöhen, wie die Stadtkanzlei in einer Mitteilung schreibt, sondern nur «im absoluten Bedarfsfall zum Zuge kommen, falls sich keine genügend qualifizierte Fachperson zu den bisher geltenden Anstellungsbedingungen finden lasse». Das ist auch der Grund, wieso in der Vorlage ans Gemeindeparlament vom 15. Dezember nicht angegeben wird, wie hoch die zusätzlichen Lohnkosten ausfielen. Die Stadt geht davon aus, dass in den meisten Fällen die Zusatzkosten dadurch kompensiert würden, weil ein jüngerer Angestellter mit tieferem Lohn einen älteren Angestellten mit höherem Lohn ersetzt. Der dadurch gewonnene Sparbeitrag fällt einfach geringer aus als bisher.

Sparmassnahmen rückgängig machen

Die auf Anfang 2016 wirksam gewordenen Sparmassnahmen betrafen vor allem den Leistungsanteil des Gesamtlohns, der seither nur noch 40 statt vorher 50 Prozent ausmacht. Die Reduktion dieses Lohnbestandteils hat laut Stadtschreiber Dietler nicht nur einen Effekt auf die Anfangslöhne bei Neueinstellungen, sondern auch bei bisherigen Stadtangestellten. Der Leistungsanteil steigt bei guter Bewertung der Arbeitsqualität weniger stark und damit auch der Gesamtlohn des Betreffenden. Zudem haben die Sparmassnahmen auch Folgen auf die interne Beförderung von Angestellten. Es kann vorkommen, dass der Lohn nun nicht oder kaum höher ausfällt als in der früheren Position mit weniger Verantwortung.

Der Stadtrat geht davon aus, dass die nun vorgeschlagene Massnahme nur vorübergehend wirksam ist und weitere Schritte nötig sind, um längerfristig qualifiziertes Personal rekrutieren zu können. Er will auf das Budget 2018 hin eine neue Vorlage unterbreiten, bei der die per Anfang 2016 eingeführten Veränderungen im Lohnsystem überprüft und bei Bedarf zum Teil wieder korrigiert werden sollen. Welche das genau sind, lässt der Stadtrat noch offen. Er will dies zuerst mit den Personalverbänden und der Betriebskommission besprechen.

FDP-Gemeinderat Deny Sonderegger hat die Einsparungen beim Personal mit einer Motion überhaupt es ausgelöst. Dass nun der Stadtrat die Personalkosten wieder erhöhen will, kann er unterstützen – auch weil gewisse Stellen nicht oder nicht mit genügend qualifiziertem Personal besetzt werden können. Er macht aber auch auf die veränderte Ausgangslage aufmerksam: «Damals hatte die Stadt massive Defizite. Gespart wurde vorrangig auf Kosten der Vereine, des Gewerbes und der Bevölkerung, aber nicht bei den Stadtangestellten.»