Olten

Schauspielschule von Kerstin Schult und Willi Stadler öffnet im August

Maximal 20 Studentinnen und Studenten pro Jahr können an der Oltner Schauspielschule Platz finden. Die Ausbildung dauert drei Jahre und steht im Zeichen Bertolt Brechts und Konstantin Stanislawskis.

Urs Huber
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Kerstin Schult und Willi Stadler starten im August 2014 die Oltner Schauspielschule.

Kerstin Schult und Willi Stadler starten im August 2014 die Oltner Schauspielschule.

Bruno Kissling

Sportstadt, Gartenstadt, Bildungsstadt: Olten hat viele Gesichter. Und bekanntlich sind Gesichter steter Veränderung unterworfen. Darum dürfte sich ein kulturell interessiertes Publikum speziell darüber freuen, dass ab August 2014 ein weiterer Farbtupfer die Palette der Bildungsstadt bereichert. Eine Schauspielschule nämlich öffnet ihre Pforten, wo «ungeschliffene Diamanten veredelt werden sollen», wie die künftige Schulleiterin, Schauspielerin, Regisseurin und Sängerin Kerstin Schult (50) aus Olten betont.

Die Geschäftsleitung wird in den Händen von Willi Stadler (48) liegen, der als Kaufmann, zertifizierter Kulturmanager (Stapferhaus, Lenzburg), Erwachsenenbildner sowie Initiator vieler erfolgreicher Kulturprojekte in der Region alles andere als ein Unbekannter ist. «Mit der Gründung der Schule geht für mich ein lang gehegter Traum in Erfüllung», sagt der Mann aus Erlinsbach. Und auf die Ambitionen der Oltner Schauspielschule, so nämlich soll die Institution offiziell heissen, angesprochen, meint Kerstin Schult: «Die Absolventen werden nach Abschluss der Ausbildung eine reelle Chance haben, sich in der Branche als professionelle Schauspieler/-innen zu behaupten.»

Start verzögert

Der Schulstart – um ein halbes Jahr verzögert – ist für August 2014 vorgesehen. «Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten hat den vorgesehenen Start im Februar verunmöglicht», sagt Stadler. Weder städtischen Liegenschaften in der Rötzmatt noch Raumangebote im Gerolag Center liessen sich für ihre Absichten nutzen.

Schliesslich aber habe sich eine gute Möglichkeit mit Beat Augsburger (made-by Innenausbau Augsburger) ergeben. Der administrative Firmensitz an der Hardfeldstrasse 7, in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, wird zur Schauspielschule mit multifunktionalem Cachet umgebaut. Die flexiblen Unterrichtszeiten der Schauspielschule machen nämlich eine Co-Nutzung möglich.

Zwischen 12 und 20 Studentinnen und Studenten wird die Schauspielschule Olten pro Jahr aufnehmen können. Bei der auf drei Jahre veranschlagten Ausbildung sind das maximal 60 Personen, die an der Hardfeldstrasse in Schauspiel, Bewegung, Sprechen, Musik, Schauspielgeschichte und Dramaturgie, Kunst- und Kulturgeschichte, Ästhetik und Kultursoziologie unterrichtet werden. «Wir richten unseren Fokus auf eine ganzheitliche Ausbildung», sagt Schulleiterin Schult. Zugrunde liegen der Institution die Methoden Konstantin Sergejewitsch Stanislawskis sowie Bertolt Brechts; Ersterer strebte einen «Wie-im-Leben-Stil» auf der Bühne an, während Brechts episches Theater den Zuschauer zu einer distanzierten und kritischen Betrachtung der Ereignisse auf der Bühne führen will.

Notwendige «Mitbringsel»

«Ungeschliffene Diamanten» sollen Rohstoff der Oltner Schauspielschule sein. Und dass es welche gibt, davon sind Schult und Stadler gleichermassen überzeugt. «Natürlich steht die Schule grundsätzlich allen Interessierten offen, aber ein paar Eigenschaften muss ein potenzieller Schauspielschüler schon mitbringen: Vorstellungskraft, Fantasie, Offenheit etwa. Oder Anpassungsfähigkeit und körperliche Beweglichkeit», wie Schult weiss.

Denn an der Schule werden auch Fächer wie Bühnenfechten oder Bühnenkampf unterrichtet. Zum Studium wird denn auch nur zugelassen, wer den Vortest erfolgreich absolviert. Zwei Szenen à fünf Minuten sowie ein Gedicht und ein Lied sind dabei vorzutragen.

Werben an Hotspots

Schult und Stadler werben an Hotspots für ihr rein privates Institut: bei Berufsverbänden, im Internet, Theaterbühnen. «Würden wir als Teil einer staatlichen Einrichtung agieren, könnten wir uns markant weniger einbringen», argumentieren beide unisono. So wird die Oltner Schauspielschule also die unmittelbare Handschrift Schults und Stadlers tragen. Allerdings sind sich die beiden mit ihren zehn Mitdozierenden bewusst: Die ersten Jahre bedeuten eine Durststrecke, denn Renommee – und dieses wird sich nach Überzeugung der Initianten einstellen – entsteht nicht innert zweier Jahre.

Kommt hinzu, dass die Semestergebühren mit knapp 900 Franken eher knapp kalkuliert sind. «Wir sind uns im Klaren, dass wir mit der Gründung einer rein privaten Schauspielschule auf Pionierspuren wandeln», sagt Stadler. An weiterführenden Ideen fehlts im Übrigen nicht. Die Institution will auch im methodisch-didaktischen Bereich Wegweisendes vollbringen. Unter anderem sollen aus dem Tätigkeitsbereich der Schule Lehrmittel und Handreichungen hervorgehen; Marktneuheiten sozusagen.

Qualitätskontrolle bei Schult

Für die Qualitätskontrolle bezüglich schulischer Inhalte zeichnet Kerstin Schult verantwortlich. «Unsere Studentinnen und Studenten werden am Markt beweisen können, an der Oltner Schauspielschule eine seriöse, breit und tief greifende Ausbildungen genossen zu haben», sagt Schult. Und sie sieht sich auch in der Verantwortung, den Ausgebildeten den Zugang zu Theater- und Filmproduktionen zu ermöglichen.

Die Oltner Schauspielschule organisiert zum Ende des Studiums für die Absolventen entsprechende Vorführungen, die von Intendanten, Theaterbesitzenden, Kulturagenten und weiteren Promotoren von Theater- und Filmproduktionen besucht werden. Damit geraten die geschliffenen Diamanten erstmals in den Ausstellungsraum der Szene.

Vorerst aber soll noch ein Förderverein aus der Taufe gehoben werden, welcher der Oltner Schauspielschule Rückhalt in den unterschiedlichsten Sparten gibt, zumal die Institution ohne Gelder der öffentlichen Hand ihren Betrieb aufnehmen will. Ende Oktober will man sich zum ersten Mal mit potenziellen Mitgliedern treffen.