Relaunch-Ausgabe vom Stadtmagazin "Kolt": «Das wird eine sehr grosse Überraschung»

«Kolt»-Chef Yves Stuber sagt, was Leser vom Stadtmagazin Olten erwarten dürfen und wie er neue Abos dazugewinnen will.

Fabian Muster
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Herausgeber Yves Stuber mit der 100. «Kolt»-Ausgabe im Sofa des neu renovierten Büros, das die Magazinmacher mit weiteren Leuten aus der Kreativ-Branche teilen.

Herausgeber Yves Stuber mit der 100. «Kolt»-Ausgabe im Sofa des neu renovierten Büros, das die Magazinmacher mit weiteren Leuten aus der Kreativ-Branche teilen.

Remo Fröhlicher

Für den Oktober hat das Oltner Stadt- und Kulturmagazin «Kolt» anlässlich der 100. Ausgabe eine Sondernummer mit 100 Seiten produziert, welche die Herausgeber Nicht-Abonnenten tatsächlich auch für 100 Franken verkaufen wollen.

Zudem zügelte das Büro kürzlich von der Innenstadt an der Leberngasse 17 ins Wohnquartier an den Vorderen Steinacker 3. Auch sonst wird beim Stadt- und Kulturmagazin in Zukunft einiges anders. Wir trafen Mitbegründer und Herausgeber Yves Stuber am neuen Standort, der nach dem Auszug des Kinder-Secondhand-Ladens in ein schickes Coworking-Büro umgebaut wurde.

Lieber Yves, wir kennen uns unter Berufskollegen, daher das Du. Beim «Kolt» wird alles neu: Neues Büro, Relaunch des Magazins, nur noch zweimonatlicher Erscheinungstermin, dafür mehr Umfang als der bisherigen 36 Seiten. Warum dieser schon dritte Neustart seit der ersten Ausgabe im Herbst 2009?

Yves Stuber: In den vier Jahren seit dem letzten Relaunch 2014 fallen dir gewisse Sachen auf, welche dich stören, besser machen könntest oder sich repetitiv anfühlen. Du füllst das Magazin Monat für Monat ab, aber du weisst, dass du es eigentlich besser machen könntest. Es fehlte aber die Zeit dafür – jetzt nehmen wir uns diese.

Zur Person

«Kolt»-Herausgeber und Mitgründer Yves Stuber ist in Olten aufgewachsen, hat hier die Kantonsschule absolviert und mehrere Studien angefangen aber nicht beendet – Kunstgeschichte, Philosophie und Rechtswissenschaften. Danach brachte er sich selbst das Fotografieren bei. Der 35-Jährige lebt mit seiner Partnerin mittlerweile wieder in Olten und hat einen Sohn.

Mit dem Zweimonatsrythmus steigen aber auch die Ansprüche der Leser: Sie wollen noch mehr Recherche, noch besser geschriebene Reportagen, eine noch aufwändigere Gestaltung. Wie wollt ihr dies bewerkstelligen?

Das ist so. Als erstes steigen aber die Ansprüche bei uns selbst: Wir haben das klare Ziel, dem Leser mehr zu bieten und haben bisher gemerkt, dass wir aus gewissen Themen mehr hätten herausholen können. Zudem haben wir die Planung verbessert und arbeiten neu in den zwei Monaten mit mehreren Abgabeterminen, sodass sich nicht alles auf den Schluss fokussiert. Dadurch entspannt sich die Arbeit und wir haben mehr Zeit, um neue Ideen zu generieren und zu produzieren. Das wird sich auf die Qualität auswirken.

Mit dem Relaunch möchtet ihr neue Abonnenten gewinnen, indem ihr «über Olten hinaus interessant werdet», wie ihr im Interview in der Sondernummer sagt. Lesen wir bald Porträts von Kulturleuten aus der Stadt Bern?

Das ist nicht die Absicht. Die Hauptgeschichten werden wir wie bis anhin über Menschen und Themen aus der Stadt und Region Olten schreiben. In den bisherigen Ausgaben gibt es aber Musik-, Film- und Buchkritiken, die ja nicht unbedingt einheimisches Schaffen betreffen. Dafür hatten wir regionale Leute, die bisher darüber schrieben. In diesen Rubriken wollen wir das Niveau heben und über die Region hinaus ausstrahlen. Wir werden künftig vielleicht neben der Kritik auch noch ein Interview mit dem betreffenden Regisseur führen, der natürlich ebenfalls nicht aus Olten kommt. Oder wir regionalisieren latent aktuelle Themen wie Foodwaste, ohne dass ständig betont wird, dass sich die Sache in Olten abspielt.

Ihr wollt neue Leute ins Boot holen. Gibt es bekannte Namen darunter?

Das renommierte Studio Feixen aus Luzern übernimmt die komplette Neugestaltung des Magazins. Und die Fotoproduzentin Beatrice Mächler aus Zürich mit eigener Agentur wird mich beraten und unterstützen und hat als Dozentin der Zürcher Hochschule der Künste Zugang zu neuen Leuten. Zudem konnten wir die Oltner Slampoetin Lisa Christ als neue Kolumnistin verpflichten. Eine weitere Kapazität ist noch nicht definitiv, aber sicher in Journalistenkreisen sehr bekannt.

Wie ihr selbst sagt, ist «Kolt» finanziell derzeit nicht rentabel mit rund 1200 Abos und einer Auflage von 1800 Exemplaren. Mindestens 2000 Abos müssten es sein. Wie lange wollt ihr das Magazin noch mit Auftragsarbeiten und Eigenleistungen querfinanzieren?

Eigentlich gar nicht mehr (lacht). Im Ernst: Wir arbeiten künftig mit Inserateplätzen, welche gleich für die sechs Ausgaben pro Jahr zu vergeben sind. Zudem habe ich ein Modell mit Mäzenen, von denen ich bereits ein paar gewinnen konnte. Und wir haben das Ziel, innerhalb von drei Jahren 1000 neue Abonnenten dazuzugewinnen.

Auch die Einstellung des Magazins war anscheinend eine Option. Was sprach trotzdem dagegen?

Die Freude an der Arbeit und die vielen guten Leute, die für uns arbeiten. Daraus entstanden auch Freundschaften. Zudem ergänzen Chefredaktorin Nathalie Bursać und ich uns sehr gut. Es ist auch eine Arbeit, bei der man Leute trifft, viel erfährt und einen Dienst für die Gesellschaft leistet. Alles Aspekte für einen idealen Job – ausser die Sache mit den Finanzen.

Wenn nicht das Magazin ist wenigstens der Eigenverlag 2S GmbH rentabel mit einem Umsatz von 350 000 Franken jährlich?

Da gibt es immer so knapp eine schwarze Null.

Mit diesem Verlag nehmt ihr auch Auftragsarbeiten an. Welches ist das Aushängeschild?

Das ist seit vielen Jahren die Publikation «Reisenews», die dreimal jährlich als Kundenzeitung von Background Tours erscheint, einer Tochterfirma des bekannteren Reisebüros Globetrotter. Zudem fotografiere ich für diverse Werbekampagnen und Firmenmagazine. Das summiert sich dann.

Um finanziell besser dazustehen, wolltest du auch mal die öffentliche Hand um Gelder angehen für die Kulturvermittlung, die ihr nach eigenen Aussagen betreibt. Gibt es da Hoffnung?

Zu Beginn haben wir uns darum bemüht, aber damals hatten wir auch ein noch ein anderes Verhältnis zur Stadtverwaltung. Aber «Kolt» wird derzeit nicht subventioniert und ich will das auch nicht. Beim separaten Veranstaltungsmagazin «Ausgehen in Olten», mit dem wir trotz des hohen Aufwands nicht viel Geld verdienen, kann ich mir eine städtische Subvention hingegen vorstellen, weil es eine Dienstleistung ist. Das würde auch aus Stadtsicht Sinn ergeben. Derzeit besteht einzig eine langjährige Leistungsvereinbarung mit Region Olten Tourismus, die unseren Veranstaltungskalender online verwenden.

Was dürfen die Leser von der Relaunch-Ausgabe im Dezember erwarten?

Es gibt ein Heft mit mindestens 70 Seiten mit grosser Abwechslung und Vielfalt bei den Rubriken und den besten Leuten der Schweiz, die daran mitarbeiten – uns ausgenommen (lacht). Das Magazin wird eine sehr grosse Überraschung und knallen! Mehr will ich nicht verraten.

Um das neue «Kolt» unter die Leute zu bringen, ist auch der Verkauf am
Kiosk wieder ein Thema?

Vielleicht. Aber ich möchte vor allem das Marketing über unseren Online-Shop verbessern. Zudem wollen wir das Magazin gezielt an Leute unserer Zielgruppe versenden in den grösseren Nachbarstädten Oltens, um diesen das Produkt schmackhaft zu machen.