Olten

Projekt Deutschförderung: Für alle die gleiche Ausrüstung zum Startschuss

Das Pilotprojekt Deutschförderung will helfen die Bildungschancen von Kindern im Vorschulalter zu verbessern. 15 Kinder erhalten ab Schuljahr 2017/18 die Möglichkeit vor dem Kindergarten eine Institution mit integrierter Deutschförderung zu besuchen.

Urs Huber
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Damit Kinder in sprachlicher und sozialer Hinsicht bereit sind für den Kindergarten, nimmt die Stadt Olten ab kommendem Schuljahr am Pilotprojekt «Deutschförderung vor dem Kindergarten» teil.

Damit Kinder in sprachlicher und sozialer Hinsicht bereit sind für den Kindergarten, nimmt die Stadt Olten ab kommendem Schuljahr am Pilotprojekt «Deutschförderung vor dem Kindergarten» teil.

Sandra Ardizzone

Schon in den frühen 1960er-Jahren hatten sich Bildungswissenschafter mit der sogenannten kompensatorischen Erziehung beschäftigt; ein Modell, welches die Chancengleichheit im Bildungsbereich optimieren helfen soll. Der Erfolg kompensatorischer Erziehung sei von hoher Professionalität und Kompetenz der Helfenden und einer frühen Intervention abhängig, ging die Erkenntnis. Und: Die Intervention müsse intensiv sein.

Fehlende Kompetenzen

Nun steht in Olten etwas Ähnliches vor der Tür: Die Direktion Bildung und Sport hat in den letzten Jahren festgestellt, dass bei einem beträchtlichen Teil der hiesigen Kinder fehlende Sprach- und Sozialkompetenz sowie noch nicht vollzogene Ablösungsprozesse zu beobachten sind. Dieser «beträchtliche Teil» lässt sich noch quantifizieren. «Bei etwa einem Viertel der aktuell rund 180 Jahrgangskinder sind solche Phänomene zu beobachten», sagt Direktionsleiter Ueli Kleiner. Diese aber immer nur festzustellen und festzuhalten, ohne etwas dagegen zu unternehmen, sei letztlich nicht zielführend. Handlungsbedarf ist also ausgemacht.

So hat sich die Direktion in Abstimmung mit dem Stadtrat um die Teilnahme am vom Kanton Solothurn finanzierten zweijährigen Pilotprojekt «Deutschförderung vor dem Kindergarten» beworben und 15 Plätze zugesichert bekommen. Ab Schuljahr 2017/18 werden also 15 Kinder im Alter von drei Jahren während zweier Halbtage die Woche eine Institution mit integrierter Deutschförderung besuchen.

«Die Institutionen sind noch nicht definiert», so Kleiner. Die Kinder würden in Gruppen mit guter sozialer und sprachlicher Durchmischung mitwirken. Der Besuch sei verpflichtend und basiere nicht etwa auf Freiwilligkeit, wie Kleiner betont. Ihm und seiner Direktion obliegt auch die Aufsicht über die Umsetzung des Projekts in Olten.

«Ich lege schon Wert auf die Tatsache, dass dort weder Schulwissen vermittelt noch das Ziel einer Vorverlegung des Schuleintritts verfolgt wird.» Ziel der Fördermassnahme: Die Kinder sollen beim Kindergarteneintritt (Schuljahr 2018/2019) den sprachlichen wie sozialen Anforderungen gewachsen sein. Die Projektidee stammt übrigens aus dem Kanton Basel-Stadt, wo seit 2013 fremdsprachige Kinder obligatorisch in Spielgruppen oder oder Kindertagesstätten geschickt werden, falls sie keine oder ungenügende Deutschkenntnisse ausweisen.

Herausfiltern startet

Wie aber lässt sich nun feststellen, ob ein der Bildungsinstitution Schule noch völlig unbekanntes Kind keine oder lediglich ungenügende Deutschkenntnisse hat? In den kommenden Tagen erhalten alle Eltern von Kindern, die im August 2018 in den Kindergarten eintreten, einen Fragebogen, der in einem Dutzend Sprachen vorliegt. Mit dessen Hilfe werden die Eltern gebeten, die Sprachfertigkeiten ihres Kindes beziehungsweise auch die ihren einzuschätzen.

Der Fragebogen gibt auch Auskunft über Lebensgewohnheiten des Kindes, seine Tagesstruktur, die Art seines gesellschaftlichen Umgangs. «Ich erwarte einen Rücklauf von rund 120 Bogen», sagt Kleiner. In Basel jedenfalls habe man mit dieser Vorgehensweise gute Erfahrungen gemacht. Der Rücklauf sei dort noch höher.

Welches der Kinder schliesslich in den Genuss des Programms kommt, entscheidet das Auswertungsresultat der Bogen. Die Auswertung besorgt die Fachhochschule Nordwestschweiz. «Ich gehe davon aus, dass die Wahl auf jene Kinder fällt, bei denen die Einflussmöglichkeiten der Intervention als am wirksamsten eingeschätzt wird», so Kleiner.