Olten

Podiumsdiskussion über die Perspektiven des gemeinnützigen Wohnungsbaus

Im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums kehrte der Regionalverband Wohnbaugenossenschaften Bern-Solothurn am Donnerstag an den Gründungsort seiner Dachorganisation in Olten zurück und unterzog den gemeinnützigen Wohnungsbau einem Rück- und Ausblick.

Jürg Salvisberg
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Unter der Leitung von Franz Horváth (rechts) diskutierten (von links) Raumplaner Thomas Zahnd, Raphael Schär (Lebendige Oltner Nachbarschaft) und Lukas Nussbaumer (Präsident Eisenbahner Baugenossenschaft Olten) über die Perspektiven des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Unter der Leitung von Franz Horváth (rechts) diskutierten (von links) Raumplaner Thomas Zahnd, Raphael Schär (Lebendige Oltner Nachbarschaft) und Lukas Nussbaumer (Präsident Eisenbahner Baugenossenschaft Olten) über die Perspektiven des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

Jürg Salvisberg

Während im Saal nebenan eine Nationalliga-Versammlung den Abbruch der Schweizer Unihockey-Meisterschaft beschloss, haftete dem Begriff «Nullpunkt» an der zweiten Donnerstagabend-Veranstaltung im Hotel Arte auch in Zeiten des Corona-Virus nichts Negatives an. Im Rahmen des 100-Jahr-Jubiläums kehrte der Regionalverband Wohnbaugenossenschaften Bern-Solothurn an den Gründungsort seiner Dachorganisation in Olten zurück und unterzog den gemeinnützigen Wohnungsbau einem Rück- und Ausblick.

Dabei erkannten Sprecher von traditionellen lokalen Wohnbaugenossenschaften und junge Initianten, die sich in der Vereinigung Lebendige Oltner Nachbarschaft (LeONa) zusammengeschlossen haben, durchaus das Potenzial für Synergien.

Die Idee, preiswerten Wohnraum einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen, fasste dank Niklaus Riggenbach als Chef der Hauptwerkstätte schon in den 1860er-Jahren in Olten Fuss, sagte Moderator Franz Horváth von Wohnbaugenossenschaften Schweiz einleitend. In dessen Tradition entstand die Eisenbahner Baugenossenschaft Olten, die von 1950 bis 1961 an der Pestalozzi- und Speiserstrasse mehrere Wohnblocks für Bähnler errichtete. In einem von zwei gezeigten Filmen berichtete der frühere Präsident Ernst Stooss, der am damaligen Stadtrand einst eine 41⁄2-Zimmer-Wohnung für 265 Franken Miete bezog, über die früheren Verhältnisse.

Hatte man damals mit bloss zwei Kindern kein Anrecht auf diese Wohnfläche, stellen heute die zu kleinen oder ungünstig geschnittenen Wohnungen neben dem allgemeinen Sanierungsbedarf eine Herausforderung dar. Mit Leerwohnungsbeständen habe die Genossenschaft trotzdem nicht zu kämpfen, sagte Lukas Nussbaumer als deren aktueller Präsident. Noch immer sei das Angebot günstig und biete eine hohe Qualität. Die Verwaltung habe ein offenes Ohr für Mieter, im Gegenzug sei ein gemeinschaftliches Engagement immer noch gerne gesehen.

Aktive Bodenpolitik der Städte gefragt

Unter den rund 2000 gemeinnützigen Bauträgern in der Schweiz mit total 185000 Wohnungen befinden sich immer mehr Projekte, die sich neben der Kostenmiete auch neuere Anliegen wie Ökologie, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit sowie eine gelungene soziale Durchmischung auf die Fahnen geschrieben haben. Raumplaner Thomas Zahnd erzählte von seinen Erfahrungen als Vorstandsmitglied der Bieler Genossenschaft FAB-A. «Erfolgsfaktoren sind die Partizipation aller Beteiligten und die Selbstverwaltung im Betrieb.» Damit solche Ideen zum Fliegen kämen, brauche es aber als Initialzündung das Glück, den Boden dafür zu finden. «Die Städte sollten Land aktiv für Genossenschaften mobilisieren», forderte Zahnd.

Diesen Ball nahm Raphael Schär als LeONa-Vorstandsmitglied gerne auf. Der Oltner Gemeindeparlamentarier der Grünen strebt auch für die Kleinstadt neue Wohnformen an. Der vorhandene Leerwohnungsbestand und eher noch tiefe Mieten könnten nicht als Argumente für das Manko herhalten. Ein ideales Betätigungsfeld scheint vielen Olten SüdWest zu eröffnen. Nachdem es die Stadt verpasste, das Gelände zu kaufen und der aktuelle Eigentümer für solche Wohnformen trotz leeren Wohnungen in den bisherigen Bauten noch kein Gehör hat, wie auch Stadtpräsident Martin Wey am Anlass bestätigte, richten sich die Blicke nicht nur dorthin. Möglichkeiten bietet auch eine innere Verdichtung mit der anstehenden Ortsplanungsrevision. Auch die Idee von Kooperationen mit bestehenden, oft mit Kapital gut dotierten Wohnbaugenossenschaften stiess im Saal auf Zustimmung.