Fussball

Ostern und Weihnachten zugleich für den FC Wangen

Der FC Wangen drehte im Kellerduell gegen Schlusslicht Bern in der Nachspielzeit einen 0:1-Rückstand in einen 2:1-Sieg. Es ist der erste Pflichtspiel-Sieg unter Trainer Dariusz Skrzypzcak.

Edgar Straumann
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Der FC Wangen schaffte den Befreiungsschlag gegen den FC Bern.

Der FC Wangen schaffte den Befreiungsschlag gegen den FC Bern.

Bruno Kissling

Noch dauert die Erstliga-Meisterschaft über zehn Runden und dennoch war die Reise nach Bern für den FC Wangen so etwas wie eine Vorentscheidung. Wangen auf dem 13. und Bern auf dem 14. Platz, beide im Moment unter dem Strich liegend, mussten und wollten gewinnen, um den Abstand zum Drittletzten nicht anwachsen zu lassen. Diese Ausgangslage liess kaum ein gutes oder gar hochstehendes Spiel erwarten, zu viel stand für beide Teams auf dem Spiel.

So war es denn auch. Es war nicht nur ein Abnützungskampf über 90, nein sogar über 95 hektische und hart umkämpfte Minuten, mit einem Ausgang, der kaum jemand für möglich gehalten hätte. Einmal mehr wurde eine Geschichte geschrieben, wie sie eben nur der Fussball schreiben kann.

Der Austragungsort, der Nebenplatz des Neufeldstadions mit einem Kunststoffrasen belegt, sprach eher für die Gastgeber, welche praktisch ausnahmslos auf einer solchen Unterlage trainieren, ganz im Gegensatz zu den Besuchern, welche bei diesen Bedingen oftmals Mühe bekundeten.

Für den Start also Vorteil Bern. So verlief denn auch die Anfangsphase des Spiels. Bereits in der 8. Minute kam Wangen in Bedrängnis und es brauchte einen starken Reflex von Torhüter Häfliger, um einen frühen Rückstand verhindern zu können. Die Einheimischen powerten weiter und kamen mit einem Freistoss erneut zu einer guten Möglichkeit, die aber nichts einbrachte.

Rote Karte und Penalty für Berner

In der 18. Spielminute wurde Wangens Jordan Otomo steil eingesetzt und zog Richtung gegnerisches Tor. Knapp ausserhalb des Strafraumes zog Thalmann die Notbremse und wurde dafür prompt des Feldes verwiesen. Der Freistoss aus 18 Metern brachte nichts ein, jedoch für mehr als 70 Minuten Vorteil Wangen durch numerische Überlegenheit.

Doch davon war wenig zu sehen, kämpften doch die Berner jetzt erst recht und sie schienen dafür belohnt zu werden. Ein Foulspiel im Wangner Strafraum ahndete Schiedsrichter Hänggi mit einem Strafstoss. Doch auch diesmal zeigte sich Marco Häfliger von der besten Seite und wehrte den von Benhaddouch getretenen Penalty erfolgreich ab. Es blieb bis zum Seitenwechsel beim torlosen Unentschieden.

Wangen in Rücklage

Die zweite Spielhälfte zeigte vorerst keine wesentliche Veränderung in der Spielweise beider Mannschaften. Die in Überzahl spielenden Wangner bissen sich am bedingungslosen Einsatz der Einheimischen beinahe die Zähne aus. Nach etwas mehr als einer Stunde schienen die Gäste ihre bis zu diesem Zeitpunkt über 330 Minuten dauernde Torflaute endlich beenden zu können. Doch auch eine so genannte „Todsichere“ konnte nicht verwertet werden.

Und dann wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Gustavo produzierte im Mittelfeld einen Fehlpass, den die Gastgeber zu einem Konter ausnützten und ihrerseits die eigene, auch nicht berauschende Torausbeute um eine Einheit zu erhöhen vermochten. Die numerisch geschwächten Berner führten überraschend mit 1:0.

Diese Schmach wollten die Gäste aber nicht auf sich sitzen lassen. Was nun folgte, war Einbahnfussball, aber gleichzeitig auch ein Anrennen an der rotschwarzen Abwehrmauer. Der Sturmlauf der Wangner schien erfolglos, bekam jedoch in der 81. Minute entscheidenden Aufwind. Eine Tätlichkeit von Gerguri führte zum zweiten Platzverweis gegen die Platzherren und somit noch zu einer zusätzlichen Schwächung.

Debütant Xhema erlöst Skrzypczak-Elf

Es dauerte bis zur 90. Minute, ehe die Wangner die Zurufe ihres Trainers, über die Aussenbahnen anzugreifen, endlich befolgten. Der eingewechselte und erstmals zum Einsatz gekommene Besart Xhema glich zum 1:1 aus. Was nun folgte, war Dramatik pur.

Nochmals warfen die Besucher alles in den Angriff. Erneut war es der Schütze des kurz zuvor erfolgten Ausgleichstores, der den äusserst wendigen, aber eher kleingewachsene Berner Torhüter Rohner mit einem Schuss ins Lattenkreuz bezwang. Plötzlich und kaum mehr für möglich gehalten: Vorteil Wangen.

Himmelhoch jauchzend, die Wangner auf der einen Seite, zu Tode betrübt auf der anderen Seite die Berner, die lange Zeit wie die sicheren Sieger ausgesehen hatten. „Im Gegensatz zu den beiden letzten Spielen haben wir heute nicht besonders gut gespielt, aber dennoch drei Punkte gewonnen“. So brachte Dariusz Skrzypczak das Ganze auf einen Nenner.

Telegramm

Bern – Wangen 1:2 (0:0)

Neufeld (Nebenplatz, Kunstrasen). - 100 Zuschauer. - SR: Hänggi. Tore: 72. Reinhard 1:0. 90. Xhema 1:1. 93. Xhema 1:2.

Bern: Rohner; Reinhard, Dzeljadini, Thalmann, Maksutaj; Hubacher, Mulaj, Da Silva (92. Demaj), Gerguri; Benhaddouche (76. Buckson), Iberdemaj (20. Dede).

Wangen: Häfliger; Zimmerli, Tahiri, Bekteshi, Milushev; Nabarro, Gustavo, Husi, Quinjica (62. Xhema); Churlinov (54, Gyorgiev). Otomo (31. Sant Anna).

Bemerkungen: Wangen ohne Hajdari, Guzimovic, Halimi, Kokanovic, Ghaith (alle verletzt) sowie Heuscher (Militär). - Verwarnungen: 25. Hubacher (Foul), 51. Sant Anna (Foul), 52. Quinjica (Foul), 65. Nabarro (Foul). Platzverweise: 18. Thalmann (Notbremsefoul), 81. Gerguri (Tätlichkeit). 26. Min. Häfliger wehrt Penalty von Benhaddouche ab. - Cornerverhältnis 3:4.