Olten
Pedro Lenz und Reto Stampfli gehen aufs weihnachtliche Ganze

«Post aus Barcelona» nennt sich das Büchlein aus dem Knapp Verlag Olten – es legt Weihnachtsgeschichten in Mundart und Hochdeutsch unter den Christbaum.

Urs Huber
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Pedro Lenz (links) offeriert «Lukas zwöi» und Reto Stampfli lieferte die «Weihachtsfrau».

Pedro Lenz (links) offeriert «Lukas zwöi» und Reto Stampfli lieferte die «Weihachtsfrau».

Bilder: Zvg

Das Weihnachtskind hätte sich, so steht zu vermuten, vor Wonne in der Krippe umgedreht und ein seliges Quietschen von sich geben. Was seinerzeit vielleicht auch schon passiert sein mag, doch ist davon in den Überlieferungen nichts zu finden. Vielleicht fehlte dazu einfach eines: «Post aus Barcelona», das jüngst im Knapp Verlag Olten erschienene Büchlein mit Wienachtsgschichte in Mundart und Hochdeutsch von Pedro Lenz und Reto Stampfli. Erzählungen auf 125 Seiten, handlich gebunden und eben – mit Weihnachten verbunden. Ein heiteres Werk.

Obwohl: Kaum heisst man eine Geschichte Weihnachtsgeschichte, so macht sich virtueller Tannenbaumduft breit, sieht man Kerzlein brennen, Familien zusammensitzen, aufgetischten Braten vor sich hin dampfen und Wunderkerzen glitzern. Die Klischeemaschinerie rattert, ob man sie mag oder nicht. Sich dagegenstemmen: zwecklos.

Was für gewöhnlich etwas antiquiert anmutet: Das Büchlein ist auch mit Lyrik bestückt. Aber die Verse erinnern entfernt auch an jene von Eugen Roth, dem deutschen Lyriker und populären Autor meist humoristischer Verse. So etwa ersetzt Reto Stampfli im Büchlein den guten alten Weihnachtsmann durch die zeitgemässe Weihnachtsfrau; die Genderfrage führt auch an Weihnachten und nicht vorbei.

Ohne «esotherische Firlefanz»

Und dann: so etwas wie der Weihnachtsklassiker aus der Feder Lenz’. «Lukas zwöi». Die Geschichte um das Krippenspiel, das in Anlehnung an das 2. Kapitel aus dem Evangelium nach Lukas ohne «esotherische Firlefanz» und «Künschtlerei» hätte inszeniert werden sollen, aber dann ausgerechnet bei der Textpassage mit «Wohlgefallen» ein Schüler vom Schnürboden stürzt, weil der dort oben die Rolle der «himmlischen Heerscharen» zu orchestrieren hatte – Pech. Und alles ganz ungekünstelt eben.

Was die hübschen und amüsanten, je nach Interpretation auch tragikomischen Geschichten über die Flucht vor Weihnachten nach Ägypten, gute Absichten oder über vor Harmonie berstenden Familientreffs mit einem oder gar zwei Augenzwinkern zu verraten drohen: Harmonie ja, aber keine gespielte. Die nämlich entpuppt sich in aller Regel als Pulverfass oder zumindest -fässlein.

Sämtliche Mühen dieser Art laufen ins Leere, irgendeiner oder irgendeine hält nämlich immer – und sei’s nur aus verständlicher Disziplinlosigkeit - das brennende Streichholz an die Zündschnur, die über kurz oder lang zum Pulver führt. Wie gesagt: Sich dagegenstemmen – irgendwie zwecklos. Aber davon lesen amüsiert.

Pedro Lenz, Reto Stampfli: Post aus Barcelona; 125 Seiten, Knapp Verlag Olten