Olten

Musiker tauscht Trompete gegen Marktschürze – nur das frühe Aufstehen fällt ihm schwer

Der Oltner Musiker Stephan Fröhlicher ist in Coronazeiten auch als Marktfahrer, Bauhandlanger und Brotbäcker unterwegs.

Urs Huber
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Stephan Fröhlicher als Marktfahrer in Aarau: Herr über Rettich, Blumenkohl und Co.

Stephan Fröhlicher als Marktfahrer in Aarau: Herr über Rettich, Blumenkohl und Co.

zvg

Eigentlich ist der Oltner Musiker, freischaffender. Aber was heisst «eigentlich»? Stephan Fröhlicher ist Trompeter, Dirigent der Big Band Olten, Lehrer für Theorie und Gehörbildung an der Agostini Drum School in Olten, Mitwirkender in den unterschiedlichsten Ensembles. Musik überall, möchte man meinen. Das alles gilt für normale Zeiten. Aber aktuell ist alles ein bisschen anders. Eigentlich sehr anders.

Fröhlichers Bühnen­leben erfährt in diesen Coronamonaten einen Shutdown. Das Schicksal teilt er mit vielen Kolleginnen und Kollegen. «Mein letztes Engagement?», fragt er. Da müsse er überlegen. «Ende Oktober an der Kanti Olten», sagt er dann. Im kleinen Rahmen. Das vorletzte liegt mehr als zwei Monate zurück; ein Auftritt mit der Big Band Olten in Solothurn Anfang September. Schier im privaten Rahmen. Trotzdem bleibt der Mann gelassen. Fröhlicher lächelt.

Engagements fernab der Bühne

Jammern, Däumchen drehen, verzweifeln? Nicht Fröhlichers Sache; der Familienname scheint Programm zu sein. «Ja, was soll ich hadern, wenn ich’s doch nicht ändern kann?», fragt er rhetorisch. Seine aktuellen Engagements sind neuerdings hauptsächlich fernab der Bühne. Der 33-Jährige arbeitet heute zwei Tage als Handlanger auf dem Bau, als Marktfahrer für einen Bio-Betrieb, und zum Dritten hat er sich vor kurzem einen Backofen zugelegt. «Na ja, eigentlich ist’s ein Pizzaofen. Aber der lässt sich auch gut fürs Brotbacken gebrauchen», meint er.

Im Dezember startet er ein Projekt mit seinen selbst kreierten Adventsbroten. «Die Angelegenheit streue ich unter Bekannten, Freunden», sagt er dann. Zu den ersten beiden Engagements ist er über Beziehungen gekommen, der Bekanntenkreis ist ein weiter.

Und das Brotbacken? Er lächelt. Vor Jahren habe er von einer Berufskollegin ein Buch geschenkt bekommen. Thema: Brotbacken. In Englisch. «Natürlich hab’ ich mir das Buch vorher nie angesehen», räumt er ein. Und schiebt nach: «Aber auch nicht entsorgt.»

Und siehe da. Mitten in der Coronazeit fällt ihm das Werk in den Schoss. «Es war schier eine Fügung», lacht er. Und fortan wurde aus dem Musiker auch ein Bäcker. Und der Musiker kann sich sogar vorstellen, künftig auch auf dieses kleine Standbein zu setzen. «Wer weiss», sagt er bloss. Quirlig, der Mann.

Bislang gut über die Runden gekommen

Fröhlicher sagt, seine unterschiedlichen Tätigkeiten nehme er als schöne Ergänzung zu seinem Musikerleben wahr. Notgedrungen? «Noch nicht einmal», sagt er dann. «Wirtschaftlich nur marginal.» Er sei bislang gut über die Runden gekommen, habe auch ohne Umschweife Entschädigungsgelder erhalten. Es ist vielmehr sein ruheloser Geist, der ihn am Nichtstun hindert.

Üben ohne Perspektive mag er nicht so sehr, auch wenn er auf ein diesbezügliches Pflichtprogramm nicht verzichtet. «Ich find’s gut, Einblicke in andere Berufswelten zu bekommen.» Ja, es gefalle ihm richtiggehend. Etwas Mühe macht ihm dagegen der frühe Arbeitsbeginn. «Ich bin wohl eher ein Nachtmensch. Wenn ich um 23 Uhr zu Bett gehe, hab’ ich das Gefühl, vom Tag nichts gehabt zu haben.» Er lacht.

«Ich will spielen, was mir gefällt»

Diese Diversifikation, so nennt sich dies wohl im Wirtschaftsjargon, mache ihn auch ein bisschen frei davon, in mageren Auftrittszeiten wie diesen jedes Engagement annehmen zu müssen. «Ich will spielen, was mir gefällt», sagt er noch. «Aus dem Herzen heraus», meint er wohl, wenn er beim Erzählen «Wowww» sagt und mit beiden Händen und ausladenden Bewegungen andeutet, woher die geballte Ladung musikalischer Energie kommt und wohin sie gehen soll.

Von innen nach aussen halt. Es müsse eben fetzen. Alles andere interessiere ihn eher am Rand. Und wann fetzt es? Das könne er nicht mit Bestimmtheit sagen. «Eine Empfindungssache eben», wie er zu verstehen gibt.

Die Wucht des schnellen Engagements

Die Zeiten sind, bei aller kulturellen Tristesse, dennoch lebendig. Vor ein paar Tagen hat Fröhlicher zugesagt, beim nächsten «KulturTupfe», einer im Stadttheater Olten in Coronazeiten lancierten Veranstaltungsreihe, mitzuwirken. So spielt der Oltner heute Freitag, 13. November, zusammen mit dem Hans Ueli Schlaepfer Trio im Stadttheater Olten auf. Prämisse: Stephan Fröhlicher feat. Hans Ueli Schlaepfer. «Die vier Vollblutmusiker sind ein eingespieltes Team, sie kennen sich bestens aus dem ‹Orchestergraben› von unzähligen Musicalaufführungen in diversen Zürcher Theatern.

Der Trompeter Fröhlicher und der Bandleader/Pianist Schlaepfer treten auch immer wieder zusammen im Duo auf», ist im Trailer nachzulesen. Man spielt in Olten modernen Jazz, in der Tradition verwurzelt. Fröhlichers musikalische Leibspeise sozusagen. «So schnell bin ich noch nie zu einem Engagement gekommen», sagt der Oltner nur. Verrückte Zeiten eben.