Oltner Stadtratswahlen

Martin Wey (CVP), das Chamäleon

Der Oltner Stadtpräsident Martin Wey will in den nächsten Jahren wichtige Projekte aufgleisen.

Fabian Muster
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Im «Rathskeller» hat der heutige Stadtpräsident Martin Wey (54) als Jugendlicher sein erstes Bier getrunken.

Im «Rathskeller» hat der heutige Stadtpräsident Martin Wey (54) als Jugendlicher sein erstes Bier getrunken.

Bruno Kissling

Martin Wey bestellt sich einen «Becher», ein kleines Bier, wie eine Stange im «Rathskeller» heisst. Der Stadtpräsident hatte hier als Jugendlicher seinen ersten Rausch. Für ihn war der «Chöbu», wie das Restaurant im Volksmund heisst, die Ausgangsbeiz als 16-Jähriger. Auch heute noch führt er auswärtige Gäste ins Altstadt-Gebäude mit den Malereien draussen, den Jagdgewehren drinnen und löst so das eine oder andere Mal ein Aha-Erlebnis beim Besucher aus.

Er beginne dann aufzuzählen, was die Stadt sonst noch auszeichne neben dem Bahnhof und dem zentralen Tagungsort im Mittelland – viel Bildung, viel Kultur, viele Beizen etwa. «Fantastisch» oder «wahnsinnig» töne es dann vom Gegenüber. Wey ist dann nicht nur Stadtpräsident, sondern auch der oberste Marketingchef: «Olten wird mittlerweile als starke Stadt wahrgenommen, besonders innerkantonal.» Man dürfe sich nur nicht unter Wert verkaufen, so Weys Credo.

So wie es Martin Wey seit seinen jungen Jahren immer wieder in den «Chöbu» zieht, so geht der 54-Jährige seit einem Vierteljahrhundert im Stadthaus ein- und aus. 1991 als Rechtskonsulent gestartet hat der doktorierte Jurist alle paar Jahre das Aufgabengebiet gewechselt: 1996 wurde er Stadtschreiber, 2001 für die CVP im ersten Wahlgang in den Stadtrat gewählt. Er übernahm dann nach jeder Legislatur eine andere Direktion.

So auch diesmal: Sollte Wey als Stadtpräsident wiedergewählt werden, gibt er die Bildungsdirektion ab und führt nach der Reorganisation nur noch die mit dem Zivilschutz und der Feuerwehr ausgebaute Präsidiumsdirektion. Weys Weg zum Oltner Stadtpräsidenten sieht wie von langer Hand geplant aus. Doch neben dem Gemeinplatz, dass politische Karrieren wegen der Volkswahl nicht vorauszusehen sind, hatte auch ein Rückschlag dazu geführt, dass er überhaupt noch Politiker ist.

2007 bewarb sich Wey als Solothurner Staatsschreiber, seine CVP-Fraktion unterstützte ihn aber nicht und er zog seine Kandidatur zurück. «Eine Enttäuschung.» Der dreifache Familienvater wollte sich damals auf einen Beruf fokussieren, war er doch neben seinem Stadtratsmandat auch selbstständiger Anwalt und Notar.

Nach vier Jahren im Stadtpräsidium will Wey nun wichtige Projekte aufgleisen: den neuen Bahnhofplatz, ein neues Schulhaus oder die vom Parlament vorerst vertagte Stadtteilverbindung Hammer. In den letzten Tagen ist noch ein weiteres Projekt hinzugekommen: der mögliche Kauf der Winkelunterführung. Er will nicht mehr denselben Fehler machen wie damals beim Areal Olten SüdWest, als es der Stadtrat in seinen Augen verpasste, aktiv Kaufverhandlungen zu führen und dem Parlament einen Antrag mit der Preisvorstellung vorzulegen – Wey war damals Bildungsdirektor. «Aus heutiger Sicht wäre das politisch klug gewesen.» Untätigkeit will er sich zumindest in dieser Sache nicht länger vorwerfen lassen.

Das sagt die Ehefrau

Stärke: «Er ist neugierig, unternehmungslustig, humorvoll, hat schnell Zugang zu allen Menschen und eine positive Lebenseinstellung.»

Schwäche: «Er liebt schöne Schuhe, putzt sie aber nie. Zudem hat er Mühe, auch als Velofahrer, die 20-Zone einzuhalten.»

Ein Vorwurf nämlich, der immer wieder in der Stadt zu hören ist, auch an die Adresse von Martin Wey. «Nur Haurückübungen und Schnellschüsse haben keinen Erfolg», entgegnet er Kritikern. Und gerade in Olten SüdWest versucht die Stadt nun immerhin mit der Gestaltungsplanänderung, das Heft zum Teil wieder in die eigene Hand zu nehmen. Zudem ist nicht nur die Regierung an allem schuld, was in Olten seit langem nicht realisiert wird. Stichwort: Parkleitsystem. Da hat das Parlament die vom damaligen Baudirektor Wey ausgearbeitete Vorlage bachab geschickt. Auch in den letzten vier Jahren war das Verhältnis zwischen Stadtrat und Parlament angespannt. Wey erachtet diese Konstellation als entwicklungshemmend für die Stadt: Die beiden Staatsgewalten müssten sich nicht immer einig sein, aber die Parlamentarier sollten nicht alles, was vom Stadtrat komme, derart beargwöhnen. «Bleibt es bei dieser Polarisierung zwischen Entwicklern und Sparern, so verpasst die Stadt viele Chancen.»

Wey ist kein Politiker, der auf den Tisch haut und sagt, wos langgeht. Er ist eher «der Mann der feinen Klinge», wie er sich selbst beschreibt, der sachlich zu überzeugen versucht. Manche sagen von ihm, er sei zu wenig konsequent und wolle es allen recht machen. Wey hingegen sieht sich eher als lösungsorientierter Brückenbauer. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte letzten Sommer um die Enzo-Möbel auf der Kirchgasse: Lehnte die Stadtverwaltung das Ansinnen des Stadt- und Kulturmagazins «Kolt» zuerst strikte ab, liess Wey im Interview danach mit dieser Zeitung durchblicken, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen worden ist.

Wey ist nicht nur Politiker, sondern hat auch eine musische Seite, wie die Öffentlichkeit etwa vergangenen August erfahren hat. Als Werbegag für Gewerbe Olten spielte er an mehreren Standorten in der Stadt Klavier. Hätte sein Vater, früher ein bekannter Treuhänder in der Region, den talentierten Pianisten nicht gezwungen, einen Brotberuf zu erlernen, sässe er heute vielleicht nicht am Pult im 8. Stock des Stadthauses, sondern am Flügel im Stadttheater. «Was nicht ist, kann ja noch werden», sagt Wey lachend und nimmt einen Schluck Bier.

Ja oder Nein?

Persönliches

Glauben Sie an Gott oder eine sonstige höhere Macht? Ja.
Zahlen Sie Kirchensteuern? Ja.
Spenden Sie regelmässig für wohltätige Organisationen? Ja, ich bin grosszügig.
Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht? Nein.
Trinken Sie Alkohol? Ja, zu einem guten Essen ein Glas Rotwein, beim EHC-Olten-Match ein Bier.
Lesen Sie Bücher? Ja, vor allem solche mit kurzen Kapiteln, etwa Krimis.
Kaufen Sie Bio-Lebensmittel ein? Ja, selten. Manchmal Bio-Wein oder Esswaren auf dem Markt.
Haben Sie Haustiere? Ja, eine Katze.
Kaufen Sie ab und zu Waren online ein? Ja, Tickets für Anlässe wie Bundesliga-Spiele des SC Freiburg.
Gehen Sie regelmässig ins Ausland einkaufen? Nein.

Politisches

Braucht es eine neue Stadtteilverbindung Hammer ins Quartier Olten SüdWest? Ja.
Muss die Stadt Olten den Steuerfuss für natürliche Personen von bisher 108 Prozent erhöhen? Nein, im Moment nicht.
Soll die Stadtkirche für die Renovation einen Beitrag der Stadt erhalten? Ja, die vom Stadtrat beantragten 500'000 Franken.
Ist die Parkplatzsituation in Olten zufriedenstellend? Nein, es braucht ein Parkleit- oder -informationssystem und ein Parkhaus am richtigen Ort.
Müsste die Winkelunterführung von Grund auf neu geplant werden? Ja, aber guter Rat ist teuer.
Soll die Stadt Olten mit umliegenden Gemeinden fusionieren? Ja, mittelfristig auf jeden Fall. Eine stärkere Zusammenarbeit wäre etwa mit Starrkirch-Wil möglich.
Sollen Tagesstrukturen wie Mittagstische oder Aufgabenhilfe flächendeckend in ganz Olten eingeführt werden? Ja.