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Marion Rauber (SP), die Unkonventionelle

Sie bezeichnet sich als «Herzblutoltnerin». Für die Genossen soll Marion Rauber den zweiten Sitz im Oltner Stadtrat verteidigen.

Janine Gloor
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Marion Rauber (50) war beim Fototermin wichtig, dass die farbigen Schilder in ihrer Lieblingsbeiz «Waadtländerhalle» auch im Bild waren.

Marion Rauber (50) war beim Fototermin wichtig, dass die farbigen Schilder in ihrer Lieblingsbeiz «Waadtländerhalle» auch im Bild waren.

Bruno Kissling

Eigentlich hat die «Waadtländerhalle» noch gar nicht geöffnet. Die Wirtin sitzt an einem Tisch neben dem Tresen. «Haben Sie mit Marion abgemacht?», fragt sie. Das Restaurant in der Oltner Altstadt ist nicht nur Marion Raubers Lieblings- oder Stammbeiz. «Es ist quasi meine Stube», sagt die Stadtratskandidatin. «Ich hätte Sie gerade so gut zu mir nach Hause einladen können.» Sie bestellt einen Pfefferminztee. Rauber sitzt in ihrer zweiten Stube nicht nur rum. «Ich habe auch schon ausgeholfen, als viel los war.»

Aufgewachsen in einem FDP-Haushalt, war die SP trotzdem die einzige Partei für Marion Rauber. «Als Krankenschwester war ich im Spital zehn Jahre lang in der Gewerkschaft tätig, auch im Vorstand.» Dort hat sie für Lohngleichheit gekämpft. «Meine Grundwerte sind sozial.» Marion Rauber bezeichnet sich als «Herzblutoltnerin».

Zwei Jahre hat sie in einer anderen Gemeinde gelebt, doch jetzt ist sie zurück. Seit letztem September sitzt sie wieder im Gemeindeparlament – nach einer Pause von knapp zehn Jahren. «Ich bin parat zum Durchstarten», sagt die 50-Jährige. «Olten ist der Ort, an dem ich wohne, arbeite und meine Freizeit verbringe.» Mit ihrem Alter habe sie die nötige Standhaftigkeit für den Stadtrat. Denn als Exekutivpolitikerin sei man mehr ausgestellt. «Im Parlament habe ich oft nach vorne geschaut und war froh, dass ich nicht dort sitzen musste.» Doch das ist vorbei. Sie ist bereit, die Seite zu wechseln.

Die Dreitannenstadt und die hölzerne Stube mit den farbigen Emailschildern, hier ist Marion Rauber zu Hause. «Das Urchige gefällt mir eben.» Doch dann überlegt sie für einen Sekundenbruchteil, lehnt sich nach vorne und sagt: «Aber Sie können auch schreiben, dass ich ein bisschen schräg bin.» Schräg? Rauber trägt eine Bluse mit schwarzem Blazer, weder der dezente Lippenstift noch die markante Brille würden ein konservatives Schwiegerelternpaar mit der Wimper zucken lassen. «Doch, doch», versucht sie zu überzeugen. «Ich gebe mir keine Mühe, dem Standard zu entsprechen. Ich bin so, wie ich bin.»

Das sagt der Partner

Stärke: «Marion ist eine gradlinige, lösungsorientierte und kreative Persönlichkeit mit dem nötigen Humor dazu.»

Schwäche: «Sie ist ungeduldig.»

Sie lässt sich nicht verbiegen

Aus politischer Sicht trifft dies sicher zu. Bei der SP fühlt sich Rauber gut aufgehoben, doch es liegt ihr fern, dem Parteiprogramm blindlings zu folgen. «Eine Partei muss alle Flügel vertreten können», sagt sie. Das Links-Rechts-Denken sei auf kommunaler Ebene sowieso nicht angebracht. «Ich denke, dass ich auch für Bürgerliche wählbar bin.» Dass ihr dafür gelegentlich auch Kritik entgegenschlägt, das nimmt sie in Kauf. «Ich bin echt und will mich nicht verbiegen. Weder jetzt, noch wenn ich in den Stadtrat gewählt werde.»

Es gibt jedoch neben dieser Einstellung noch ein weiteres Element, das Marion Rauber zu einer speziellen Genossin macht: Sie lebt für die Fasnacht. Wenn sie davon erzählt, spricht sie noch schneller als sonst. «Es ist etwas ganz Spezielles.» Das ganze Jahr gebe es etwas zu tun. Wenn man dabei ist, gehöre man zu einem generationenübergreifenden Netzwerk. Rauber ist nicht nur ein bisschen dabei. Sie gehört dem Fasnachts- und Umzugskomitee Olten an – notabene als einzige Frau. Vor über 40 Jahren marschierte sie an der Hand des Vaters durch die Stadt, heute ist sie Mitglied der Säli-Zunft. «Die Fasnacht verbindet lebenslustige Menschen aus allen Altersgruppen und Schichten», schwärmt sie.

Ohne sie besser zu kennen, nimmt man an, Rauber müsse eine äusserst gesellige Person sein. Sie bestätigt diese Vermutung ungefragt. «Ich kann an einem x-beliebigen Tag hierher kommen», sagt sie und schwenkt mit dem Arm durch den Raum. «Es ist immer jemand hier, den ich kenne.» Manchmal wird gejasst. Oder gesungen. «Das finde ich so öppis Schöns.» Sie weiss, dass ihre Kandidatur an der Fasnacht auf die Schippe genommen wird. Und sie ist gespannt drauf. Aber eigentlich hat diese Liebe zur Geselligkeit ihren Ursprung gar nicht in der Fasnacht. «Das ist eine Lebenshaltung», stellt Rauber fest und nimmt einen Schluck Tee.

Für Olten wünscht sich Rauber mehr Mut. «Projekte sollen unkomplizierter umgesetzt werden.» Es solle nicht so viele Hürden und Auflagen geben. Eine belebte Innenstadt ist ihr wichtig. «Wenn jemand hier etwas organisieren will, dann soll er das tun können.» Mit voller Kraft für die Geselligkeit. Die Aare soll einfacher zugänglich werden. «Zwei Zugänge sind einfach zu wenig.»

Auch für eine Jugendarbeit will sie sich einsetzen. Rauber zieht entschlossen in den Kampf um einen Stadtratssitz. Alles oder nichts. Wobei das Nichts auch nicht tragisch wäre. «Ich habe keine Profilierungsneurose und sehe das gelassen», sagt sie. «Aber natürlich würde ich sehr gerne als Stadträtin gewählt werden.» Stadtratskandidaturen kommen und gehen, Fasnacht und Waadtländerhalle bleiben.

Ja oder Nein?

Persönliches

Glauben Sie an Gott oder eine sonstige höhere Macht? Ja, an höhere Mächte.
Zahlen Sie Kirchensteuern? Ja. 
Spenden Sie regelmässig für wohltätige Organisationen? Ja.
Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht? Ab und zu eine Zigarre.
Trinken Sie Alkohol? Ja, Rotwein.
Lesen Sie Bücher? Ja, querbeet.
Kaufen Sie Bio-Lebensmittel ein? Ja, vorwiegend.
Haben Sie Haustiere? Nein.
Kaufen Sie ab und zu Waren online ein? Ja, selten spezielle Dekorationssachen für Anlässe.
Gehen Sie regelmässig ins Ausland einkaufen? Nein, nie.

Politisches

Braucht es eine neue Stadtteilverbindung Hammer ins Quartier Olten SüdWest? Ja, zwingend.
Muss die Stadt Olten den Steuerfuss für natürliche Personen von bisher 108 Prozent erhöhen? Ja, wenn der Investitionsbedarf nachgewiesen ist, wäre es mittelfristig möglich.
Soll die Stadtkirche für die Renovation einen Beitrag der Stadt erhalten? Nein, die Christkatholiken sind imstande, das selber zu machen.
Ist die Parkplatzsituation in Olten zufriedenstellend? Nein, es braucht ein Parkleitsystem oder eine App, die freie Parkplätze anzeigt.
Müsste die Winkelunterführung von Grund auf neu geplant werden? Nein, in erster Linie braucht es ein neues Lichtkonzept.
Soll die Stadt Olten mit umliegenden Gemeinden fusionieren? Nein, nicht zwingend, aber Synergien sollen gefördert werden.
Sollen Tagesstrukturen wie Mittagstische oder Aufgabenhilfe flächendeckend in ganz Olten eingeführt werden? Ja, das gehört zum Grundangebot einer Stadt wie Olten.