Comedy

Kaya Yanar erklärt die Schweiz zum Land der «Müllionäre»

Der in Zürich und Köln lebende Deutsch-Türke Kaya Yanar gastierte mit «Reiz der Schweiz» in Trimbach.

Karin Schmid
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Kaya Yanar mit "Der Reiz der Schweiz"

Kaya Yanar mit "Der Reiz der Schweiz"

In Deutschland ist Kaya Yanar seit über zehn Jahren ein Star. In seiner 2001 bis 2005 wöchentlich ausgestrahlten Sendung «Was guckst du?» zog der in Frankfurt aufgewachsene Kölner mit türkischem Migrationshintergrund die Gewohn- und Eigenheiten der Deutschen und Türken pointenreich durch den Kakao. In den letzten Jahren kamen die Schweizer dazu. Dank seiner Zürcher Freundin lebt der Comedian seit fünf Jahren in der Schweiz. Seine Herzensdame inspirierte ihn zum Tournee-Programm «Reiz der Schweiz», mit dem er am letzten Donnerstag im ausverkauften Mühlemattsaal in Trimbach gastierte. Heute Samstag tritt er in Oensingen auf.

Dass Kaya Yanar in der Schweiz spätestens seit seinem Auftritt auf der «Das Zelt»-Tournee 2014 in Olten sehr wohl bekannt ist, bewiesen die teilweise aus entfernten Kantonen des Landes stammenden Autokennzeichen vor der Halle und der tosende Begrüssungsapplaus. Sein Hauptreiz der Schweiz, bekannte Yanar, sei «ganz klar meine Schweizer Freundin», die er vor sechs Jahren «im Ausgang» kennengelernt habe. Damit war er schon mitten drin in seinem Programm. Denn wie viele Wörter bedeutet in Deutschland «Ausgang» nicht dasselbe wie in der Schweiz. «Was, ich muss die Schweiz schon wieder verlassen?» Oder der Ausdruck «Wart’ rasch» - «Soll ich jetzt warten oder rasch sein?»

In Trimbach kaute Kaya Yanar nur kurz oder gar nicht weltbekannte Klischees wie Schokolade, Berge oder Käse durch, sondern konzentrierte sich auf Themen, auf die man/frau nur trifft, wenn man/frau in der Schweiz lebt. So erzählte Yanar, wie der Mensch hierzulande zum respektablen «Müllionär» wird - mit sorgfältiger Rohstofftrennung und Abfallkalender. A- oder B-Post? «Wer interessiert sich eigentlich für B-Post? Empfänger mit Herzschwäche?»

Natürlich liess der leidenschaftliche Esser auch der Schokolade thematische Ehre zukommen - am Beispiel der Toblerone: «Das ist Schweizer Humor. Wie kann man eine Schokolade erfinden, die beim Essen wehtut?» Glänzend durch den Kakao ziehen liessen sich auch Tempolimit 120 auf der Autobahn, Blitzkasten – «alleine 600 gibt’s im Kanton Zürich» –, Schwingen – «Baumstämme in Windeln rütteln» –, die Schweizer Höflichkeit sowie Unabhängigkeit. «Ihr haltet euch aus allem raus», meinte Kaya Yanar durchaus lobend. «Ihr werdet die Einzigen sein, die den Dritten Weltkrieg überleben. 200 Jahre Frieden in der Schweiz – das ist eine Meisterleistung.»

Intelligent gewürzt statt platt-doof

In seinem Programm beschreibt Kaya Yanar wort-, gesten- und bewegungsreich Geschichten direkt aus seinem eigenen Leben. Er erzählt viel von sich, lädt das Publikum freimütig, offen und selbstironisch ein, an seinen Erlebnissen teilzuhaben – oder ist doch nur alles ein genau durchdachtes Bühnenstück? Ob ein häufiger Satz seiner Freundin ihm gegenüber wirklich «Hör’ uf» lautet – man/frau weiss es nicht. Total egal. Kaya Yanar wirkte in Trimbach sympathisch, authentisch, ging immer wieder auf das Geschehen im Publikum ein und baute entsprechende Reaktionen direkt ins Programm ein.

Zum Klassiker dürfte in nicht allzu ferner Zukunft sein neckischer Hinweis auf das – eigentlich nicht erlaubte – Fotografieren aus dem Publikum sein, den er in Trimbach nicht zum ersten Mal brachte: «Ich sehe genau, was ihr macht.» Dazu erfragte er die im Zuschauerraum vorhandenen Nationalitäten und knüpfte entsprechende Anekdoten und Bemerkungen ins Programm mit ein. Die Comedy-Einlagen des 43-Jährigen sind nie rein platt-doof, sondern gut verständlich und intelligent gewürzt mit Wissen. Das begeisterte Publikum in Trimbach belohnte Kaya Yanar mit tosendem Applaus und erhielt dafür eine Skisport-Zugabe.