Olten

Ein Konzert als Zeichen der Solidarität mit den Musikern in Corona-Zeiten

Die Musikerfamilie Wyss hat am Sonntag im Oltner Kleinholzwuartier ein Terrassen-Konzert gegeben. Die Aktion sollte die Leute unterhalten und gleichzeitig auf die schwierige Situation der Musiker aufmerksam machen.

Fabian Muster
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Roman Wyss (vorne im Bild) und seine beiden Söhne Andreas und Luca Noah beim Spielen auf der Terrasse.

Roman Wyss (vorne im Bild) und seine beiden Söhne Andreas und Luca Noah beim Spielen auf der Terrasse.

zvg/Annetta Wyss

Am vergangenen Sonntagnachmittag um 18 Uhr hat Roman Wyss mit seinen beiden Söhnen Andreas und Luca Noah sowie der befreundeten Musikerin Olga Niklikina ein Gratiskonzert auf seiner Terrasse im Oltner Kleinholzquartier gegeben. Wyss, der in den vergangenen Jahren auch mit Endo Anaconda von Stiller Has zusammen auf Tournee unterwegs war – sie wurde inzwischen unterbrochen –, ist damit einem Aufruf in den sozialen Medien gefolgt, ein Zeichen der Solidarität mit den gebeutelten Musikern wegen des Corona-Virus zu setzen. Die spontane Session sei sehr gut angekommen, wie er auf Anfrage erzählt: «Wir hatten rund 1900 Videoaufrufe und knapp 250 Likes auf Facebook.» Zudem haben rund 30 Passanten den Auftritt live vor Ort mitverfolgt. Nächsten Sonntag zur gleichen Zeit soll es eine Wiederholung geben. «Sofern es uns dann noch erlaubt ist», sagt Wyss.

Auch selbst von Corona-Virus betroffen

Die Idee, dem Aufruf auf den sozialen Medien gleich mit einem spontanen Konzert auf der Terrasse zu folgen, hatte seine Frau Annetta Wyss. «Wir wollten die Leute unterhalten und gleichzeitig auf die schwierige Situation der Musiker aufmerksam machen.» Solidarität zeigen, aber trotzdem Spass haben, lautete das Credo. Annetta Wyss führt unter dem Label Kulturbraui selbst eine Agentur für Musik und Kleinkunst und sagt, dass es derzeit «zum Vergessen» sei. Veranstaltungen seien abgesagt, auch grössere Projekte würden auf Eis gelegt. «Viele Musikschaffende werden in ein finanzielles Loch fallen», sagt Annetta Wyss. Aber auch Leute aus dem beruflichen Umfeld wie Tontechniker oder Veranstalter seien betroffen.

Selbst kann sich die Musikerfamilie Wyss vorläufig noch über Wasser halten. Dem Einkommen aus der Musikschule sei Dank. Wie lange das noch möglich ist, weiss Roman Wyss aber selbst nicht so genau. «Ich werde jetzt mal eine Vollkostenrechnung machen, was wir für notwendige finanzielle Verpflichtungen haben.» Bei befreundeten Musikern sehe es hingegen prekärer aus: Er hätte gerade einen Kollegen am Telefon gehabt, der Soforthilfe bräuchte. «Der Privatunterricht fällt aus und als Musiker kann er nicht mehr spielen.»