Fulenbach

Ein Jahr, sechs Touren, elf Länder, 12'000 Kilometer: Mit dem Velo um die (halbe) Welt

Miriam Probst und Michael Gächter aus Fulenbach waren ein Jahr im Süden der Erdkugel unterwegs und haben 12000 Kilometer zurückgelegt – auf dem Fahrrad.

Rahel Bühler
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Miriam Probst und Michael Gächter im Juli 2016 unterwegs in den Anden von Peru. zvg

Miriam Probst und Michael Gächter im Juli 2016 unterwegs in den Anden von Peru. zvg

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Ein Jahr, sechs Touren, elf Länder, 12'000 Kilometer. Eindrücklich lesen sie sich, die Zahlen, die Miriam Probst und Michael Gächter im vergangenen Jahr gesammelt haben. Zusammen sind die beiden Weltenbummler ein Jahr mit dem Fahrrad durch verschiedene Länder dieser Erde geradelt. Ihr Ziel: 10'000 Kilometer im Sattel sitzen. Geworden sind es 12'000. Ihr Projekt «Going South» steht für Südostasien, Südamerika und Südafrika.

Ihre Reise begann vor einem Jahr im heimischen Fulenbach (wir berichteten) und endete Ende Januar an derselben Stelle. «Es war ein sehr emotionaler Moment, als wir gemeinsam in Fulenbach einfuhren», sagt der 26-jährige Michael Gächter und ergänzt: «Wir sind bewusst vom Flughafen nach Hause gefahren, damit wir am Flughafen nicht überrumpelt wurden und die Reise nicht auf einen Schlag zu Ende war.» Freundin Miriam Probst lächelt und nickt: «So konnten wir uns während zweier Tagen wieder an die Schweiz gewöhnen.»

«Atemberaubende Aussichten»

Besonders gut gefallen hat es den jungen Abenteurern in Südamerika. Dort haben die beiden mit insgesamt acht Monaten auch die meiste Zeit verbracht: In Asien waren sie drei, in Südafrika einen Monat unterwegs. Alles mit dem Velo zurückgelegt haben sie aber nicht. «Bei fünf Grad, heftigem Wind und strömendem Regen sind wir schon mal mit jemandem mitgefahren», schaut Michael zurück.

Als schönste Strecke bezeichnen die beiden die Strecke von der peruanischen Hauptstadt Lima über Cusco und La Paz bis in die chilenische Atacama-Wüste. «Die unglaublich klaren Aussichten, die wir dort in den Anden geniessen durften, waren atemberaubend», schwärmt Miriam. Im Vergleich mit den Aussichten in den Schweizer Alpen sei dies, wie wenn man «von einem normalen Fernseher auf ein HD-Gerät umschaltet».

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Tausend Kilometer haben Miriam Probst und Michael Gächter auf dem Fahrrad
zurückgelegt.

«Auch haben wir sehr nette und offene Menschen kennen gelernt. Und das Essen war lecker», meint Michael, der extra für die Reise Spanisch gelernt hat. Aus diesem Grund hat die Verständigung mit den Einheimischen in Südamerika einwandfrei geklappt. Anders als beispielsweise in Thailand. «Dort haben wir uns mit Händen, Füssen und einem Zeichenbuch verständigt», erklärt Michael, geklappt habe die Verständigung allerdings nicht ganz immer. Oft seien sie auch von den Einheimischen zum Essen oder zum Übernachten eingeladen worden. «Zum Beispiel in Laos sind uns die Kinder auf der Strasse nachgerannt», erzählt Miriam.

Auch den Kontakt mit Familie und Freunden zu Hause hätten sie stets gewahrt. «Mit Whatsapp und Skype ist das heute kein Problem mehr», wissen die beiden. Übernachtet haben die Abenteurer im Zelt, in Gaststätten oder bei Privatpersonen, welche sie unter anderem durch spezielle Organisationen für Veloreisende kennen lernten.

Unwohl beim Zelten war ihnen nur ein Mal: Nämlich, als sie in Peru auf einer Passhöhe, wo sonst weit und breit keine Menschenseele war, ihr Lager aufbauten und dann mitten in der Nacht ein Lastwagen anhielt und erst nach einigen Minuten wieder weiterfuhr. «Das war mir schon nicht so geheuer», gibt Miriam zu bedenken.

Reine Kopfsache

«Die grösste Herausforderung war es, sich selbst zu motivieren, auch wenn man am Anschlag ist», weiss Michael. Es sei eine reine Kopfsache, haben die Veloreisenden auf ihrer Tour gemerkt, denn: «Der Körper hält vieles aus.» Miriam spricht noch einen weiteren Punkt an: «Man ist ein Team. Du weisst, du kannst nicht ohne einander weiterkommen.» Momente, an denen sie hätten aufhören wollen, habe es keine gegeben, berichten sie. Heikel war vor allem ein Abschnitt: die Lagunen-Route in Bolivien. «Die Strassen waren schlecht und mit Sand bedeckt, sodass wir die Velos oft schieben mussten», schildert Michael. «Zudem war es in der Nacht -15 Grad und wir konnten uns nur alle zwei Tage mit Wasser und Proviant eindecken», fügt Miriam hinzu.

Trotzdem, «viel anders machen würden wir nicht», sind sie sich sicher. Auch dank ihrer Planung: «Es hat fast alles so geklappt, wie wir es vorbereitet hatten.»