Olten

Der Pokalkönig: «Ich könnte hier auch ein Café führen»

Bruno Rölli graviert in seinem Laden fast alles – auch Objekte, die Kunden nicht im Gravomobil kaufen. Sein Hauptverdienst dabei sind die Klingel- und Briefkastenschilder.

Fabian Muster
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Bruno Rölli vom Gravomobil Schilder
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Sein teuersten Pokal gibt es für 345 Franken. Der dient im Schaufenster als Blickfang.
Neben den Pokalen graviert er auch.
Unzählige Artikel sind in seinem Laden vorzufinden.
Weiter Impressionen von Bruno Rölli und seinem Laden.

Bruno Rölli vom Gravomobil Schilder

Patrick Lüthy

Fast jeden Morgen kommt bei Bruno Röllis Laden an der Ziegelfeldstrasse in Olten ein Senior vorbei, der mit ihm ein paar Worte austauscht. Im Sommer stehen sie draussen, im Winter kommt er auch gerne rein, um sich aufzuwärmen beim Gespräch. Und es gibt Kunden, die bleiben gerne mal etwas länger auf seiner Eckbank sitzen und trinken Kaffee, vertieft ins Gespräch mit anderen Ladenbesuchern oder dem Inhaber selbst.

«Ich könnte hier auch ein Café führen», sagt Rölli mit einem Augenzwinkern. Daran ist erkennbar, dass für ihn nicht nur das Geschäftliche zählt, sondern auch der Austausch mit den Menschen nicht zu kurz kommen darf. «Wenn ich tagsüber zu viel plaudere, bin ich am Abend halt länger im Geschäft.»

Wer in sein «Gravomobil» tritt – wie der Laden seit den Anfängen immer noch heisst wegen des früheren Besitzers, der mit einem VW Bus zu seinen Kunden fuhr –, kann auch tatsächlich nicht gleich wieder rechtsherum kehrtmachen. Nicht nur wegen des gesprächigen Inhabers, der im hinteren Teil des Ladens graviert. Im Verkaufsgeschäft gibt es neben einem grossen Sortiment an Schildern und Pokalen aller Art auch Medaillen, Wanduhren, Messer, Sackmesser oder Zinnbecher zu sehen.

Und auf fast alles lässt sich ein Name eingravieren. Doch seine Kunden bringen die Objekte auch selbst mit, auf die sie die ins Material geschliffene Verewigung haben wollen. Oft sind dies dann Spezialanfertigungen, die einiges mehr an Zeit kosten als eine Gravur in ein Sackmesser, die er in wenigen Minuten erledigt. Manche Wünsche bereiten ihm dann schon mal Kopfzerbrechen.

«Chöit er mehr no schnäll»

Doch nicht nur das Material bringt Rölli zuweilen ins Schwitzen, sondern auch die Kurzfristigkeit, mit der heutzutage die Leute etwas getan haben wollen. Eine Spezialgravur auf ein mitgebrachtes Objekt hat er auch schon in einer Nachtschicht und zusammen mit seiner Partnerin, die ihm im Laden stundenweise unter die Arme greift, zu einem erfolgreichen Ende gebracht. Den Ausdruck «Chöit er mehr no schnäll» könne er daher kaum noch hören. Dazu komme, dass manche Leute glaubten, sie müssten mit ihm auch um den Preis verhandeln, wenn sie mal mehr als ein Einzelobjekt kaufen wollten.

Schlagfertig wie er ist, sagt Rölli seinem Gegenüber dann, ob er bei Coop oder Migros jeweils auch um einen Preisnachlass frage. Er lacht, wenn er die verdutzten Gesichter beschreibt. «Ich kann meinen Vermieter schliesslich auch nicht einfach so anfragen, ob er mir in diesem Monat mit der Miete entgegenkommt.» Zudem sei er nicht teurer als die Detailhändler, wenn es etwa um ein vorfabriziertes Schild gehe.

Schilder sind sein Hauptgeschäft

Der Graveur ist eine aussterbende Berufsgattung. Seit der gelernte Bäcker-Konditor den Laden von seinem Vorgänger Anfang 2013 vollständig übernommen hat, haben einige Läden in der weiteren Umgebung dichtgemacht. Trotzdem kann sich der 58-Jährige nicht über den Geschäftsgang beklagen. Das Einzugsgebiet seiner Kundschaft geht über die unmittelbare Region hinaus. Sein Hauptverdienst sind die Klingel- und Briefkastenschilder, von denen er rund 180 verschiedene Grössen und Sorten anbietet. Dort arbeitet Rölli bevorzugt mit Verwaltungen von Mehrfamilienhäusern zusammen.

Für einige Gebäude führt er gar eigene Schilderreihen. Als Nebengeschäft bezeichnet er die Pokalverkäufe, von denen der grösste und mit 345 Franken der teuerste seit rund drei Jahren in seinem Schaufenster als Blickfang steht. Vereine aus unterschiedlichen Sportarten wie Fussball oder Tennis gehören zu den häufigsten Abnehmern. In letzter Zeit kommen aber auch immer wieder Private zu ihm, die etwa anstelle eines Blumenstrausses einen Pokal inklusive Gravur kaufen «Für die beste Mama».

Im Internet ist Rölli mit einer Homepage präsent, einen Onlineshop führt er allerdings nicht. Das wäre in seinen Augen als Einmannbetrieb nicht mehr machbar neben seinen Hauptaufgaben als Graveur, hinter der Ladentheke und der Administration. «Ich müsste die Artikel online ständig à jour halten und ein grösseres Lager führen als bisher.» Zudem könne der Kunden in seinem Laden beispielsweise einen der 300 ausgestellten Pokale genauer prüfen. Was im Netz glänzt, kann beim Öffnen des Päcklis schon mal matt erscheinen – und ohne die bestellte Gravur.