Olten

«Das Buch ist etwa zu 80 Prozent autobiografisch» – Oltner stellt sein erstes Buch vor

Eine Liebesgeschichte zwischen einem Austauschstudenten und einer Französin – der Oltner Elie Peter stellt seinen Erstling vor.

Joshua Guelmino
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Elie Peter erzählt aus seinem Erstling in der Buchhandlung Klosterplatz.

Elie Peter erzählt aus seinem Erstling in der Buchhandlung Klosterplatz.

Bruno Kissling

«Ich bin sprachlos», eröffnet Elie Peter die Vernissage zu seinem Erstling «Paris, Olten – Amour Fou». Die Buchhandlung Klosterplatz ist am Donnerstagabend mit 80 Besuchern rappelvoll. Inhaber Christian Meyer und Verleger Thomas Knapp schleppen noch ein paar zusätzliche Sitzmöglichkeiten in den oberen Stock – sie selber verfolgen den Abend stehend auf der Wendeltreppe.

Der Oltner Autor begrüsst das mehrsprachige Publikum und führt die Buchpräsentation in der Folge auf Hochdeutsch. Im oberen Stock der Buchhandlung finden sich zwischen vorweihnachtlichen Holzkrippen Besucher aus Basel, Zürich und sogar Frankreich. Peter, der als stellvertretender Geschäftsleiter bei der Max-Havelaar-Stiftung arbeitet, bedankt sich dafür, dass sie nicht nur «an Olten vorbeigerauscht, sondern endlich mal ausgestiegen sind». Und verspricht sofort: «Es lohnt sich!»

In seiner ersten Lesung verleiht der 43-Jährige mit seiner Intonation und Mimik den Charakteren Leben und nimmt die Zuhörer mit in das historische Städtchen Poitiers Ende der 1990er-Jahre. Dort treffen Noah und Nathalie, die beiden Protagonisten seines Romans, das erste Mal aufeinander. Anfänglich stellt sich Noah ziemlich ungeschickt an und scheint der jungen Französin Nathalie trotzdem zu gefallen. Zwischen den beiden entsteht eine innige Verbindung.

Im Verlauf des Abends liest Peter weitere Passagen aus seinem Erstling vor und skizziert dabei, wie die Beziehung der beiden innert zehn Jahren Höhen und Tiefen durchlebt. Mal sind sie in einem Pariser Sex-Shop, wo Nathalie Noah ihren Kinderwunsch mit ihrem damaligen Freund Thorsten offenbart, mal sind sie zusammen an der Oltner Chilbi, wo eine Bratwurst zur Metapher für die Gefühlslage der beiden zueinander wird.

Neben einzelnen Textpassagen, die Peter aus seinem Erstling vorliest, wird der Abend von musikalischen Einlagen auf der Querflöte von Onkel Friedemann Reich begleitet. Die ausgewählten Melodien von bekannteren und weniger bekannten Komponisten sollen die sorglose Leichtigkeit und Jugendlichkeit widerspiegeln, sowie die schwere Sehnsucht, die sich im Buch als roter Faden durchziehen.

Peter wählt eine einfache und präzise Sprache, was sein Buch zur perfekten Reiselektüre macht. Abgesehen von einigen Gedichten lebt die Geschichte nicht von sprachlicher Komplexität, sondern vielmehr von den Emotionen und der Nähe zu den Protagonisten. Eine extra Portion Intimität entsteht durch die abgedruckten Liebesbriefe, Gedichte, sowie E-Mail- und SMS-Unterhaltungen zwischen Noah und Nathalie. Als Leser fühlt man sich in den Protagonisten Noah hineinversetzt und ist sehr nahe an seiner Gefühlswelt. Im Laufe des Buches entwickelt der Leser eine starke Empathie für beide Protagonisten und leidet auf ihrer Gefühlsachterbahn mit: mal sehnsüchtig, mal wütend, mal frohlockend, mal zerrissen. Während der Lektüre schwelgt der Leser selber in Erinnerung an die erste Liebe, das elektrisierende Gefühl bei der ersten Berührung, den ersten Kuss oder den ersten Liebeskummer. Möglich macht das die Intimität, mit der Peter sein Buch bereichert.

Am Ende wirkt die Story fast zu schön, um wahr zu sein, und hinterlässt phasenweise einen kitschigen und romantisch überspitzten Beigeschmack. Man fragt sich: Ist das alles so passiert? Die Antwort liefert Elie Peter am Ende seiner Buchvernissage: «Das Buch ist etwa zu 80 Prozent autobiografisch. Welche 20 Prozent erfunden sind, wissen nur ich und meine Frau Emmanuelle».