Darum bleibt die Stadt kulturell so lebendig

Madeleine Schüpfer
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Die Tanztage Olten gehören ins kulturelle Jahresprogramm der Stadt.

Die Tanztage Olten gehören ins kulturelle Jahresprogramm der Stadt.

Bruno Kissling

Olten hat nie in sich ausruhen können. Es erlebte immer wieder entscheidende Umschwünge. Die Industrie veränderte sich, der Detailhandel und viele etablierte Einrichtungen, Läden in der Altstadt und kleine Beizen und Hotels verabschiedeten sich, sodass immer wieder Neues angestrebt werden musste. Vielleicht im wörtlichen Sinne sind wir eine Eisenbahnerstadt mit vielen Umbrüchen. Doch darin liegt auch ein Zauber. Denn man wird gezwungen, Neues zu kreieren und zu gestalten. Nicht immer gelingt das einem im gleichen Ausmass – dies widerspiegelt sich auch in der Oltner Kultur. Können Städte wie Solothurn oder auch Aarau auf Traditionen manchmal ganz bequem ausruhen, so brauchten wir auf eine besondere Art neue Anreize und Ideen. Doch gerade diese Tatsache macht die Kultur am Ort lebendig.

Wir erinnern uns an das Kleintheater am Zielemp, an die Schriftstellerbegegnungen, an die Oltner Kabarett-Tage, an die Tanztage. Viele dieser Ereignisse nahm man manchmal nur am Rande wahr, obwohl man anerkannte, dass diese kulturellen Veranstaltungen bis weit über die Region hinaus ihre Auswirkungen hatten und haben. Aber auch verschiedene Kleintheater wurden geschaffen wie das Schwager Theater mit seiner lebendigen Bühne, das Theaterstudio beim Stadthaus, das immer wieder mit berühmten Schauspielern aufwartet. Dann gibt es auch die verschiedenen Bars wie die Vario Bar, die Galicia Bar, das Kulturlokal Coq d’Or und andere, die kulturelle Aktivitäten realisieren im Bereich der Musik, aber auch in anderen Bereichen.

Auch die Ausstellungsräume wechselten, die Martins Galerie hat bis heute durchgehalten und präsentiert interessante Ausstellungen. Ebenso können wir Kunst im Rahmen des Kunstvereins erleben, im Schauraum, aber auch an anderen fantasievollen Orten. Vieles ist möglich, wenn man dazu bereit ist, Kultur an einem Ort weiter zu vermitteln, wenn man die Kunst, die Kleinkunst liebt. Besonders erwähnenswert ist das Stadttheater Olten mit einem vielschichtigen einmaligen Programm. Hier hat sich in den vergangenen Jahren vieles getan. Aber auch die verschiedenen Museen mit den grandiosen Aktivitäten begeistern das Publikum.

Es ist eine wundersame Sache, wenn man bedenkt, dass eine kleine Stadt, wie wir nun mal sind, so viele Aktivitäten besitzt. Einen prominenten Schriftstellerweg mit schweizerischen Berühmtheiten wie Franz Hohler, Pedro Lenz und Alex Capus. Vieles gäbe es da noch aufzuzählen, auch in kleinen feinen Schattierungen, niemand muss es empfinden, wenn man nicht alles auflisten kann. Denn alle Dinge, auch die kleinsten und feinsten sind in Sachen Kultur von Bedeutung. Eigentlich geht nichts verloren. Denn kulturelle Ereignisse – gleich auf welcher Ebene oder in welchem Bereich – beflügeln unser Leben, schenken unserem Alltag Schönheit und Spannung und zeigen uns auf, dass es Werte gibt, die weit über dem Materiellen liegen. Denkt man sich den Oltner Kunstmarkt, so taucht man ein in eine Begegnung voller Freude und Nähe, man spürt die Kunstschaffenden, die sich auf der Alten Holzbrücke breitmachen und spürt auch, dass dies Olten ausmacht. Vielleicht ist es eine besondere Chance, wenn man nicht zu sehr in den Traditionen verhaftet ist und immer wieder nach neuen Dingen suchen muss. Eine weitere Chance ist, dass viele kulturelle Ereignisse in einer kleineren Stadt möglich sind, wobei sie in einer grossen eher konkurrenziert oder verloren gingen. Alles hat seinen Nach- und Vorteil. Für Olten ist es eine Chance, dass wir kulturell so lebendig bleiben, weil wir nichts haben, auf dem wir gemütlich ausruhen könnten.

Madeleine Schüpfer, Olten, Autorin und Kulturjournalistin