Trimbach

«Wir wurden kalt erwischt» – doch jetzt sind die Motorradfahrer zurück beim «Isebähnli»

Der Töfftreff beim «Isebähnli» in Trimbach ist unverwüstlich und zieht an schönen Donnerstagen 2000 Motorradfahrer an.

Hans Peter Schläfli
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Donnerstags beim Isebähnli
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Rocker-Nachwuchs
Boris Bieri ist seit einem guten halben Jahr Geschäftsführer auf dem «Isebähnli».
Im Restaurant läufts auch

Donnerstags beim Isebähnli

Hans Peter Schläfli

«Rate mal, wer zurück ist.» Mit diesen Worten empfängt die Hardrockband Thin Lizzy mit ihren eingängigen Gitarrensounds die Töfffahrer auf dem Parkplatz vor dem Trimbacher «Isebähnli». Ja, «The Boys Are Back In Town», der Song aus dem Jahr 1976, trifft den Nagel auf den Kopf. Hunderte Motorräder fahren vor, so wie fast jeden Donnerstag bei schönem Wetter. Und das seit über 50 Jahren.

«Isebähnli» – wie viele andere kalt erwischt

Das Wörtchen «fast» braucht es deshalb, weil auch das «Isebähnli» während des Lockdowns für zwei Monate geschlossen werden musste. Ausgerechnet, als die Motorradsaison begann. «Wir wurden kalt erwischt», sagt Boris Bieri. Er ist seit Neujahr der neue Geschäftsführer auf dem «Isebähnli». «Durhalten und optimistisch bleiben war das Motto», sagt Bieri. Und er hat recht bekommen: «Vor drei Wochen waren rekordverdächtig deutlich über 2000 Motorräder hier. Sie standen bis aufs Trottoir.» Der junge Mann mit Cowboyhut ist zufrieden, wie es derzeit läuft. «Ich stelle mich ein wenig quer gegen die grassierende Coronadepression und habe das «Isebähnli» zur coronafreien Zone erklärt. Wir wollen zusammen eine gute Zeit erleben und das merken die Leute», sagt Bieri. «Im Kopf coronafrei, die kantonalen Inspektoren kommen regelmässig vorbei und schauen, dass wir die Regeln einhalten.»

Das Isebähnli ist das grösste, regelmässige Motorradtreffen Europas. Die Geschichte beginnt Anfang der 1960er-Jahre. Damals gab es einen Töfftreff beim Restaurant Sonne in Buckten, auf der anderen Seite des Hauensteins, an dem sich an jeden Donnerstagabend regelmässig 60 bis 80 Töfffahrer trafen. Damals waren die Biker aber noch nicht überall gerne gesehen. Es war der damalige «Isebähnli»-Wirt Peter Flückiger, der den Töfffahrern 1968 Asyl gewährte und den grossen Parkplatz für sie einrichtete.

Die Freiheitsstatue mit der amerikanischen Flagge auf den Servietten, altbewährter Gitarrenrock aus den 1970ern und riesige Hamburger auf dem Teller prägen hier das Lebensgefühl ebenso wie die vielen Harleys, die zum Teil mit mächtig polternden Motoren vorfahren. Posen ist erlaubt, ja erwünscht, die Leute drehen gerne ihre Köpfe, wenn eine schöne Maschine daherkommt – so wie bei der Moto Guzzi Terremoto, die die Erde erbeben lässt.

Super verbleit

Sicherlich kein Angeber ist Stefan Fasnacht aus Gretzenbach. «Ich bin ein Geniesser und fahre seit über 40 Jahren Motorrad», sagt der kaufmännische Angestellte. Seine Harley glänzt mit wenig Chrom und diskreten Farben und auch der Motor ist nicht sonderlich laut, denn er hat nicht am Auspuff herumgewerkelt wie viele anderer Töfffahrer. Er komme regelmässig, sagt Fasnacht. «Ich geniesse es, hier mit den anderen Töfffahrern zu schwatzen und etwas zu trinken.»

Diese kommen aus Zug, Zürich, dem Jura, Basel oder sogar aus dem benachbarten Deutschland. Viele Motorradfahrer am Töfftreff haben «Baujahr» 1960 oder älter und und lieben ihre Maschinen, die zum Teil gleich alt sind wie sie. Diese fahren ohne Katalysator und verbrennen Super verbleit, was mit den Pommes frites, der traditionellen Bratwurst vom Grill und etwas heissem Motorenöl zusammen das Parfum bildet, das hier in der Luft liegt.