«Wie wir leben, so gehen wir in den Tod»: Sterben lernen mit Linard Bardill

Der Liedermacher Linard Bardill spricht in Dulliken über den letzten Lebensabschnitt und geht der Frage nach, wie man zum Glauben an ein Jenseits kommt.

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Juri Junkov

Wer Kinder hat, kennt Linard Bardill, seine Lieder, seine Konzerte, seine Bücher. Es gibt auch den Linard Bardill für Erwachsene. Der Theologe, Musiker und Autor beschäftigt sich sowohl mit allen Aspekten des Lebens, als auch des Weitergehens, mit dem Loslassen und dem Sterben. In Tagesseminaren unter dem Titel «Sterben für Anfänger».

Linard Bardill geht nicht in erster Linie den Fragen über Patienten Verfügung, Palliativpflege, Sterben in Hospiz, Spital oder zu Hause nach. Es geht ihm um die eigene Einstellung zum Leben und zur «anderen Seite». Mit ihm wagen die Menschen einen Blick über den Tod hinaus. Die Frage lautet: «Wie komme ich zum Glauben an ein Jenseits?»

«Wie wir leben, so gehen wir in den Tod», sagt Bardill. Umgekehrt beeinflusse auch die andere Seite das Leben.» «Ich sterbe, wie ich gelebt habe, über meine Verhältnisse», zitiert er ein Bonmot des Schriftstellers Oscar Wilde. «Sterbenlernen hat mit Bewusstsein zu tun», sagt Bardill.

Wer bewusst atmet und sich dem Rhythmus der körperlichen Bewegung hingibt, wer sich und seine Werke «mit Wohlgefallen betrachtet und würdigt» lernt das Loslassen und findet seine Mitte. Dies sei für das Leben und Sterben etwas vom Wichtigsten» Das Sterben hat wie das Leben einen Puls, einen Fluss»

Kanzel gegen Bühne getauscht

Als Theologe kennt Bardill die Mythen und Jenseitsvorstellungen der verschiedenen Religionen und Kulturen. Wie der antike Sänger Orpheus bewegt er sich an der Schwelle zwischen Leben und Tod. Er begleitet Sterbende, gibt «Bettrandkonzerte» in Schweizer Kinderspitälern. Früh hat der Theologe die Kanzel gegen die Bühne getauscht.

Der einstige Rebell und «Wolf im Schafpelz» (Bardill über Bardill) ist heute ruhiger geworden. Der letzte Lebensabschnitt beschäftigt ihn. Wie Orpheus will er darüber reden und singen. «Heute sind das Sterben, der Tod und die Beschäftigung mit dem, was nachher kommt, tabuisiert.

80 Prozent der Krankenkassen flössen in die letzten Lebensjahre. Trotzdem würden wir die Kunst des Sterbens nicht mehr kennen und die Menschen würden oft alleine sterben. Die Gesellschaft habe die kollektiven Bilder für das Leben nach dem Tod vergessen, meint Bardill. «Die verlorenen Vorstellungen des Todes haben einen Einfluss auf das Leben.» Man sollte sich nicht verordnen lassen, was man glaubt, meint Bardill.

Die eigenen Erfahrungen seien wunderbar. Wenn man seine Erlebnisse, etwa eine Nahtoderfahrung, interpretiere, spüre man eine Veränderung, die zum Glauben führe. Dieser Glaube entscheide darüber, wie man dem Tod und dem Leben begegnet, sagt Linard Bardill. In Dulliken wird er in seinem zweistündigen Vortrag eine Kurzform seiner reichen Impulspalette einbringen. (mgt)

«Sterben lernen als Weg zum Lebendigsein»

Samstag, 4. November 14 Uhr im Ref. Kirchgemeindehaus bei der Zwinglikirche in Dulliken. Eintritt 25 Franken.

Anschliessend 16.30 bis 17.30 Uhr Konzert für Kinder ab 3 Jahren und Erwachsene: «Mis Zouberbett heisst Bernadette». Erwachsene 15 Franken, Kinder 5 Franken.

Anmeldung für Konzert erwünscht ab 26. Oktober auf aku.wirkstatt@bluewin.ch oder SMS 078 728 11 64