Volleyball

Libero Fischer im Land der Riesen

Julian Fischer spielt seine zweite NLA-Saison bei «Schöni». Das er der Kleinste im Team ist, stört ihn nicht im Geringsten.

Raphael Wermelinger
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Libero Julian Fischer im Gespräch mit Trainer Zharko Ristoski

Libero Julian Fischer im Gespräch mit Trainer Zharko Ristoski

REMO FROEHLICHER 0041 79 288817

Mit seinen 1.73m ist Libero Julian Fischer fast zwanzig Zentimeter kleiner als alle anderen Spieler bei Volley Schönenwerd. «Daran habe ich mich schnell gewöhnt», sagt der 20-jährige Kölliker. Da er fast immer mit Volleyballern unterwegs sei, nehme er den Grössenunterschied nicht mehr wahr.

«Mir fällt es eher auf, wenn ich mit meinen Schulkollegen zusammen bin und plötzlich zum Durchschnitt gehöre», lacht er. Sich Gehör zu verschaffen bei den Teamkollegen, bereite ihm keine Mühe. Dafür müsse er auch nicht extra laut werden: «Wir haben allgemein einen guten Teamspirit. Und wenn ich etwas zu sagen habe, hören die anderen zu.»

Sechste Saison bei Schönenwerd

Julian Fischer begann als 11-Jähriger beim BTV Aarau mit Volleyball. Vor etwas mehr als fünf Jahren wechselte er zur zweiten Mannschaft von Volley Schönenwerd in die 1. Liga. «Dieser Wechsel hat mich gepusht», blickt er zurück. «Ich entschied mich für die Sportkanti, damit ich noch mehr trainieren konnte.» Gleich in der ersten Saison stieg Fischer mit den «Schöni»-Reserven in die NLB auf, zwei Jahre später gewann das Team den Meistertitel in der zweithöchsten Liga der Schweiz. Weitere Highlights waren zwei Schweizer Meistertitel mit den Schönenwerder U23-Junioren. An der letztjährigen U23-SM wurde er als bester Libero des Turniers ausgezeichnet. «Das war für mich die Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin», so Fischer.

In der vergangenen Saison feierte der angehende ETH-Student sein Debüt in der NLA. Er teilte sich den Libero-Job mit Routinier Marco Heimgartner. «Das war ideal, denn ich konnte mich so perfekt an das Niveau gewöhnen. Es ist ein grosser Schritt von der NLB zur NLA.» Nach dem Rücktritt von Heimgartner geniesse er es jetzt, die unumstrittene Nummer 1 zu sein.

«Kleine Taucher» überwunden

Die Qualifikationsphase in der NLA neigt sich langsam dem Ende zu. Nach 16 von 21 Spielen liegt Volley Schönenwerd hinter Titelverteidiger Amriswil auf dem zweiten Tabellenrang. Nur vier Spiele verloren die Niederämter in der aktuellen Meisterschaft. «Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft», zeigt sich denn auch Julian Fischer glücklich. «In den ersten Spielen 2017 hatten wir allerdings ein paar kleinere Taucher. Wir verloren zwar nicht, spielten aber gegen die schwächeren Gegner nicht wahnsinnig gut. Am letzten Wochenende fanden wir gegen Jona zu unserer alten Form zurück.» Dass die Schönenwerder seit Saisonbeginn in der Spitzengruppe der NLA vertreten sind, sei vor allem aufgrund der vielen Wechsel im Sommer nicht selbstverständlich. Fischer selbst musste sich auf seine zwei neuen Partner in der Annahme, Fran Peterlin und Kristo Kollo, einstellen. «Das war eine Herausforderung, doch bis jetzt harmoniert es sehr gut.»

Den Heimvorteil in den PlayoffViertelfinals haben die Schönenwerder bereits auf sicher. Doch die Niederämter wollen unbedingt den zweiten Platz halten, um auch in einer möglichen Halbfinal-Serie daheim beginnen zu dürfen. Morgen Samstag steht das Kräftemessen mit Leader Amriswil an, gegen den die Schönenwerder in dieser Saison schon zweimal den Kürzeren zogen (1:3- und 2:3-Niederlage).

Der Leader ist schlagbar

«Amriswil ist nicht so viel besser, wie es in der Tabelle den Anschein macht», wägt Fischer ab. «Sie spielen sicher konstant auf einem sehr hohen Level, sind aber definitiv schlagbar. Auch wir werden sie noch bezwingen.» Druck am Service kombiniert mit einer stabilen Annahme, dies sei das Rezept gegen die Thurgauer.

Seine Abwehrkünste werden also gefordert sein, weiss Libero Julian Fischer, der seine Agilität und guten Reaktionen als grösste Stärken sieht. Sein grösstes Manko sei halt doch die fehlende Körpergrösse. Auf internationalem Top-Niveau gibt es heute kaum noch einen Libero, der kleiner ist als 1.90m. «Nur schon wegen der Reichweite ist die Grösse ein deutlicher Vorteil», sagt Fischer.

«Aber an meiner Grösse kann ich nichts ändern. Deshalb sehe ich die fehlenden Zentimeter als Herausforderung und will immer fünf Prozent mehr geben als die anderen.»