Schönenwerd

Kantonsräte sitzen in der Betoncoupe Arena an alten Kanti-Pulten

In der Betoncoupe Arena in Schönenwerd findet ab Dienstag die letzte Sitzungsperiode des Parlamentes vor der Sommerpause statt.

Lorenz Degen
Drucken
Teilen
Kantonsratspräsident Daniel Urech (links) und Ratssekretär Michael Strebel (rechts) stehen probeweise am Rednerpult

Kantonsratspräsident Daniel Urech (links) und Ratssekretär Michael Strebel (rechts) stehen probeweise am Rednerpult

Bruno Kissling

Wo sonst Volleybälle fliegen, wird ab Dienstag Politik gemacht. Nach dem Solothurner CIS-Zentrum wird der Kantonsrat eine weitere Session ausserhalb seines eigenen Saales durchführen. Der Entscheid, «extra muros» zu tagen, fiel im Zusammenhang mit den Abstandsregelungen während der Coronapandemie. Durch die Vermittlung von Kantonsrat Peter Hodel (FDP), der als Schönenwerder Gemeindepräsident um die passende Infrastruktur in seinem Dorf wusste, bekam die Betoncoupe Arena die Aufgabe, als Tagungsort zu dienen. Nicht nur am Dienstag, sondern auch am Mittwoch und am Mittwoch in einer Woche wird der Kantonsrat dort zusammenkommen.

Am Montag präsentierte sich die Sporthalle schon fast bereit für ihre neue Bestimmung. Ein Mann sprühte Desinfektionsmittel auf die vielen Tischplatten, die in eineinhalb bis zwei Meter Abstand voneinander aufgestellt wurden. Mit einem Wischmob fuhr er anschliessend über die weisse Oberfläche der über hundert Pulte, die auf dem Hallenboden über sechs Reihen verteilt sind. Dort sitzen, nach Fraktionen getrennt, die Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Auf einer kleinen Tribüne stehen in zwei Reihen Tische für die Regierung, den Kantonsratspräsidenten und den Ratssekretär. Das Büro des Rates sowie zwei Weibel sind an weiteren Tischen platziert. Am Eingang und in der Halle stehen Ständer mit Desinfektionsmitteln.

Hinweis

Die Sitzung kann im Live-Stream verfolgt werden.

Ein Grossteil der Pulte stammt aus der Kanti Olten und trägt noch Kritzeleien der Schüler an den Rändern. «Als wir hörten, dass diese entsorgt werden sollten, liess ich sie beiseiteschaffen. Hier passen diese perfekt», sagt Harri Kunz, Geschäftsführer der UpEvent, die für die Infrastruktur zuständig ist. Als «Tätschmeister» schaut Kunz, dass alle Steckdosen funktionieren, die Mikrofone ihren Dienst tun und die Videoübertragung läuft. «Verglichen mit anderen Aufträgen ist das hier vor allem eine grosse Logistik-Aufgabe.» Die Betoncoupe Arena sei ein sehr guter Austragungsort: «Die Akustik hier ist sehr gut, auch die Zufahrt ist einfach. Man merkt, dass hier ein paar Leute etwas studiert haben, bevor gebaut wurde.» Das Mittagessen (es gibt Sandwiches) wird im Einbahn-System abgegeben, Stehtische sind bereit.

Kantonsratspräsident Daniel Urech (Grüne) hat ein eigenes Mikrofon, die Parlamentarierinnen und Parlamentarier müssen zum Rednerpult, wenn sie sprechen möchten. Dieses wird nach jeder Benutzung desinfiziert, was wohl über hundert Mal pro Tag geschehen dürfte. Zwei Kameras übertragen die Sitzung für den Live-Stream, der im Internet verfolgt werden kann. Urechs Blick schweift durch die Halle: «Beim Anblick dieser Zuschauerränge ist es schade, dass wir keine Besucherinnen und Besucher zulassen dürfen.» Die grösste Änderung im Vergleich mit dem üblichen Ratsbetrieb ist die Abstimmung von Hand. «Wir haben fünf Stimmenzähler, die bei Bedarf eine genaue Auszählung ermöglichen.» Drei Wochen hatte das Team um Ratssekretär Michael Strebel Zeit, um die Sitzungen vorzubereiten. Ein Shuttledienst zum Bahnhof wird nicht eingerichtet. «Wir haben für das CIS-Zentrum einen Bus angeboten, mussten aber feststellen, dass dieser kaum benützt wurde.»

Urech gefällt der temporäre Aussenstandort sehr. «Ich habe gerade gesehen, dass die Badi Schönenwerd gleich nebenan liegt.» Auf die Frage, ob er in der Mittagspause denn schwimmen gehen wolle, antwortet der Dornecker ganz baselbieterisch: «Mir wei luege.»