Lostorf

«Es war ein Chrampf, bei null anzufangen»: Firmengründer Peter Vogt erzählt aus seinem Leben

Die Biografie des Unternehmers Peter Vogt aus Lostorf ist erschienen. Im Gespräch erklärt er, warum ihm das nicht ganz geheuer ist.

Judith Frei
Drucken
Teilen
Peter Vogt, Gründer der Vogt AG, posierte nur widerwillig vor seinem Wohnhaus und Büro in Lostorf.

Peter Vogt, Gründer der Vogt AG, posierte nur widerwillig vor seinem Wohnhaus und Büro in Lostorf.

Bruno Kissling

Seit 1970 steht das Werk 1 der Vogt AG Verbindungstechnik am Lostorfer Dorfrand. Im oberen Geschoss des Bürogebäudes ist die Wohnung des Gründers Peter Vogt, in welcher der 83-Jährige mit seiner Frau Ursula lebt. «Meine Frau findet sie ohne die Kinder zu gross und würde gerne in eine kleinere Wohnung ziehen», sagt Vogt. Für ihn wäre es ein schwieriger Schritt, von seinem Geschäft wegzuziehen. Denn für Vogt gibt es keine klare Trennung von Geschäftlichem und Privatem. Möglicherweise ist das genau die Zutat, die sein Erfolgsrezept ausmachte.

Der Lostorfer hat mit 26 Jahren das Unternehmen gegründet – ohne Startkapital. Seither stellt die Vogt AG Komponenten im Bereich der elektromechanischen Verbindungstechnik her. Nun gibt es das Unternehmen schon 57 Jahre und wird in zweiter Generation geführt. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen über 100 Angestellte in drei Werken und ist elementar für den Wirtschaftsstandort Lostorf. Eine Erfolgsgeschichte, wie sie im Bilderbuch steht.

Für Peter Vogt ist nicht nur der Gewinn wichtig, sondern auch das Wohl seiner Angestellten: Teilzeitarbeit und eine Sportanlage sind auf deren Bedürfnisse ausgerichtet. Die Sportanlage wird auch vom Tennisclub Wartenfels benutzt, und von den Squash-Plätzen und der Indoor-Golfanlage profitiert das ganze Dorf.

Jetzt ist seine Biografie im Acta Verlag erschienen. Der Verlag gehört dem Journalisten Bernhard Trösch, einem Freund der Familie. «Ich habe eigentlich meinen Werdegang für meine Familie aufgeschrieben», sagt Vogt. Die Idee kam ihm am 50-Jahr-Jubiläum der Vogt AG. Seine Familie und er wurden spontan auf die Bühne gebeten. Der Gründervater sollte einige Anekdoten aus der Gründungszeit erzählen. «Auf die Schnelle sind mir nicht die guten Geschichten eingefallen», sagt Vogt. So habe er sich nach diesem Anlass an die Arbeit gemacht und für seine Familie die wichtigsten Geschichten aus seinem Leben niedergeschrieben. Das Resultat war ein schlichtes Ringheft und für den Unternehmer war die Sache eigentlich abgeschlossen. Der Historiker Trösch konnte ihn nur mit Mühe überzeugen, das Geschriebene zu veröffentlichen. Bis heute ist ihm das Ganze nicht geheuer. So stünden auch ganz persönliche Dinge aus seinem Leben in diesem Buch. «Mir ist es auch unangenehm, dass mein Bild so gross auf dem Buchumschlag ist. Ich bin kein guter Selbstdarsteller», sagt Vogt. Das Resultat lässt sich aber sehen: Von Peter Vogt persönlich erfährt der Leser nicht nur, wie er sich vom KV-Stift zum Unternehmer mauserte, sondern auch wie sich das Leben in Lostorf und der Region in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Seine Anekdoten werden mit historischen Familienbildern untermalt.

Hinweis

Das Buch kann beim Acta-Verlag, Höhenweg 1, 5102 Rupperswil, info@swissnit.ch, bezogen werden.

Gemeinsam zum Erfolg trotz Skepsis

«Es war ein Chrampf, bei null anzufangen», erinnert sich Vogt. Er kommt aus bescheidenen Verhältnissen und seine Eltern konnten ihm keine finanzielle Starthilfe für seine Karriere bieten. Das Geld war bei den Vogts immer knapp. Schon als Bub wollte er ein kleines Zubrot für seine Familie verdienen und verkaufte Reformprodukte – Dinge für den täglichen Gebrauch – von Haus zu Haus. Seiner Mutter gefiel es nicht, dass ihr Sohn «hausieren» ging. So musste er sein kleines Geschäft aufgeben. Denn die Mutter hatte klare Vorstellungen, wie die Zukunft ihres Sohnes auszusehen hat. «Sie wollte, dass ich entweder für die Bahn oder die Post arbeite – wirtschaftliche Sicherheit über alles», sagt der Unternehmer schmunzelnd. Als er dann sein Unternehmen gründete, war sie die erste Person, die er anstellte. Skeptisch blieb sie trotzdem. Auch Vater und Bruder hat er in sein Geschäft eingebunden. So war das Unternehmen von Anfang an eine Familienangelegenheit. Seit Sohn Thomas Chef und die erste Generation pensioniert ist, habe sich das ein wenig geändert.

Sein Sohn hat 2001 das Ruder übernommen und der Gründer zog sich weitgehend zurück. «Das war nicht leicht für mich, denn es gab anfänglich auch Reibereien», gibt er offen zu. Heute arbeitet er noch eine Stunde am Tag: «Wie ein Heinzelmännchen erledige ich die Arbeiten, die sonst niemand machen will.» Das heisst, er kümmert sich um die Dokumentation des Kundenstammes und der Produkte. Wenn er nicht im Büro ist, geht er mit seiner Frau auf Reisen. «Wenn man Unternehmer ist, kann man kaum Ferien machen», sagt Vogt. Eben erst war der gelernte Kaufmann in Georgien auf den Spuren der Seidenstrasse. Auf diesen Reisen falle es ihm wieder auf, wie gut es den Schweizern ginge. «Im Hochlohnland Schweiz zu geschäften, ist nicht einfach.» Auch in Zentralasien ist der pensionierte Unternehmer gedanklich in Lostorf bei seiner ehemaligen Firma.