Trimbach

«Diese Fahrt ist eine Zumutung»: Bahnersatz der S9 ist nicht beliebt bei Passagieren

Bis zum Dezember fährt anstelle der S9 ein Bahnersatzbus. Die Gemeinde Trimbach, welche voll hinter dem Zug steht, hat das Nachsehen.

Lorenz Degen
Drucken
Teilen
Bis Mitte Dezember fährt anstelle der S9 ein Bahnersatz-Bus.

Bis Mitte Dezember fährt anstelle der S9 ein Bahnersatz-Bus.

Bruno Kissling

Der Motor brummt. Ein paar Passagiere haben sich im Bus verteilt, der sich langsam vom Oltner Bahnhof Richtung Trimbach bewegt. Stockende Kolonnen vor den roten Ampeln erschweren sein Fortkommen. Nur noch ein Zug, vor allem für Schülerinnen und Schüler, verkehrt um die Mittagszeit derzeit auf der alten Hauensteinstrecke zwischen Olten und Sissach.

Ansonsten ist die S9 wegen Lokführermangel von den SBB eingestellt worden. Der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu (BOGG) fährt über den Unteren Hauenstein bis Läufelfingen BL, von wo aus die Baselland Transport (BLT) den ­Verkehr durchs Homburgertal abdeckt. Gehalten wird an bestehenden Busstationen in den jeweiligen Dörfern.

Auf der Solothurner Seite des Passes ist dies nebst dem Oltner Bahnhof in Trimbach Leinfeld. Im Gegensatz zum Zug können in die Busse keine Velos eingeladen werden, bei mehr als zwei Kinderwagen wird der Stauraum eng.

Reisezeit wird länger

Das Fazit der Fahrgäste ist einhellig. «Diese Fahrt ist eine Zumutung», sagt ein älterer Herr. «Der Bus braucht fast so lange nur bis Läufelfingen wie der Zug sonst bis Sissach.» In der Tat verlängert die unfreiwillige Passfahrt die Reisezeit von 27 Minuten mit dem modernen Gelenktriebwagen auf 54 Minuten.

Sein Wanderkamerad meint: «Es ist sehr mühsam. Zudem muss man in Läufelfingen umsteigen, das ärgert mich.» Der Fahrplan zeigt nur ganz wenige Kurse an, die direkt zwischen Olten und Sissach verkehren. Und eine Geschäftsfrau stört sich ab der Komforteinbusse: «Ich habe ein GA erster Klasse. Und jetzt sitze ich hier in diesem lärmigen Zweitklasse-Bus. Das ist ungeheuerlich!»

Auch für Trimbachs Ge­meindepräsident Martin Bühler (SP) ist die Umstellung der S9 bis zum Fahrplanwechsel im Dezember sehr ärgerlich: «Wir sind nicht die einzige Strecke, die so stiefmütterlich behandelt wird, aber doch trifft es wieder einmal uns. Diese Massnahme setzt wieder ein Zeichen, dass die SBB die Linie für den Personenverkehr eigentlich gar nicht mehr bedienen will.»

Trimbach stehe aber voll und ganz hinter dem Zug: «Wir haben das Läufelfingerli immer solidarisch mitgetragen.» Für Trimbacherinnen und Trimbacher, die in die Region Basel pendeln, sei diese Verbindung sehr wichtig: «Die S9 ist der rascheste Weg in die Nordwestschweiz bis ins Laufental. Die Strecke braucht es für uns in Trimbach unbedingt.»

«Der Bus ist eben kein Ersatz»

Bühler findet den Begriff «Bahnersatz» unzutreffend: «Der Bus ist eben kein Ersatz. Er braucht viel länger, ist wesentlich unbequemer und auch ökologisch schlechter.» Niemand wolle diesen Bus. Er macht einen Vergleich aus der italienischen ­Küche: «Wenn ich eine Pizza ­Quattro Stagioni bestelle, und dann bekomme ich Cannelloni vorgesetzt mit der Begründung, das komme ja aus der gleichen Küche und sei auch italienisches Essen, dann frustriert mich das. Wenn ich eine Pizza bestelle, will ich keine Canneloni.

Die Kantone Solothurn und Baselland haben Regionalzüge bestellt, nun erhalten sie etwas ganz anderes. Die Leute werden aufs Abstellgleis geschoben.» Die Forderung von Felix Wettstein, den Busbetrieb sofort wieder einzustellen, unterstützt Bühler, ist jedoch pessimistisch: «Ich fürchte, alles bleibt nun so bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember.» An der nächsten Sitzung will er das Thema im Gemeinderat besprechen.