Natur

Der Wall auf dem Eppenberg bleibt weiterhin ein Geheimnis

Der Wall auf dem Eppenberg birgt noch immer Geheimnisse, ist sich der Solothurner Kantonsarchäologe Pierre Harb sicher.

Lorenz Degen
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Der Wall zieht sich im hinteren Teil als auffälliges Erderhebung mitten durch den Wald.

Der Wall zieht sich im hinteren Teil als auffälliges Erderhebung mitten durch den Wald.

Chris Iseli

Von weitem ist nichts Besonderes zu sehen. Sanft ansteigende Felder, dahinter der Waldrand. Soweit so normal. Erst beim Betreten des Waldes fällt das steil ansteigende Bord auf, das sich wenig später gleich wieder absenkt.

Bäume wachsen auf und neben der wellenartigen Erhebung, dem Wall von Eppenberg. Christof Huber (59), Präsident der Bürgergemeinde, schreitet auf der Dammkrone. «Wir sagten dem Wall früher einfach ‹Römerhügel›», meint er lachend. Kantonsarchäologe Pierre Harb (57), der voraus geht, findet das keineswegs ungewöhnlich: «Was alt war, wurde früher oft pauschal als ‹römisch› bezeichnet. Es gibt im Kanton zahlreiche ‹Römerstrassen› oder ‹Römerbrücken›, die mit der wirklichen Römerzeit nichts zu tun haben.»

zvg

Entstehungszeit des Walls ist schwer zu sagen

Harb ist vom Eppenberger Wall seit Jahren fasziniert: «Es ist das schönste Erdmonument, das wir haben im Kanton; und eines der schönsten in der Schweiz.»Die genaue Datierung des Walls ist schwierig, so Harb: «Wir schätzen die Entstehungszeit auf etwa 100 bis 200 Jahre vor Christus.»

Ein erster Bericht erschien 1871 von einem Professor Mühlberg im Anzeiger für Schweizerische Altertumskunde. Im Auftrag von Eduard Bally-Prior untersuchte der Bezirkslehrer Alexander Furrer aus Schönenwerd die Anlage. Er liess mehrere Schnitte durch den Damm graben, gefunden wurden aber nur einige wenige Scherben. Da eine dieser Scherben aus der späten Eisenzeit (Latène) stammt, erklärt Furrer die auch als «Heidenschanze» bezeichnete Fläche zu einer keltischen Fluchtburg.

Eppenberg wird auch «Mons Vocetius» genannt

Aber vor wem wären die Bewohner denn geflohen? Der Aargauer Kantonsarchäologe Georg Matter deutet den Eppenberg als «Mons Vocetius», der von Tacitius beschrieben wird und auf dem eine heftige Schlacht zwischen den Helvetiern und der römischen Besatzungsmacht stattgefunden habe.

Sein Kollege Pierre Harb mag sich dieser Deutung nicht anschliessen, will ihr aber auch nicht widersprechen. «Wir wissen einfach zu wenig darüber.» Ein «Refugium», aber auch eine Siedlung, oder gar ein «Oppidum» müsste mehr an Funden bringen, die es allerdings nicht gibt.

Der Laienforscher Theodor Schweizer (1893-1956) habe zwar «es guets Näsli» gehabt, wenn es um das Aufspüren von Funden gegangen sei, meint Harb. Aber auch seine Versuche, dem Eppenberg seine Geheimnisse zu entlocken, blieben vergebens. Insbesondere finden sich bis heute keine Spuren von Behausungen. Auch Gräber kamen bislang keine zum Vorschein.

Falls es Häuser gab, waren sie wohl aus Holz gebaut

Mit 12 bis 13 Hektaren Fläche, die gut zur Hälfte vom rund 600 Meter langen Wall umschlossen und entlang der restlichen Linie von einer steilen Felswand abgegrenzt wird, handelt es sich um eine sehr grosse Anlage. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Fläche vollständig besiedelt gewesen war. Man darf sich ein Refugium oder eine keltische Siedlung nicht wie eine mittelalterliche Stadt vorstellen, wo hinter der Stadtmauer eine Gasse entlangführt und dann gleich eine Häuserzeile folgt», erklärt Harb.

Innerhalb des Walls lagen wohl auch Äcker und Weideland für das Vieh. Da keine Mauern gefunden wurden, liegt die Vermutung nahe, dass die Häuser aus Holz erstellt wurden. Sofern es sie überhaupt gegeben hat, was keineswegs sicher ist.

Mountainbiker schaden dem Wall

Der Zahn der Zeit nagt auch am Wall. Sorgen machen Harb die Mountainbiker, die die Erhebung als sportliches Hindernis sehen. Ihre Fahrrinnen schaden dem Wall, haben mancherorts gar zu einer deutlichen Vertiefung geführt.

Daneben sind es die Tiere des Waldes, die den Wall aushöhlen: Dachse graben Erdlöcher, die später von Füchsen bewohnt werden. Das Wurzelwerk der Bäume tut sein Übriges zur Zersetzung. Insgesamt aber ist der Wall für sein Alter in einem guten Zustand. «Besonders im hinteren Teil, der ganz im Wald liegt», so Harb.

Dass keine Tafel auf die prähistorische Anlage hinweist, ist für Harb kein Mangel. «Es gibt beide Theorien: Eine Beschriftung kann Leute sensibilisieren, aber auch anlocken.» Es komme immer wieder vor, dass Leute mit einem Metalldetektor durch den Wald streifen und nach Schätzen suchen. Aber nur, wer sich bei der Kantonsarchäologie registriert und die Erlaubnis dazu erhält, tut dies auch legal.

Harb hat gute Erfahrungen mit diesen freiwilligen Suchern gemacht. «Sie suchen an Orten, wo wir aus Kapazitätsgründen nie hingehen würden.» Auch auf dem Eppenberg war schon ein solcher Spurensucher im Auftrag von Pierre Harb unterwegs. Die wenigen Münzen und Metallfunde bestätigen eine Begehung in der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit). Der Eppenberger Wall behält seine Geheimnisse weiterhin für sich.