Capus und Harry Potter fehlen noch

Die Bücherbörse des Seniorenrats hat schon nach drei Monaten Stammkunden gefunden.

Christian von Arx
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Däniker «Bücherfrauen» (von links): Monika Kessler, Kundin Andrea Gerber, Irene Fischer und Elisabeth Marrer.

Däniker «Bücherfrauen» (von links): Monika Kessler, Kundin Andrea Gerber, Irene Fischer und Elisabeth Marrer.

Remo Fröhlicher

«Schauen Sie, das sind jetzt die ersten Kinder, die selber etwas zum Lesen mitnehmen», raunt mir Monika Kessler zu. Sie ist ganz gerührt. «Wie hatten wir uns als Kinder gefreut, wenn wir ein Buch geschenkt bekamen! Das nahm man mit ins Bett und schaute es immer wieder an.» Heute, meint sie, würden viele Kinder nur noch gamen und nicht mehr lesen. Vielleicht ein Vorurteil?

Der Bub strahlt jedenfalls, als er das Lokal der Bücherbörse, im Alltag ein Sitzungszimmer im Däniker Gemeindehaus, im Schlepptau von Mami mit etwas Gedrucktem in der Hand verlässt. «So herzig!», freut sich Monika Kessler.

Genau so ists gedacht, denn die Bücherbörse Däniken hat auch eine Kinderbuchabteilung. Natürlich überwiegt der Lesestoff für die Grossen. Wer wissen will, was die Leute wirklich lesen, sollte sich hier mal umsehen: Nora Roberts, Charlotte Link, Brigitte Balzarini-Voss ... Täuscht der Eindruck, oder gibts da vor allem Bücher für Frauen? «Nun, Frauen lesen vermutlich mehr», meint Irene Fischer, die anfänglich die Idee zur Bücherbörse hatte.

Die Frage löst sofort eine Diskussion aus. «Vielleicht ist es so: Männer lesen anderes – Krimis, Science-Fiction zum Beispiel, vielleicht etwas Englisches.» Diese Gelüste kann das Sortiment im Gemeindehaus durchaus befriedigen. «Ja, wir haben auch heftige Männerkrimis», schmunzelt Irene Fischer – wobei sie die selber ganz gern liest, wenn sie nicht allzu blutig sind.

Bücher holen, Bücher bringen

Das Prinzip der Bücherbörse ist einfach: Während der Öffnungszeiten kann man Bücher bringen und Bücher holen, einfach so, ohne Einschreibung, ohne Katalog, ohne Kosten. Bücher holen, ohne welche zu bringen, ist kein Problem. Die abgeholten Bücher kann man behalten, weitergeben oder auch wieder in die Börse zurückbringen. «Was wir gerne nehmen, ist aktuelle Unterhaltungsliteratur, Biografien, Krimis, Gutenachtlektüre halt», erklärt Elisabeth Marrer, die Dritte im Bunde. «Hüttenfieber zum Beispiel», wirft eine Kollegin ein. «Ja, das ...» stimmen alle sofort bei.

Die Bücherbörse ist aber kein wahlloses Sammelsurium. Die Bücher müssen sauber und gut erhalten sein, auch die Kinderbücher nicht verschlissen und vermalt. Unpassendes und «alte Schunken» werden von den Börsenfrauen höflich zurückgewiesen. Lexika und Atlanten sind fehl am Platz. Auch ist die Bücherbörse nicht dazu da, um überfüllte Büchergestelle zu entrümpeln; einfach eine Kiste alte Bücher abliefern geht nicht. «So zwei oder drei Bücher, die man selber gern gelesen hat, mitbringen und wieder etwas mitnehmen, das ist die Idee.»

«Das Herz hängt noch dran»

«Die Bücher sind zu wertvoll, um sie einfach wegzuwerfen. Das Herz hängt an den Büchern», sagt Monika Kessler. «Wenn man weiss, das Buch wird nochmals gelesen und macht jemandem Freude, dann gibt man es gerne weg.» Den Grundstock zum Bestand der Bücherbörse haben die Gründerinnen nämlich aus ihrem eigenen Fundus gelegt.

Das Angebot scheint der Nachfrage zu entsprechen: «Die meisten Besucher haben etwas gefunden», lautet die Auskunft. «Es läuft gut, wir wurden im Dorf schon öfter darauf angesprochen.» Bei unserem Besuch findet «Kundin» Andrea Gerber die berndeutschen Tierparkgeschichten «Es Läbe für ds Dählhölzli» von Fred Sommer und hofft, dass sie sich zum Vorlesen für den Schwiegervater eignen. Für sich selbst wählt sie ein Buch mit dem Titel «Richtig atmen»: «Etwas Medizinisches», erklärt sie: Sie habe halt schon in verschiedenen Spitälern gearbeitet.

Zu den Rennern im Angebot gehören etwa die Auswanderer-Sagas aus Australien und Neuseeland. «Capus haben wir noch nicht», fällt Irene Fischer auf. Wie stehts mit Harry Potter? «Stimmt, davon wurde bisher noch keines abgegeben. Vielleicht hängen die Besitzer noch zu sehr an diesen Büchern.»

Die Bücherbörse Däniken gibts seit September. Sie ist eine Gründung des Seniorenrats, den Irene Fischer, Monika Kessler und Elisabeth Marrer zusammen mit Damir Nedic bilden, der als Mitglied der Kommission Gesellschaft und Gesundheit die Verbindung zu den Behörden ist. Die Gemeinde unterstützt das Angebot, indem sie den Raum zur Verfügung stellt und einen Kredit, aus dem der Seniorenrat das Büchergestell anschaffen konnte.

Der Seniorenrat hat schon die Idee «Nette Toilette» (Gratisbenützung der Toiletten in den Restaurants im Dorf) lanciert und wird, nachdem zwei Probeanlässe erfolgreich verliefen, nächstes Jahr regelmässig einmal pro Monat einen Spielnachmittag für Senioren durchführen, erstmals am 19. Januar 2017 im «Rebstock». «Übrigens, wir suchen noch einen Mann für den Seniorenrat», gibt Elisabeth Marrer dem Reporter mit auf den Weg.