Kienberg

Bach sorgt für Unruhe: Anwohner fürchten Hochwasser, der Kanton beruhigt

Der Kanton will den Dorfbach öffnen. Anwohner aus Kienberg sind nicht einverstanden. Sie fürchten Überschwemmungen.

Noël Binetti
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Hier unterquert der Bach die Saalstrasse. Danach verschwindet er bis zum Dorf in einem baufälligen Stollen. Das kann bei Starkregen zur Überschwemmung führen, darum möchte ihn das AVT öffnen.

Hier unterquert der Bach die Saalstrasse. Danach verschwindet er bis zum Dorf in einem baufälligen Stollen. Das kann bei Starkregen zur Überschwemmung führen, darum möchte ihn das AVT öffnen.

Bruno Kissling

Zuerst will Walter Kummer einen Presseausweis sehen. Er sei sonst nicht berechtigt, über die Baustelle zu informieren. Kummer ist Projektleiter Grossprojekte und Kunstbauten beim AVT, dem Amt für Verkehr und Tiefbau des Kantons Solothurn, ausgestattet mit Warnweste und einer Mappe voll säuberlich sortierter Baupläne. Kummer führt durch die letzte Kurve der Saalstrasse, bevor diese in das Dorf Kienberg mündet.

Im Gehen erläutert Kummer die verschiedenen Projektphasen. Er spricht von Teilabschnitten, Belagssanierung, Stützmauern und Bachdurchlässen. Anlass für die Begehung ist ein Leserbrief, den ein Anwohner dieser Zeitung vor einigen Wochen schickte. Darin wirft er dem Kanton vor, eine Autobahn über den Pass zu bauen. Der Kanton trete gegenüber der Bevölkerung arrogant auf, und er würde Wasser, welches sich auf der Strasse ansammle, in den Dorfbach leiten. Dies führe dann bei Gewittern zu Überschwemmungen.

Bruno Kissling

Baugesuch zurückgezogen

Die Passstrasse windet sich hier durch Hänge und Wälder. Das Einzugsgebiet von Regenwasser ist gross. Die Strasse führt teils durch steinschlaggefährdetes Gebiet. Kurz vor dem Dorf liegt unter Bäumen und dicht bewachsen ein Damm. «Der stammt von der ehemaligen Gipsgrube und besteht aus Aushubmaterial», erklärt Kummer. Bei trockener Witterung ist nirgends Wasser zu erkennen. Doch das ändere sich bei Niederschlag schnell. Von besagter letzter Kurve aus besteht ein zugedeckter Stollen. Er ist baufällig und darf wegen neuer Gesetzte nicht mehr saniert werden. Bachläufe müssen heute offen geführt werden.

Weil der Kanton hier die Strasse voraussichtlich 2022/23 sanieren wird, arbeitete er gleich auch Pläne aus für ein offenes Bachbett, entlang der Strasse. Die Baupläne wurden interessierten Anwohnern vorgestellt und bei der Gemeinde als Baugesuch aufgelegt. Es gab Einsprachen, die nicht bereinigt werden konnten. Das Baugesuch wurde anschliessend zurückgezogen. «Darum ist das Vorhaben vorerst auf Eis gelegt», sagt Kummer.

Es liege jetzt an der Gemeinde, eine von allen getragene Variante zu finden. Dann könne sie gerne wieder auf den Kanton zukommen: «Mit uns findet man eine Lösung». Die Ausarbeitung von Plänen, deren Auflage, die Mitwirkungsphase und eine ganze Kaskade von prüfenden Ämtern nehme jeweils viel Zeit in Anspruch. So müssten sich etwa die Stellen Amt für Wald, Jagd und Fischerei, Amt für Umwelt, die Abteilung Wasserbau, Amt für Raumplanung, Abteilung Landschafts- und Juraschutz und das AVT damit befassen.

Kummer versteht, dass ein solcher Aufwand für die Bevölkerung wenig pragmatisch erscheinen mag. Doch am Schluss gehe es darum, eine gute Lösung für alle zu finden. Und zum Begriff «Autobahn» sagt er: «Die sanierte Strasse weist eine Breite von 6.30 Metern auf. Einzig in den Kurven werde grosszügiger gebaut. «So gelangt auch das Postauto sicher durch die engen Stellen».

Bruno Kissling

Gemeinderat hat sich noch keine Meinung gebildet

Die Frage stellt sich, welches Ziel die Gemeinde verfolge? Darauf antwortet Adriana Gubler, Gemeindepräsidentin von Kienberg: «Der Gemeinderat hat sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit diesem Projekt auseinandergesetzt.» Aus diesem Grund könnten Fragen dazu aktuell nicht beantwortet werden.

Sollte der Bachlauf jedoch zum Thema werden, sei es wichtig, gegenüber den Einwohnerinnen und Einwohnern offen und transparent zu kommunizieren. Gubler sagt: «Wir hatten vor rund einem Jahr einen rein informellen Austausch mit dem Amt für Umwelt und dem Amt für Verkehr und Tiefbau zu diesem Projekt.» Die beiden Ämter hätten der Gemeinde damals ihre Überlegungen dargelegt und Fragen beantwortet.